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Er will Klarheit in menschliche Tragödien bringen

«Der Untersuchungsrichter» versucht, Licht in die Abgründe des Daseins zu bringen. Und darin vielleicht auch so etwas wie Lebenssinn zu finden. Der Innerschweizer Autor Christoph Hohl weiss sehr genau, wovon er schreibt.
Arno Renggli
Autor und ehemaliger Staatsanwalt: Christoph Hohl (67). (Bild: PD)

Autor und ehemaliger Staatsanwalt: Christoph Hohl (67). (Bild: PD)

Christoph Hohl, der heute in Beckenried lebt, ist eine Art Weltenbummler: «Bevor ich 40 war, habe ich nie mehr als vier Jahre lang am gleichen Ort gewohnt», erzählt er. Sein Roman ist insofern autobiografisch, als er bis vor seiner Pensionierung 2015 als Staatsanwalt gearbeitet hat. Davor war er auch in Luzern in der Strafverfolgung aktiv.

Seine Erfahrungen sind Ausgangslage für die im Buch erzählten Episoden, natürlich unter Wahrung der Geheimhaltungspflicht, wie er uns versichert hat. Die teils sehr speziellen Figuren, welche in den einzelnen Kapiteln auftauchen, basieren zum Teil auf seiner Jugend, die sich auch am Vierwaldstättersee abspielte.

Knabe möchte wissen, warum es passiert ist

Das Buch beginnt mit einem traumatischen Kindheitserlebnis der Hauptfigur Jorin. Vor seinen Augen schlägt eine junge Frau auf dem Boden auf, die sich offenbar in den Freitod gestürzt hat.

Das Erlebnis beschäftigt ihn stark. Vor allem plagt ihn die Ungewissheit, welche Ursachen dahinterstehen. Im Buch heisst es: «Die Ungewissheit hatte wohl viel später auch in seinem Unterbewusstsein eine Rolle gespielt. Als er nämlich beschlossen hatte, Untersuchungsrichter zu werden.» Jemand also, der Klarheit schafft. Und der vielleicht sogar die Geheimnisse des Lebens aufklärt und verständlich macht.

Den Beruf übt Jorin später tatsächlich aus – nicht etwa in der Stadt, sondern in einem engen Bergtal. Begrenztheit findet er auch in Bezug auf die Möglichkeiten, welche die Strafverfolgung hat. So muss er erkennen, dass viel Energie auf Bagatellen verwendet wird, während die grossen Verbrechen oft lange nicht geklärt werden – wenn überhaupt. In der Folge erzählt Jorin von sehr unterschiedlichen Fällen und ­Delinquenten. Tragödien spielen sich ab, aber auch absolute Gewissenlosigkeit hat ihren Auftritt.

Erinnerungen an Reisen und an die Kindheit

Hohl nützt die oft auch multikulturellen Hintergründe, um Erlebnisse seiner Aufenthalte in aller Welt einzustreuen. Genauso wie Erinnerungen an seine Familie. Und er schildert Menschen mit grossen Potenzialen, die in irritierender Belanglosigkeit enden. Sowie Jorins Hilflosigkeit, in seinem Tun und der oft schrecklichen Welt eine Art Sinn zu sehen.

Dass Jorin eine besondere Frau findet, gibt dem Buch eine versöhnliche Note. Zumal sie ihm zeigt, dass sein Bemühen – auch als Untersuchungsrichter – einen Wert hat, obwohl es nicht immer erfolgreich ist. Und: «Nur weil wir das Leben nicht verstehen, ist es noch lange nicht sinnlos.» Der Sinn ist das Leben an sich.

Das Buch, das auch sprachlich überzeugt, zeugt von viel ­Lebenserfahrung. Und vermag wohl auch deshalb immer wieder anzuregen und zu berühren.

Christoph Hohl: Der Untersuchungsrichter. Schweizer Literaturgesellschaft, 138 S., Fr. 16.60.

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