Er machte die Schrift zum Bild

Armin Hofmann gehört zu den wichtigen Schweizer Grafikern (92). Er war nie populär und nutzte dies zu seinem Vorteil.

Kurt Beck
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Ehrendoktor im Ruhestand: Armin Hofmann, aufgenommen in seiner Wohnung in Luzern. (Bild: PD/MH)

Ehrendoktor im Ruhestand: Armin Hofmann, aufgenommen in seiner Wohnung in Luzern. (Bild: PD/MH)

«Die Schweizer Eidgenossenschaft ehrt mit Armin Hofmann eine der prägenden Figuren des Schweizer Grafikdesigns sowie einen Lehrer und Dozenten, der Generationen von Grafik­designern und Lehrern in der Schweiz sowie im Ausland nachhaltig beeinflusst hat.» Mit diesem Satz begründet das Bundesamt für Kultur, weshalb es einen der «Grands Prix Design 2013» dem in Luzern lebenden Grafiker zugesprochen hat. Armin Hofmann hat lange auf ­diese Auszeichnung warten müssen: Kommt sie nicht zu spät, 27 Jahre nach seiner Pensionierung? Lächelnd winkt der 92-Jährige ab «Nein, nein, ich freue mich sehr. Der Preis ist ja eine Anerkennung eines Lebenswerks, und dafür braucht man ein gewisses Alter.»

Humor und Bescheidenheit zeigt Armin Hofmann auch im hohen Alter. Begeisterung und Neugier für grafische Gestaltung sind noch akut und ziehen ihn noch heute in sein Atelier, sofern es seine Gesundheit erlaubt. «Aber Fremdaufträge nehme ich keine mehr an, ich gebe mir meine Aufgaben selber.»

Das Berufsleben hat Armin Hofmann, der in Winterthur geboren wurde und dort eine Lithografenlehre absolviert hat, bis in die USA und nach Indien geführt. Zuerst allerdings nach Zürich, wo er an der Kunstgewerbeschule den Vorkurs besuchte, später nach Bern, wo er als Lithograf arbeitete, dann nach Basel, wo er 1947 als 27-Jähriger an der Allgemeinen Gewerbeschule als Lehrer für Grafik angestellt wurde. Ab 1967 leitete er die Grafikabteilung bis zu seiner Pensionierung 1986.

Folgenreiche Zufälle

Eine zufällige Begegnung verhalf Hofmann zur Lehrerstelle. Im Zug wurde er von einem Herrn angesprochen, der sich für die Lektüre des jungen Mannes interessierte – ein Buch über die Kunst von Van Gogh. Der Unbekannte war der Typograf Emil Ruder, der selber an der Gewerbeschule unterrichtete und Hofmann ermunterte, sich um die freie Stelle als Grafiklehrer zu bewerben.

Das Lehramt war für Armin Hofmann lebenslange Berufung. «Ich hatte immer das Bedürfnis, mein Wissen, meine Erfahrung und meine Erkenntnisse, die ich aus meiner gestalterischen Arbeit gewonnen habe, mit anderen zu teilen und damit die Schüler weiterzubringen», erklärt Hofmann, der insgesamt über mehr als 45 Jahre unterrichtete, darunter auch in den USA und in Indien.

Erneut einer Zufallsbegegnung, diesmal auf einer etruskischen Grabstätte in Italien, wo er mit einem Unirektor aus den USA ins Gespräch kam, verdankte er eine Gastprofessur in Philadelphia. Später erhielt er eine Berufung an die Yale University, wo er bis 1991 regelmässig Arbeitsseminarien durchführte.

Als Berater in Indien

Als Lehrer und als Gestalter schuf sich Hofmann internationales Ansehen. 1965 arbeitete er sechs Monate in Indien als Berater und Dozent am National Institute of Design in Ahmedabad. «Eine fantastisch schöne Zeit», erinnert er sich.

Ehrendoktor im Ruhestand: Armin Hofmann, aufgenommen in seiner Wohnung in Luzern. (Bild: PD/MH)

Ehrendoktor im Ruhestand: Armin Hofmann, aufgenommen in seiner Wohnung in Luzern. (Bild: PD/MH)

Rund 100 Plakate

Neben Schule und Unterricht etablierte sich Hofmann vor allem als Gestalter von Plakaten. Seine rund 100 Arbeiten, hauptsächlich für kulturelle Institutionen, überzeugen durch den kreativen Einsatz von Schrift(-zeichen) und eine Reduktion auf das Notwendige. «Durch die Einschränkung entsteht Qualität», sagt Hofmann, der mit seinen klaren und aufgeräumten Plakaten zu den Begründern des international beachteten «Swiss Style» gehörte.

Der bereits mehrfach ausgezeichnete Grafiker (Ehrendoktor, Ehrenmitglied der Royal Society of Art, Basler Kulturpreis) ist in Fachkreisen als Koryphäe weltweit anerkannt, doch er war nie populär, «was es mir ermöglichte, in Ruhe zu arbeiten», resümiert Hofmann, der inzwischen mit seiner Frau, einer gebürtigen Luzernerin, an der Musegg­strasse über der Luzerner Altstadt lebt.

Ehrendoktor im Ruhestand: Armin Hofmann, aufgenommen in seiner Wohnung in Luzern. (Bild: PD)

Ehrendoktor im Ruhestand: Armin Hofmann, aufgenommen in seiner Wohnung in Luzern. (Bild: PD)