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Klassikstar Avi Avital in Luzern:
Er will spielend Vorurteile beseitigen

Er ist der Popstar der Mandoline: Avi Avital aus Israel tritt am Sonntag, 30. Dezember, in Luzern auf. Er erklärt, was an seinem Instrument so besonders ist, was er für Ziele hat und warum er auch Rockmusik mag.
Interview: Christoph Forsthoff
Avi Avital reist mit seiner Mandoline um die Welt. Hier spaziert er durch Venedig. (Bild: Harald Hoffmann/PD)

Avi Avital reist mit seiner Mandoline um die Welt. Hier spaziert er durch Venedig. (Bild: Harald Hoffmann/PD)

Frischen Wind hat Avi Avital in die Klassikszene gebracht. Zum einen durch seine Mandoline –ein Instrument, das bis vor ein paar Jahren in der Klassikwelt noch ein Schattendasein fristete. Zum anderen durch seine Offenheit, probt der 40-jährige Künstler aus Israel doch nicht nur den Brückenschlag von Bach zu bulgarischer Folkmusik oder vom Barock zu Bloch, sondern liebt auch spontane Gastauftritte bei Jazzkollegen oder Technokonzerten. Nach Luzern kommt er indes ganz klassisch mit der Cappella Gabetta.

Avi Avital: Einerseits haben wir die Violine, andererseits die Gitarre – wozu braucht es da noch die Mandoline?

Die Mandoline ist ein einzigartiges Instrument und gehört zu einer der ältesten Gattungen der Welt. Eine Saite auf einer Resonanzdecke zu zupfen, gehört zu den allerersten Konzepten von Musikinstrumenten. Die Mandoline ist weitaus älter etwa als die Violine. Insofern sind wir Mandolinisten auch stolz auf unser Instrument.

Und doch ist sie als Instrument recht unbekannt.

Die Tatsache, dass es bislang nicht wirklich bekannt ist, macht es für mich als Musiker nur noch interessanter, dieses Instrument immer wieder neu zu erkunden und anderen Menschen vorzustellen. Ein Vorteil ist gerade, dass es bei der Mandoline kaum eine Musikerhistorie gibt: Wäre ich Pianist oder Geiger, dann würden ein Jascha Heifetz und ein Isaac Stern und all die anderen grossen Musiker auf mir lasten. Mit der Mandoline habe ich es da viel leichter.

Die Mandoline galt vor nicht allzu langer Zeit sogar als eher provinzielles Instrument …

Interessant, dass viele die Mandoline mit Provinzialität verbinden, mit Folksongs, Neapel, Pizza und Pasta. Dabei datiert der erste Nachweis aus dem 17. Jahrhundert vom Hofe der Medici in Florenz: Die Mandoline kam aus Frankreich, hiess dort Mandola, und in Italien wurde aus der kleinen Mandola eine Mandoline – und im 17. und 18. Jahrhundert zu einem sehr populären Instrument in Adelskreisen.

Warum ausgerechnet dort?

Auf den Strassen und Plätzen konnte man die Mandoline nicht spielen, da ihr Klang dort nicht wahrgenommen wurde. Denn draussen auf den grossen Festen waren damals Hörner, Trommeln und Holzblasinstrumente populär, gegen die ein zartes und leises Instrument wie die Mandoline keine Chance hatte. Also wurde sie in Salons und Galerien für Kammermusik eingesetzt.

Nun wird auch unsere Zeit immer lauter – passt da ein zartes Instrument wie die Mandoline überhaupt hinein?

Genauso haben die Menschen vor hundert Jahren über die Gitarre gesprochen. Damals war diese ein Flamenco-Instrument, ernsthafte Musik spielte man nicht auf der Gitarre. Entsprechend gab es auch nur wenige, zudem völlig unbedeutende klassische Stücke für Gitarre. Doch dann tauchte da eines Tages ein junger Mann auf …

Sie sprechen vermutlich vom grossen spanischen Gitarristen Andrés Segovia …

Genau. Und der sagte: «Ich spiele jetzt Bach auf der Gitarre» – und erstmals erklang in der Carnegie Hall Bachs Violin-Chaconne auf einer Gitarre. Dann ist Segovia zu den bekanntesten Komponisten seiner Generation wie de Falla, Albeniz, Rodrigo und Villa-Lobos gegangen und hat sie gebeten, Werke für die Gitarre zu schreiben. Und so hat er den Anstoss gegeben, dass viele Leute der klassischen Gitarre Werke gewidmet haben.

Und das schwebt Ihnen nun auch für die Mandoline vor?

Segovia ist es gelungen, Vorurteile zu beseitigen und Musikliebhabern etwas Neues schmackhaft zu machen. Dieser Idee möchte auch ich mein Leben widmen. Weshalb ich eine Menge neuer Stücke beauftrage und selbst jedes Jahr ein halbes Dutzend Uraufführungen spiele, so dass man in 100 Jahren vielleicht sagen kann: Wir haben ein richtiges Mandolinen-Repertoire und nicht nur die zwei Vivaldi-Konzerte.

Dabei hatten Sie früher nie die Absicht, Profi zu werden, Sie haben das Instrument bis Anfang 20 als Hobby gepflegt.

Ja, in der Tat. Zur Mandoline bin ich als Fünfjähriger durch eine Kette von Zufällen gekommen. Da es damals aber niemanden gab, der die Mandoline als Profi spielte, bin ich gar nicht auf den Gedanken gekommen, dass die Mandoline einmal zu meiner Berufung werden könnte.

Welche Musik haben Sie denn als Schüler gehört?

Auf jeden Fall keine Mandolinenmusik (lacht). Meine Eltern stammen aus Marokko, und so bin ich mit marokkanischer Musik wie auch dem französischen Chanson gross geworden, habe aber auch in andere Genres hineingehört. Was meine grundsätzliche musikalische Neugier geprägt hat.

Die Sie wiederum sogar zur Rockmusik geführt hat …

Ja, in den 90er-Jahren auf der Highschool habe ich Rockmusik geliebt! Ich trug langes Haar, ein Nirvana-T-Shirt und Doc-Martens-Schuhe und spielte E-Gitarre in einer Rockband. Und ich habe es übrigens auch geliebt, mit der Mandoline Rockmusik in Clubs zu spielen.

Warum?

Einfach um zu erleben, wie die Menschen dort auf die Musik reagierten: Wie sie sich bewegten und tanzten – das hat mir eine unglaubliche Energie verliehen, mit noch mehr Groove zu spielen. Das war wie eine Spirale, die sich immer mehr emporgeschraubt hat: Denn wenn du mit deiner Band mehr groovst, tanzen die Leute natürlich noch mehr.

Inzwischen haben Sie die Mandoline etabliert.

So mancher glaubt nach wie vor nicht, dass sich mit dem Klang ein grosser Konzertsaal füllen lässt. Doch bin ich sehr glücklich, dass es mir gelungen ist, viele Mauern einzureissen und Klassiktempel wie die Carnegie oder Wigmore Hall und Orchester wie die Los Angeles Philharmoniker für die Mandoline zu erobern.

Rümpfen denn aber nicht viele Klassikfans die Nase, wenn Sie wie nun in Luzern Werke von Bach und Vivaldi, die eigentlich für Violine komponiert sind, spielen?

Das war nie ein Problem. Zumal ich mich vorab stets frage: Warum sollten die Leute dem Stück in der Mandolinen-Fassung lauschen? Kann ich diese Frage nicht beantworten, lasse ich es. Wenn ich als Musiker mit meiner Interpretation etwas zu sagen habe, hören die Leute auch gern zu.

Sind Sie ein Revolutionär, der die Klassik neu aufmischt?

Ich würde mich nicht als Rebell bezeichnen. Eher schon biete ich eine Möglichkeit, den Reiz des Neuen zu entdecken und zu erkennen, um was für ein wunderbares Instrument es sich handelt. Ich prophezeie der Mandoline eine grosse Zukunft. Es gibt viele Kinder, die das Instrument erlernen möchten, wie sie mir auf Facebook schreiben.

Avi Avital tritt am Sonntag, 30. Dezember, (18.30 Uhr) im KKL auf. Karten unter 041 226 77 77.

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