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ENGELBERG: Zwischen Himmlischem und Diabolischem

Ewigkeit, Auflösung der Zeit und Teufelswerke: Solche Themen gaben den Akteuren des Kammermusikfestivals «Zwischentöne» reichliche Gelegenheit zu musikalischen und literarischen Höhenflügen.
Gerda Neunhoeffer
Schauspieler Robert Hunger-Bühler las im Barocksaal des Klosters Engelberg Texte über den Teufel. Bild: Manuela Jans-Koch (29. Oktober 2016)

Schauspieler Robert Hunger-Bühler las im Barocksaal des Klosters Engelberg Texte über den Teufel. Bild: Manuela Jans-Koch (29. Oktober 2016)

Musizierten da am Samstag Engel oder Teufel im Barocksaal des Klosters Engelberg? Mit geschlossenen Augen hätte man beides fast glauben können. Denn «zwischen zwei Welten», Himmel und Hölle, Gott und Tod, bewegten sich die Konzerte des dreitägigen Kammermusikfestivals «Zwischentöne», und das Programmheft war den vielen Zuhörern Wegweiser durch die himmlischen bis diabolischen Werke.

Nach Werkstattprobe und Abendkonzert vom Freitag gab es vor der Samstagsmatinee eine Einführung zu Olivier Messiaens «Quatuor pour la fin du Temps». Der Klarinettist Reto Bieri erläuterte die acht Teile des Quartetts, das Messiaen in Kriegsgefangenschaft 1941 fertiggestellt und mit anderen Gefangenen uraufgeführt hatte. Durch kurze Musikbeispiele wurde man mit Messiaens Klangsprache vertraut gemacht, und was Bieri zu jedem Satz, der je einem Schöpfungstag entspricht, erklärte, konnte man dann im Konzert nachvollziehen.

Violine und Klarinette als Vogelstimmen

So wurde man direkt in den morgendlichen Wald mit hineingenommen, in dem die Vögel langsam erwachten und sich in Violine (Alexander Janiczek) und Klarinette ihre Rufe zuspielten. Das sanft raunende Klavierspiel von Dénes Várjon und die höchsten Flageolett-Töne von Rafael Rosenfelds Cello wehten wie duftiger Morgenwind durch den Saal.

Im krassen Gegensatz dazu ertönten die Fanfaren der Engel, die das Ende der Zeit verkünden, dann aber in geradezu himmlische Harmonien wechseln. Reto Bieri liess seine Klarinette in dem Solosatz «Abgrund der Vögel» in allen Lagen singen und klagen, und er ging dabei an physische und akustische Grenzen. Der erste Lobgesang wurde von Rosenfeld wie mit Engelszungen gespielt, und die stetigen Akkorde am Klavier klangen wie wundersame Glockenschläge.

Was die Musiker aus dem sechsten Satz, der komplett unisono gehalten ist, zauberten, stimmte ein auf den schillernden siebten Satz. Da entstanden himmlisch orchestrale, irisierende Klänge, die sich wie ein Regenbogen aus dem nächsten zu entwickeln schienen und schier endlos ineinandergewoben wurden. Geheimnisvoll endete der Lobgesang in Violine und Klavier, und genau in das leise Ende stimmten die Glocken der Klosterkirche magisch ein. Nur langsam konnte man sich aus der «aufgelösten Zeit» lösen und in die Wirklichkeit zurückfinden.

Von Kafkas Teufel bis Dantes Hölle

Nach einer Mittagspause im warmen Sonnenschein traf man sich am frühen Nachmittag zu «Musik und Literatur zum Thema Teufel» wieder im Barocksaal. Mit dem Schauspieler Robert Hunger-Bühler hatte man den idealen Interpreten der Texte über den Teufel gefunden. Mit fahler Stimme rezitierte er Franz Kafkas «Erfindung des Teufels», im «Verlorenen Paradies» von John Milton erhob er die Stimme gewaltig bei «Heil dir o Unterwelt», und in Dante Alighieris «Höllengesang» überfiel einen das Grauen durch Hunger-Bühlers atemberaubende Intensität. Dazwischen erklang diabolische Musik, dunkel gespenstisch ausgeführt und dramatisch vorangetrieben. Sätze aus Igor Strawin­skys Suite «L’histoire du soldat» umrahmten das Konzert. Und wie da Alexander Janiczek seine Violine tanzen liess, dazu Dénes Várjon die Tasten in rhythmischer Unerbittlichkeit schlug und Reto Bieri mit seiner Klarinette hüpfende Tupfer setzte, das war diabolisch genug.

Zuerst lieblich verführerisch, dann chaotisch wirbelnd

Fast lieblich verführerisch klang dagegen «Green Devil» von Gaspar Cassado; die Cellistin Milena Umiglia spielte mit schmelzendem Wohllaut und sattem Ton, und das Klavier (Izabella Simon) schien satanische Versprechungen zu machen.

Ganz anders dagegen die Klavierstücke von Franz Liszt und Maurice Ravel. Da tanzten Várjons Hände in Listzs «Bagatelle sans tonalité» durch alle chaotisch durcheinandergewirbelten Tonarten glasklar, brillant und wie von einem Teufel mit hundert Fingern.

In Ravels dreisätzigem «Gaspard de la nuit» aber wuchs er fast über alle pianistischen Möglichkeiten hinaus, und diabolischer, zwingender und virtuoser kann man das kaum spielen. Man wurde in einen wahren Höllentanz hineingezogen, und der Beifall war, wie auch am Ende des Konzertes, begeistert und nicht enden wollend.

Das zweite Kammermusikfestival in Engelberg, das gestern zu Ende ging, zeigte steigende Besucherzahlen und wird mit seiner speziellen Gestaltung sicher auch im kommenden Jahr viele Musikfreunde anlocken.

Gerda Neunhoeffer

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