ENGELBERG/VANCOUVER: «Wir sassen oft im Atelier am Tisch»

Pater Karl Stadler war ein bedeutender Künstler. Nun haben amerikanische Verwandte sein reiches Werk dokumentiert.

Drucken
Teilen
Bea und Leah Pires (von links) haben das Schaffen ihres Schweizer Verwandten... (Bild: Romano Cuonz)

Bea und Leah Pires (von links) haben das Schaffen ihres Schweizer Verwandten... (Bild: Romano Cuonz)

Interview: Romano Cuonz

Pater Karl Stadler (*1921) wuchs am Rorschacherberg über dem Bodensee auf. Nachdem er an der Klosterschule Engelberg das Gymnasium besucht hatte, trat er dem Benediktinerorden bei. Ab 1951 war er am Gymnasium Zeichnungslehrer. Als vielseitiger Künstler und Glasmaler bei sakralen Arbeiten, aber auch als Fotograf, hat sich Pater Karl einen Namen gemacht. Seine Werke sind über die ganze Schweiz verteilt. Vor drei Jahren verstarb er. Nun haben seine amerikanischen Verwandten Bea und Leah Pires zusammen mit Pater Eugen Bollin das beeindruckende künstlerische Leben von Pater Karl Stadler mit einem Webalbum dokumentiert. Im Interview gab seine Nichte Bea Pires unserer Zeitung zu verstehen, dass sie und ihre Tochter beim Dokumentieren von Pater Karls Schaffen auch Trauerarbeit geleistet hätten.

Bea Pires, wann haben Sie selber Pater Karl zum letzten Mal getroffen?

Bea Pires: Ich hatte meinen Onkel im Mai 2012 noch einmal im Kloster Engelberg besucht. Dabei war mir bewusst, dass es wohl die letzte Begegnung sein würde. Drei Wochen nach meiner Rückkehr nach Vancouver erfuhr ich von seinem Hinscheiden. Zur Abschiedsfeier im Kloster konnte ich nicht zurückkehren. Als eine Art Trauerarbeit begann ich nun fast frenetisch alles, was ich von Pater Karl in unserem Haus finden konnte, nochmals genauer anzusehen und zu lesen. Ich folgte jeder Spur. Schliesslich begann ich mit Fotografieren und erstellte ein vorläufiges Fotoalbum auf Picasa, worin ich alles festhielt.

Geschah all dies auch in Zusammenarbeit mit dem Kloster?

Bea Pires: Bevor ich irgendwelche Fotos ins Netz stellte, setzte ich mich mit Abt Christian in Verbindung und bat ihn um Erlaubnis, Pater Karls Werke zu zeigen. Er stimmte zu und liess mir grossen Spielraum. Zusammen mit meiner Tochter Leah machte ich den Vorschlag, Pater Karls Nachlass im Kloster zu organisieren, dokumentieren und präservieren. Dabei fanden wir, vor allem auch durch Pater Eugen Bollin, grosse Unterstützung.

Ihre Tochter Leah hat dabei grosse Arbeit geleistet. Sie war offensichtlich sehr motiviert.

Bea Pires: Leah ist Doktorandin in Kunstgeschichte an der Columbia University in New York und besass schon etwas Erfahrung im Archivieren von Kunst. Nach ihrem letzten Besuch bei Pater Karl im Sommer 2011 hatte sie den Wunsch geäussert, sich eines Tages seines Nachlasses anzunehmen. Leah, damals erst 23, erkannte früh den Wert von Pater Karls Kunst. Wir beide liebten Pater Karl und besuchten ihn immer gerne im Kloster Engelberg. Wir freuten uns jeweils, mit ihm in seinem Atelier am ‹Roten Tisch› Kaffee und Kuchen zu geniessen und über seine Kunst zu sprechen.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten bei der Suche und dem Auffinden von Werken Pater Karls?

Bea Pires: Es brauchte oft ganze Tagereisen, um die Originalwerke aufzusuchen und zu fotografieren. Wir aber konnten nur einmal pro Jahr während einer begrenzten Zeit in Europa arbeiten. Das ging von den schwer auffindbaren ­‹Bildstöckli› in Sarnen bis zur Kapelle St. Joder in Zuoz. Nach Oberharmersbach (D) habe ich es noch nicht geschafft.

Haben Sie auch Berührendes erlebt?

Bea Pires: Ja, vor allem bei den Benediktinerinnen in Maria-Rickenbach, in Sarnen oder auf der Marienburg in Wikon. Im Kloster Engelberg wurden für Leah während ihrer Arbeit geradezu fürstliche Gemächer zur Verfügung gestellt! Auch hatte die Maturaklasse 2013 von Pater Eugen 2000 Franken gesammelt, um Leahs Arbeit zu unterstützen.

Die fotografische Dokumentation von Kunst ist diffizil. Wie haben Sie da Probleme gelöst?

Bea Pires: Ja, ich bin keine ausgebildete Fotografin. Im Nachhinein habe ich auch festgestellt, dass meine Kamera unzureichend war. Leah konzentrierte sich vor allem aufs Dokumentieren. Die Aufnahmen sahen wir jeweils erst in Übersee, als es zu spät war, weitere Versuche zu machen. Leahs Bruder David hat uns am Ende bei der Bearbeitung der Fotos geholfen.

Nun lässt sich Ihre beeindruckende Sammlung von Kunstwerken aller Art und an verschiedensten Orten im Netz betrachten. Lassen Sie es dabei bewenden, oder denken Sie später auch an eine Print-Dokumentation?

Bea Pires: Vorläufig lassen wir es dabei bewenden. Wir bemühen uns, noch weitere Fotos hinzuzufügen. Was wir hoffen: dass im Jahre 2021 – das wäre sein 100. Geburtstag – eine Ausstellung organisiert werden kann. Auch habe ich mir vorgenommen, Pater Karls Briefe an seine Eltern und Geschwister aus den 30er-und 40er-Jahren durchzusehen. Wir haben einen dicken Ordner dieser Korrespondenz.

Hinweis

Zur Bildergalerie und zu deutschen und englischen Texten über den Klosterkünstler Pater Karl Stadler gelangt man über die Webadresse paterkarlstadler.com/ueber-den-kuenstler

Pater Karl Stadler dokumentiert. (Bild: Romano Cuonz)

Pater Karl Stadler dokumentiert. (Bild: Romano Cuonz)

Ein Bild Stadlers aus dem Klosteralltag, Klosterschüler in Kutten am Portal. (Bild: Romano Cuonz)

Ein Bild Stadlers aus dem Klosteralltag, Klosterschüler in Kutten am Portal. (Bild: Romano Cuonz)