Künstler Franz Bucher: Er gestaltete einen Kreuzweg, der ans Licht führt

Der Horwer Franz Bucher hat in der St. Antonius-Kirche in Münchwilen TG einen Kreuz- und Lichtweg geschaffen. Für den 79-Jährigen ist dies eine Retrospektive auf sein Lebenswerk und Zukunftsvision zugleich.

Romano Cuonz
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Franz Bucher mit Entwürfen zu Bildern, die er für einen Kreuz- und Lichtweg schuf. Bild: (Romano Cuonz, 1. März 2019)

Franz Bucher mit Entwürfen zu Bildern, die er für einen Kreuz- und Lichtweg schuf. Bild: (Romano Cuonz, 1. März 2019)

«Ich glaube, dass jeder Mensch in seinem Leben in gewisser Hinsicht einen Kreuzweg zu gehen hat», hält der in Horw lebende Obwaldner Franz Bucher in einem kürzlich erschienenen Kunstheft mit Betrachtungen zu seinem Leben und Werk fest.

Ausgangspunkt ist ein neuer Kreuz- und Lichtweg in der Kirche St. Antonius in Münchwilen TG. Bucher hat zwölf Tafeln im Innenraum der Kirche und zwei Wandbilder als Verbindung von Kirche und Friedhof geschaffen. «Die Kirche, die der Zürcher Karl Higi vor 50 Jahren erbaute, wirkte auf mich eher kühl, an den Wänden gab es kaum Bilder», erzählt er. Der Gedanke, sie mit einem Kreuz- und Lichtweg zu bereichern, habe ihn fasziniert.

Den Leidensweg am eigenen Körper erlebt

Bucher zieht aus einer Mappe Bilder hervor. Es sind hell leuchtende Entwürfe zu seinem Stationsweg. «Ich war schon immer überzeugt, dass ein Kreuzweg nicht mit dem Tod aufhören darf.» Was er geschaffen habe, entspreche ganz seinem malerischen Thema und seinem eigenen Lebensweg. «Ich bin da mittendrin!»

Von 1981 bis 1982 gestaltete Franz Bucher für die Kirche von Rotkreuz einen viel beachteten Kreuzweg. Dazu übersetzte er die Thematik malerisch ins 20. Jahrhundert. «Als ich damals die 15 Stationsbilder zu einem Kreuzweg entwarf, lag ich im Spital», erinnert er sich. «Ich war um die vierzig und erlebte mit einer Krebskrankheit einen Leidensweg teils am eigenen Körper.»

Die kurz zuvor gemalten Höhlenbilder habe er plötzlich aus neuem Blickwinkel betrachtet. «Da fragte ich mich, ob ich nun meine Geburt oder doch mein Grab gemalt habe.» Inzwischen aber ist auch künstlerisch viel passiert. Franz Bucher wurde wieder ganz gesund. An die Stelle düsterer Höhlenbilder oder Parastationen mit Angst- und Fluchtmotiven traten mehr und mehr Lichtmalereien. Inspiriert etwa von nordischen Polarlichtern oder Spiegelungen des Sarnersees.

Auch den Bezug zu den Wolkenbildern der 70er-Jahre stellte der Maler wieder her. «Als ich den Auftrag für die Münchwiler Kirche erhielt, besann ich mich auf all dies. Und fragte mich auch: Was muss anders werden als in Rotkreuz?» Von Tagebuchblättern, meditativen Lesungen in der Bibel, aber auch von Reiseerlebnissen liess er sich inspirieren. So entstand der Grundgedanke fürs neue Werk. Bucher zu Idee und Arbeitsplan: «Das Höhlengrab von Rotkreuz wollte ich mitnehmen. Als letzte von nur noch sechs düsteren Kreuzwegstationen. Ab dort beschreite ich einen neuen Lichtweg über gleich acht weitere Stationen mit Bildern von der Auferstehung zu den Jüngern von Emaus bis zum Pfingstfest.»

Dieser Weg, der aus der Dunkelheit ins Helle führe, sei mehr als ein klassischer Kreuzweg, hält er fest. Und betont: «Die Arbeit in Münchwilen und die Betrachtungen dazu stellen eine Beziehung zu meinem Lebenswerk her, doch damit werfe ich auch einen Blick in die Zukunft meines Schaffens. Ich habe sie mehr als für mich existenziell begründeten Prozess denn als Auftrag gesehen.»

Durch Nähe lösen sich Bilder in Pinselstriche auf

Die Einzeltafeln und die beiden Wandbilder zeigen fragmentarisch und oft skizzenhaft das menschliche Leben. Mit rhythmischen Pinselstrichen deutet der Maler Figürliches an, doch aus der Nähe betrachtet, lösen sich von Weitem noch erkannte Bilder auf in Pinselstriche. Den Prozess des Malens erahnt man nur noch.

Den Passionsteil bevölkern aggressive, ängstliche, fliehende Menschen in rhythmischen Formen. Bucher: «Als Maler setze ich Zeichen. Auf den Bildtafeln entsteht intuitiv ein winziger visueller Teil auch aus meiner früheren Befindlichkeit.» Der Lichtweg aber soll weiterführen. Bucher nimmt die Skizzen der beiden grossen Wandbilder unter dem Titel «Endliches – Unendliches» zur Hand. «Das Poetische in diesen Werken deutet auf mein Alterswerk hin, wo die Frage nach dem Sinn des Lebens immer zentraler wird.» Vor allem das Bild «Lichtpforte» als Verbindung vom Gotteshaus zum Friedhof weise vom Diesseits zum Jenseits.

Bilder nicht nur für Katholiken

«Meine Kreuz- und Lichtwegbilder, wie auch die Zitate und Betrachtungen in der Broschüre sollen alle zum Nachdenken animieren, Gläubige wie Atheisten, Leute aus allen Konfessionen», hofft Bucher. Eines Morgens habe ein praktizierender Muslim die Wandbilder lange und intensiv betrachtet. Sich unbeobachtet fühlend, hätte er sich dann plötzlich niedergekniet und mit einem Gebet begonnen. «So etwas ist für mich eine eindrückliche Bestätigung», freut sich der Künstler.

Die Kunstbroschüre zum Kreuz- und Lichtweg von Franz Bucher ist bei der Pfarrei St. Antonius Münchwilen, Katholische Kirchgemeinde Sirnach erhältlich.