Interview

Startenor Juan Diego Flórez: Er erreicht auch Kinder bis hinein in den Dschungel

Startenor Juan Diego Flórez widmet sich neben seiner Karriere einem sozialen Musiknetzwerk. Am 21. Januar singt er in Luzern.

Stefan Degen
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Juan Diego Flórez.

Juan Diego Flórez.

Bild: PD

Wo immer er auftritt, bringt er das Publikum in Verzückung: Der peruanisch-österreichische Tenor Juan Diego Flórez ist seit Jahren einer der Superstars auf den internationalen Opernbühnen und in den Konzertsälen der Welt. Der 46-Jährige ist als «Tenore di grazia» Vertreter eines seltenen Fachs. Seine Stimme zeichnet sich aus durch Beweglichkeit, Virtuosität, elegante Phrasierung und sichere Spitzentöne. Sein Kernrepertoire war lange Zeit der Belcanto und da vor allem Rossini. Jetzt will sich Flórez neuen sängerischen Herausforderungen stellen. Daneben engagiert sich der Vater zweier Kinder für das soziale Projekt «Sinfonia por el Perú».

Sie haben bereits mehrmals im Konzertsaal des KKL gesungen. Wie finden Sie die Akustik?

Juan Diego Flórez: Die ist grossartig!

Wie sieht das Programm des Konzertes aus?

Neben sechs Verdi-Arien singe ich drei Arien aus Operetten von Franz Lehár, die Arie des Rodolfo aus «La Bohème» und zwei französische Arien von Massenet und Bizet.

Welche Partien von Verdi, die Sie in Ihrem Programm vortragen, singen Sie auch auf der Bühne?

Alfredo in «La Traviata» und den Herzog von Mantua im «Rigoletto» habe ich bereits szenisch gesungen.

Mit 46 Jahren stehen Sie in voller Sängerblüte. Wo sehen Sie für die nächste Zeit ihren Repertoire-Schwerpunkt?

Ich fokussiere mich derzeit vor allem auf die französische Oper und singe Partien wie Le Chevalier des Grieux, Faust und – in Wien – erneut Hoffmann.

Wie steht es mit Rossini- Opern?

Ich singe im April in Wien den Arnold in «Guillaume Tell». Geplant sind ausserdem wieder der Conte d’Almaviva in «Il Barbiere di Siviglia» und 2022 eine Neuproduktion von «Le Comte Ory» in Pesaro. Ich singe aber nicht mehr so viel Rossini wie früher, ich mische es jetzt vermehrt mit Werken verschiedener Komponisten.

Sie haben 2017 ein wunderbares Mozart-Album herausgebracht. Singen Sie MozartPartien bald auch auf der Bühne?

Es gibt Pläne für «Don Giovanni» oder «Così fan tutte» in Berlin mit dem Dirigenten Daniel Barenboim. Auch «Idomeneo» kommt in Frage oder «Tito». Wir werden sehen!

Sie haben 2011 ein soziales Musiknetzwerk gegründet, das Ihnen sehr am Herzen liegt. Was bedeutet Ihnen die Sinfonia por el Perú?

Die Musik kann ein Weg sein, um Kinder in Armut vor Drogen, Kriminalität und Prostitution zu bewahren. Die Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren können von musikalischen und sozialen Erfahrungen stark profitieren. So sind dank Aufklärung die Teenager-Schwangerschaften um 75 Prozent zurückgegangen. Das Musikprojekt mit Orchester und Chor verbessert das Leben der Jugendlichen. Sie sehen ihre Zukunft hoffnungsvoller. Die Musik und die Orchesterfamilie bewirken Wunder.

Wie viele junge Menschen sind am Projekt beteiligt?

Wir haben bisher schon über 10000 Kinder und Jugendliche in allen Landesteilen von Peru erreicht – bis in den Dschungel hinein. Sie können die Schule abschliessen. Und wir planen jetzt auch eine Musik-Universität.

Wer sind Ihre bevorzugten Idole unter den Sängern früherer Generationen?

Ich habe viele Vorbilder. Ich mag sehr Alfredo Kraus, Pavarotti, Wunderlich, di Stefano, Gigli, Caruso. Ich kann von allen diesen grossen Sängern etwas lernen, jeder hat etwas anzubieten.

Sie singen ab dem 8. März am Opernhaus Zürich den Rodolfo in Puccinis «La Bohème». Ein Rollendebüt?

Ja, ich freue mich sehr darauf. Es sind sechs Vorstellungen, die ich singen werde.

Gibt es Neuaufnahmen mit Ihnen auf DVD?

Die Rossini-Oper «Ricciardo e Zoraide» aus Pesaro von 2018 kommt bald heraus und später das Konzert «Bésame mucho» aus dem Wiener Konzerthaus. Auch diese Aufnahme ist vom vorletzten Jahr.

Wie teilen Sie sich auf zwischen Bühnenauftritten und Konzerten?

Derzeit singe ich viele Konzerte. Das Ganze ist eine Frage der sorgfältigen Planung. Einen Schwerpunkt in meinem Kalender bilden die Auftritte in Wien, wo ich auch einen Wohnsitz habe. Und normalerweise verbringe ich den Sommer in Pesaro, wo das Rossini-Opernfestival stattfindet, und wo ich ein Sommerhaus habe.

Juan Diego Flórez singt am Dienstag, 21. Januar, 19.30 Uhr, im Konzertsaal des KKL Luzern. Es wird begleitet von der Philharmonie Baden-Baden unter der musikalischen Leitung von Andrea Gasperin.