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Eminem in Frauenfeld: Er ist der Chef – alle anderen könnten ihn mal

Mit einer spektakulären Show begeisterte US-Superstar Eminem 50000 Besucherinnen und Besucher am Openair Frauenfeld. Dem bis zur letzten Sekunde getakteten Konzert fehlte es an Spontanität. Aber nicht an Verachtung für das Politestablishment.
Philipp Bürkler
Eminem bot den Fans, was sie wollten. (Bild: Jeremy Deputat, 6. Juli 2018)

Eminem bot den Fans, was sie wollten. (Bild: Jeremy Deputat, 6. Juli 2018)

Schon über zwei Stunden vor Eminems Konzertbeginn warten Zehntausende vor der Bühne. Alle wollen möglichst nahe bei ihrem Idol sein. Der Rap-Superstar, der bereits 2010 in Frauenfeld war, ist der Grund, weshalb das Open Air dieses Jahr erstmals vor der Türöffnung ausverkauft ist. Um 23.10 Uhr ist es soweit. Auf den Grossbildschirmen startet ein Video: Es zeigt Eminem als Riesen in den Strassen Detroits. Wie King Kong schlägt er Autos Hochhäuser und Helikopter wie Spielzeug weg. Die Haltung ist klar: Er ist der Chef – alle anderen können ihn mal.

Das Publikum johlt, grölt und applaudiert. Zu Beginn singt Eminem einige Stücke aus seinem aktuellen Album «Revival», erst gegen Ende der Show rückt er mit seinen grossen Knallern wie «My Name Is», «Real Slim Shady», «Without Me» oder «Not Afraid» heraus. Es scheint, dass sich Eminem neben schnellen Texten – er ist einer der schnellsten Rapper – vor allem durch seine Mittelfingergeste definiert. «Zeigt euren Mittelfinger», fordert er die Menge auf. Zehntausende tun es. Es ist Eminems physische Geste, dem Establishment, allen voran den von ihm gehassten Präsidenten Donald Trump, seinen Respekt zu entziehen. Eminem zieht über alles und jeden her.

Marken, Konsum und vermeintliche Subkultur

In seinen Texten geht es teilweise um die Verharmlosung von Vergewaltigung, Mord und um den Kampf auf den Strassen Detroits, wo er vaterlos, dafür aber mit einer drogenabhängigen Mutter aufgewachsen ist. Obwohl Eminem eine schwere Kindheit hatte und in einem Armenviertel aufwuchs, konnte er sich als erster weisser Rapper in einer von Schwarzen dominierten Subkultur behaupten. Hip-Hop und Rap sind heute aber längstens keine Subkultur mehr, als die sie der Jugend noch immer verkauft wird. Die Szene, in den Siebzigerjahren im schwarzen New Yorker Untergrund entstand, ist eine globale Massenkultur, die sich vor allem über Konsum und Statussymbole definiert.

Das Open Air Frauenfeld, das grösste Hip-Hop-Festival in Europa, gleicht denn auch eher einem riesigen Shoppingcenter oder einem US-Vergnügungspark als einer offenen Party, in der Liebe, Toleranz und die Musik im Zentrum stehen. Die Kleidermarke Snipes betreibt denn auch gleich ein eigenes Shoppingcenter, und der Bierproduzent Feldschlösschen hat seine Backsteinfabrik aus dem aargauischen Rheinfelden in einer etwas kleineren Version nachgebaut.

Smartphone fast heller als Lichtshow

Die Show, das permanente Feuerwerk, sowie die kleinen Rap-Battles mit seinen Mitperformern wirken zwar professionell, aber nicht sehr authentisch. Der erfolgreichste weisse Rapper mit über 120 Millionen verkauften Tonträgern lässt mit seinen expliziten Texten keinen Raum für Spontanität. Alles ist durchgetaktet bis zur letzten Sekunde.

Während rund 90 Minuten sehen viele im Publikum das Konzert durch den eigenen Smartphone-Bildschirm. Die leuchtenden Handys strahlen teilweise helleres Licht ab als die Lichtshow auf der Bühne. Dem grössten Teil des Publikums scheint die Show zu gefallen. Ob gekünstelt oder frauenverachtend: Die Fans feiern ihr Idol.

Mit 180000 verkauften Tagestickets war das Festival, das gestern zu Ende ging, so erfolgreich wie noch nie. Ziel sei, es auch in Zukunft Publikumsmagnete wie Eminem zu verpflichten, hiess es seitens der Veranstalter.

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