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Das Werk von Thurry Schläpfer in der Kornschütte Luzern:
Entlang Zauberwesen und Zauberworten

Kurz nach seinem Tod entwirft die Ausstellung «Treu den Linien» ein zartes Bild von Thurry Schläpfer als fantastischem Maler und Poeten.
Susanne Holz
Vögel und Fische, Wolke und Welt – Thurry Schläpfers Malereien spielen mit der Fantasie. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 7. November 2019)

Vögel und Fische, Wolke und Welt – Thurry Schläpfers Malereien spielen mit der Fantasie. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 7. November 2019)

Er ist seinen Linien treu geblieben. Besucht man die Ausstellung «Treu den Linien» des am 22. Oktober unerwartet verstorbenen Luzerner Künstlers Thurry Schläpfer, dann kann man sich durchaus geborgen fühlen in all den wiederkehrenden und wiederkehrend filigranen Linien dieses Künstlers, der, 1959 in Luzern geboren und dann hier aufgewachsen, zunächst als Fotoreporter bei verschiedenen Zeitungen arbeitete, um später autodidaktisch zur Malerei zu wechseln.

Thurry Schläpfers Malereien sind filigran, sie sind fantastisch, sie sind poetisch, sie sind kindlich-verspielt. Und sie sind unverkennbar, denn überall tummeln sich diese zarten Vögel, jene schüchternen Fische und diese bizarren Wesen, angesiedelt in einem Irgendwo zwischen Wasser und Luft.

Gelbe Blume und blaue Sonne

Fünf Rondelle mit einzelnen Staffeleien präsentieren in der Mitte der Kornschütte die tagträumerischen Bilder: feine schwarze Linien, dosierte Farben. Gelbe Blume und blaue Sonne. Blubberblasen aus dem Meer und bunte Fische. Oder die «Montagsbraut» (2011): Burg, Blume und Schmetterling. Der Hals der Braut schwanengleich, ihr Oberkörper geformt wie ein schützendes Schiff. Was man hier sieht, ist gemalte Poesie. Poesie bietet die Ausstellung aber auch in Worten: Zwei lange Tische ums Eck zeigen unter ihren Glasplatten nicht nur Schwarz-Weiss-Fotografien von Thurry Schläpfer, sondern ebenfalls Gedichte von ihm, notierte Gedanken, Liebesgedichte.

Thurry Schläpfers fantastische Bildwesen bewohnen auch seine Gedichte: Man trifft auf Seepferdchen und Korallengärten, auf Poseidon und Meerjungfrau, «Goldstern und Silberpferd». Treu den Linien: Auch in den Gedichten kann man sich geborgen fühlen – sie sind verdichtetes Gefühl in freien Bildern.

Gedicht von Thurry Schläpfer

Die blaue astronautin und der gelbe ritter

tranken gemeinsam die sonne

küssten die vereinzelt aufziehenden wolken

liebten sich im singsang der kleinen vögel

wussten, dass die zeit jetzt bei ihnen wohnte

frühmorgens, als auf der wiese morgentau lag.

Die Schwarz-Weiss-Fotografien wiederum werfen klare Lichter auf Mensch und Alltag: Hier ein Velo, da eine Tasse schwarzer Kaffee, hier ein Bagger, dort ein aufgeschlagenes Buch. Fotografierte Stillleben.

Feine Poesie im Innenraum

An der Fensterfront zur Reuss reihen sich grössere Fotografien des Künstlers aneinander, präsentiert je auf einem Stuhl. Draussen fliesst ruhig der Fluss, es ist später Herbst, die Blätter an den Bäumen sind bunt, und all das passt zur feinen Poesie im Innenraum.

Bei der Vernissage am Donnerstag gedachten sehr viele ihrem Freund und Gefährten Thurry Schläpfer. «Er fehlt in Luzern», sagt ein Künstlerkollege. Die lange geplante Ausstellung liebevoll arrangiert haben ebenfalls Freunde. Hugo Schmidt sagt in seiner Einführung: «Thurry Schläpfer war für mich ein immerwährender Reisender, Denker (...), Träumer, Zeichner, Maler, Fotograf, Dichter (...) und Liebender.»

Hinweis

Thurry Schläpfer: «‹Treu den Linien›. Malerei, Fotografie, Texte». Bis 24. 11., Kornschütte Luzern, Kornmarkt 3. Führung: morgen, Sonntag, 11 Uhr. Öffnungszeiten Kornschütte generell: Mo-Fr, 10-18 Uhr. Sa, So und Feiertage, 10-16 Uhr. www.thurryschlaepfer.ch

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