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Konzert in der Franziskanerkirche Luzern: Entzückende Harfen-Serenade

Zeitgleich entstandene Kantaten wie aus zwei Welten, dazu ein weitgehend unbekanntes Harfenkonzert: Franz Schaffner und sein Bach-Ensemble Luzern starteten mit einer spannenden Mischung von Werken in die neue Saison.
Gerda Neunhoeffer
Das Bach-Ensemble Luzern beim Konzert in der Franziskanerkirche in Luzern. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 24. März 2019)

Das Bach-Ensemble Luzern beim Konzert in der Franziskanerkirche in Luzern.
Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 24. März 2019)

Gelungener Saison-Auftakt des Bach-Ensembles Luzern: Es ist ein etwas anderes Konzept, das Franz Schaffner nun präsentiert. Er sagte, dass er diesmal keinen Instrumentalsolisten in den Fokus nehmen will: «Ich habe mir überlegt, das Instrument in den Vordergrund zu stellen, das dann von vier verschiedenen Musikern gespielt wird. Und ich kam auf die Idee mit der Harfe, für die es viele interessante Konzerte gibt. Zudem habe ich aus den etwa 2000 Kantaten von Telemann eine ausgewählt, die zur Jahreszeit des Konzertes passt.»

Dazu kommt jeweils eine der elf Missa brevis von Telemann und immer eine Bach-Kantate mit gleichnamigem oder ähnlichem Inhalt wie die von Telemann. Wie gut sich diese «Mischung» zueinander verhält und wie spannend sie ist, das konnte man am Sonntag in der Franziskanerkirche Luzern erleben.

Ganz nah am Text komponiert

Die Kantate «Wo soll ich fliehen hin» von Georg Philipp Telemann und die gleichnamige von Johann Sebastian Bach bildeten Anfang und Ende des Konzertes. Wie unterschiedlich sie sind, obwohl etwa zur gleichen Zeit (Telemann 1722, Bach 1724) entstanden, wurde in der Gegenüberstellung von Franz Schaffner klar herausgearbeitet. Sie sind wie aus verschiedenen Welten und dennoch ganz nah am Text komponiert, das wurde besonders deutlich.

Bei Telemann liegt der Fokus auf den Rezitativen und Arien. Der Chor hat nur den Anfangs- und Schlusschoral zu singen, in Bachs Kantate aber ist der Eingangschor mit Orchestereinleitung gross angelegt. Das Konzert in der sehr gut besuchten Franziskanerkirche begann mit Telemanns Kantate. Der Chor sang den kurzen Choral klar verständlich, bevor Wolf H. Latzel mit seinem wohlgeführten, sonoren Bass im ersten Rezitativ um Vergebung aller Schuld bat. In der folgenden Arie, die zuversichtlich von der Huld und ewigen Liebe Gottes handelt, war diese ewige Liebe lautmalerisch mit lang ausgehaltenen Tönen verdeutlicht. Das Orchester begleitete durchsichtig und klangschön, die Rezitative leitete Franz Schaffner vom Cembalo aus.

Auch in Telemanns Missa brevis «Christ lag in Todesbanden» mit Choral, Kyrie und Gloria gab es auskomponierte Textdeutungen. Das Wort «Pax» wurde besonders hervorgehoben, und ein zusätzliches «Amen» klang verheissungsvoll. Chor und Orchester agierten lebendig, ausgewogen und mit ausgefeilter Dynamik. Dann wurde die Harfe gebracht und aus ihrer roten Umhüllung befreit: ein festlicher Anblick.

Ein ganzes Spektrum an glitzernden Tönen

Und mit festlicher, dabei erfrischender Musik ging es weiter. Ernst Eichner (1740–1777) war zu seiner Zeit als Geiger, Komponist und vor allem Fagott-Virtuose bekannt. Sein erstes Harfenkonzert wurde von der Solistin Franziska Brunner so sensibel wie virtuos gespielt, ein ganzes Spektrum an glitzernden Tönen schwang sich in den Kirchenraum. Das Orchester, in dem die Hörner in den Ecksätzen weiche Klangfarben beisteuerten, begleitete differenziert und aufmerksam. Zu einer entzückenden Serenade geriet das Andante, in dem alle Streicher durchweg Pizzicato spielten und so dem Harfenklang sehr nahe rückten und ihn reizvoll ergänzten.

Weil der Tenor Timothy Löw kurzfristig erkrankt ist und kein Ersatz gefunden werden konnte, wurden Tenor- Rezitativ und Arie weggelassen. Dafür wiederholte Franz Schaffner den Eingangschor der Bach-Kantate BWV 5 «Wo soll ich fliehen hin» am Ende noch einmal.

Bach hat den Cantus Firmus im Sopran mit Trompete verstärkt; Immanuel Richter spielte gewohnt souverän, und Alt, Tenor und Bass sangen ihre poly­fonen Stimmen kraftvoll aus. In der Arie «Verstumme, Höllenheer» verband sich das Orchester mit Solotrompete und Solo-Bass zu einer Zuversicht ausstrahlenden, geradezu himmlischen Musik. Man konnte hören, wie sich hier jegliche Höllenkraft der Macht der Musik beugen muss, und wie der schwache Mensch weder verzagen noch Angst haben soll.

Das kam auch in der Wiederholung des Eingangschores noch einmal in der unwiderstehlichen Kraft und dem einmaligen Sog von Bachs Musik zum Ausdruck. Da braucht es nicht unbedingt die heute so favorisierte historisch orientierte Aufführungspraxis, wenn es so lebendig, klangschön und authentisch musiziert wird wie von Franz Schaffner und seinen Ensembles. Die vielen Zuhörer dankten mit lang anhaltendem Applaus.

Nächstes Konzert am 23. Juni mit dem Harfenkonzert von François-Adrien Boieldieu.

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