Ehemaliger Direktor des Kunstmuseums Luzern
Ein Nachruf: Martin Kunz bevorzugte es, sich als Stimme im Chor zu sehen

Martin Kunz, Direktor des Kunstmuseums Luzern von 1977 bis 1989, ist im Alter von 74 Jahren im Tessin verstorben.

Susanne Holz
Drucken
Martin Kunz diesen Juni im Rahmen der Sammlungsausstellung 2021 «Werden und Vergehen».

Martin Kunz diesen Juni im Rahmen der Sammlungsausstellung 2021 «Werden und Vergehen».

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 22. Juni 2021)

Krank war Martin Kunz schon länger, trotzdem kam sein Tod sehr plötzlich. In der Nacht von Sonntag auf Montag verstarb der Mann, der von 1977 bis 1989 das Kunstmuseum Luzern leitete, im Alter von 74 Jahren im Tessin. Erst im Juni dieses Jahres hatte Martin Kunz noch das Kunstmuseum Luzern besucht, um im Rahmen der Sammlungsausstellung «Werden und Vergehen» in einer öffentlichen Veranstaltung mit Sammlungskonservatorin Alexandra Blättler über Joseph Beuys’ Luzerner Fettecke zu sprechen.

Liebenswürdig und ohne Vorurteile

Man selbst traf Martin Kunz damals zum Interview im Café oben im Kunstmuseum. Man traf ihn zum ersten Mal und erlebte ihn als sehr liebenswürdigen Menschen ohne Vorurteile. Als Menschen mit offenem Herzen und offenem Geist. Der sich Zeit nahm für ein Interview zu Joseph Beuys mit einer ihm völlig unbekannten Journalistin, und trotz angeschlagener Gesundheit. So etwas vergisst man nicht. Umso betroffener macht einen sein plötzlicher Tod.

Martin Kunz wurde 1947 in Basel geboren. Von 1967 bis 1972 studierte er Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie in Basel und London. Es folgte eine Zeit als Kritiker und freier Ausstellungsmacher, bis der 30-Jährige 1977 für zwölf Jahre die Direktion des Kunstmuseums Luzern übernahm. Im Anschluss an seine Luzerner Zeit lebte Martin Kunz 16 Jahre lang in New York, wo er die New York Kunsthalle gründete. Exem­plarisch für seinen Charakter dürfte wohl folgende Aussage sein, die Martin Kunz während seiner Zeit in den USA in einem Interview mit Lutz Windhöfel machte: «Den Star, der leicht eine kleine Szene beherrschen kann, gibt es hier nicht. Diese Schwierigkeit, aufzufallen, seine Arbeit bekanntzumachen, finde ich sehr erholsam. Ich sehe mich hier immer nur als Stimme in einem Chor.»

Martin Kunz war einer, der ohne Allüren anpacken wollte. 1968, mit 21 Jahren, hatte er sich für einen Sommerjob im Kunstmuseum Basel beworben – «weil mir das Studium an sich zu trocken war». Dies erzählte er einem beim Gespräch im Juni im Café des Kunstmuseums. Von Seiten des Kunstmuseums Luzern heisst es nach dem Tod von Martin Kunz, der «als Direktor das Vermächtnis der wilden 60er- und 70er-Jahre ordnete»: «Wir verlieren einen treuen Freund des Museums, einen äusserst belesenen und wissensdurstigen Menschen und einen inspirierenden Gesprächspartner. Martin wird uns fehlen.»