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Er lässt Milliardärstocher entführen

In seinem neuen Buch «Alles rosa» lässt der St. Galler Schriftsteller Tobias Bauer eine italienische Milliardenerbin entführen. Es ist ein raffiniert gebauter Krimi mit starkem Ostschweizer Lokalkolorit.
Markus Wigert
Autor Tobias Bauer. (Foto: Ralph Ribi)

Autor Tobias Bauer. (Foto: Ralph Ribi)

«Allfällige Ähnlichkeiten mit der realen Welt sind natürlich rein zufällig», betont Tobias Bauer im Gespräch und schreibt dies auch im Vorwort seines Krimis. Aus gutem Grund: Denn in St. Gallen wird man seinen Roman selbstverständlich als satirischen Roman auf den St. Galler Hügel, den Rosenberg mit seinem Internat und der HSG, der Elite-Wirtschaftsuni, lesen. Tobias Bauer spielt denn auch mit gekonnt mit den schrillen Facetten aus der Welt der Schönen und Reichen. Und Schreibroutine hat er sich seit Kindesbeinen angeeignet: «Als Sohn des Germanisten und Chefredaktors der Ostschweiz Hermann Bauer habe ich immer gerne geschrieben», sagt Bauer.

Die Geschichte, die er in seinem Krimi erzählt, beginnt so: Alice-Sophia, die reichste Schülerin des Instituts Rosenhof, ist verschwunden. Bei einem Ausflug an den Schaffhauser Rheinfall. Auch der Lehrer Rastelli ist wie vom Erdboden verschluckt. Alice-Sophia ist nicht irgendeine Schüler, sondern die Alleinerbin des milliardenschweren Süsswarenkonzerns Ferramo, der mit dem Brotaufstrich Nucrema einen weltweiten Umsatzturbo besitzt. Otto R. Gittermann, der zwielichtig-extrovertierte Verwaltungsratspräsident der Internatsschule, will zusammen mit seiner Directrice Melanie A. Wellauer das Verschwinden der Schülerin lieber unter dem Deckel halten. Nur keine Polizei einschalten, lautet die Devise. Zusammen mit den toskanischen Eltern wird entschieden, zwei Privatdetektive aus Siena mit der Aufklärung des Falles zu betrauen: Filippo Marlotti und Samuele Spadoni. Als Pippo und Lele werden sie den vertrackten und komplizierten Fall zu lösen versuchen. Aus den vorhandenen Indizien kristallisiert sich sehr bald eine Entführung mit hoher Lösegeldforderung heraus. Was in den zwei Wochen abgeht, die der spannende St. Galler-Krimi auch formal abbildet, ist atemberaubend, beklemmend, verwirrend und entwickelt einen unwiderstehlichen Sog, dem sich der Leser nur schwer entziehen kann.

Die ehrenwerte Gesellschaft hat düstere Seiten

Pippo in St. Gallen, getarnt als Stellvertreter des verschwunden Lehrers Rastelli, und Lele als Gast von Alice-Sophias Eltern auf einem stinkfeinen Landsitz in der Nähe von Florenz, sind in ständigem Mailkontakt und lösen den Fall bis kurz vor der Auflösung bravourös. Weitere Puzzlesteine liefert auch die Lehrerin Petra Bissegger. Da wird von Tobias Bauer aber auch gar nichts ausgelassen, was ein Hardcore-Krimi braucht: Drogenhandel, Schuldenberg, Spielsucht, Suizid. Die ehrenwerte Gesellschaft hat ihre düsteren Seiten. Mit der stimmigen Architektur des manchmal bis an die Komplexitätsgrenze ausgereizten Plots transportiert Bauer auch eine stramme Portion von appenzellisch-st.-gallerischem Stallgeruch in Form von markigen Kraftausdrücken im jeweiligen Dialekt.

Tobias Bauers Katastrophenjahr

Den Krimi hat er zusammen mit seinem Mitautor und Freund aus der Kanti-Zeit, Karl Elser, geschrieben. «Er ist im Oktober 2015 bei der Olivenernte in Siena unerwartet gestorben», betont Bauer, «ich hoffe, ihn im Sinne Karls beendet zu haben. Der Roman blieb lange Zeit liegen, bis ich ihn schliesslich zu Ende führte. Etwa einen Viertel des Krimis habe ich nach dem Tod von Karl Elser alleine geschrieben.»

Im Gespräch fällt sofort Bauers eingeschränkte Sehfähigkeit und sein auffälliges linkes Auge auf. Das Jahr 2010 wird für ihn unvermittelt zu einem persönlichen Katastrophenjahr: Infolge einer Medikamentenun-­verträglichkeit erblindet und überlebt er mit schweren Hautverbrennungen nur knapp. Zwei lange Jahre führt er ein Leben als Blinder. Dank einer spektakulären Augenoperation erlangt Tobias Bauer später auf seinem linken Auge 60 Prozent der Sehfähigkeit zurück. Für sein anderes Auge hat er eine andere Lösung: «Ein Epithethiker wird mir in Stuttgart schon bald ein neues Auge formen.» Beruflich allerdings war der Verlust einschneidend: «Der Wiedereinstieg ins Berufsleben war schwierig und in meinem herkömmlichen Beruf nicht mehr möglich. Als Schriftsteller kann ich mich heute recht gut organisieren, mit gewissen Einschränkungen», so der Autor von Romanen und Lyrik. Er kann sich auch eine Krimi-Fortsetzung vorstellen, mit Petra Bissegger als Hauptermittlerin.

Hinweis
Buchpräsentation: Mi, 15.5., 18 Uhr, Denkbar, Gallusstrasse 11, St. Gallen

Tobias Bauer und Karl Elser: Alles rosa. Roman. BoD, 224 S., Fr. 20.–

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