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Komponist Lavarini: Ein erfolgreicher Einzelgänger wird 70 Jahre alt

Der Komponist Enrico Lavarini feiert nächste Woche seinen 70. Geburtstag. Über 300 Werke hat der Musiker aus Walenstadt komponiert. Und dabei stets seinen eigenen Weg gesucht und sich keiner Mode angepasst.
Martin Preisser
Ein facettenreicher Komponist: Enrico Lavarini. (Bild: Thomas Hary)

Ein facettenreicher Komponist: Enrico Lavarini. (Bild: Thomas Hary)

Hört man in Enrico Lavarinis Weihnachtsmusik «Quem pastores laudavere» hinein, spürt man einen Komponisten, der Stimmungen aufbauen kann, dem es um genaue Farbe und plastisch durchgestaltete Partituren geht. Die Komposition ist in der Region seit Jahren ein Highlight und wurde letzte Woche im voll besetzten Zürcher Fraumünster erneut erfolgreich aufgeführt.

Beim Komponieren brauche er Bilder und das Eintauchen in innere Klangräume, sagt Lavarini. Die Vorstellung des Klanges müsse erst präzise da sein, bevor er aufs Papier gebracht werde. Wichtig ist für den Komponisten aus Walenstadt, der nächsten Freitag seinen 70. Geburtstag feiert, dass eine musikalische Idee sich nicht nur aus einer Keimzelle entwickelt, sondern auch kontrapunktisch in ein stimmiges Gesamtgewebe eingebunden ist.

Er hat sich keiner Zunft angeschlossen

Im Gespräch mit Lavarini, einem studierten Blockflötisten, der auch sehr viel unterrichtete, spürt man den bewussten, das Kulturleben auch kritisch kommentierenden Einzelgänger. Einer, der sich keiner Zunft angeschlossen hat, sondern seinen kompositorischen Weg für sich gegangen ist und heute bei jeder Uraufführung auf treues Publikum zählen kann.

Lavarinis Vorfahren väterlicherseits stammen aus der Weingegend Valpolicella bei Verona. Sein Grossvater kam nach Walenstadt, hat hier als Mineur und Kohlenbrenner gearbeitet, aber auch Weinberge kultiviert. Der kleine Enrico hat schon mit fünf eigene Melodien gesungen, mit elf sein erstes Stück geschrieben. Bis heute sind es über dreihundert Werke. «Als ich letztmals der Suisa meine Werke geschickt habe, damit sie dort archiviert werden, war das ein ganz schön dickes Paket», sagt der Musiker. Prägen die italienischen Wurzeln seine Musik? Lavarini zitiert da nur einen seiner Lehrer, der ihm sagte: «Sei froh um jeden Tropfen Italianità, den du in dir hast.» Merkliche Liebe spürt man bei ihm auch zur Musik Tschechiens: Lavarinis Frau stammt aus Prag.

Komponieren zwischen zwei Stockwerken

Lavarini komponiert gerne nachts am Tisch im ersten Stock seines Hauses, hinter dem direkt der Chäserrugg aufragt. Um den Klang zu testen, muss er aber die Treppe hinab zum Klavier im Erdgeschoss laufen. «Das mache ich dann oft zehn Mal, es hält fit.» Einen Monat pro Jahr verbringt er auf Gran Canaria, wo er ohne Klavier komponiert. «Das ist die hohe Schule», sagt er. Er schreibt seine Partituren schnell und von Hand, nicht wie die meisten am Computer.

«Wenn keine Notenprogramme existierten, wenn Komponisten von Hand schreiben müssten, gäbe es sicher weniger von ihnen. »

Die Sopranistin Carmela Konrad schwärmt von der Weihnachtsmusik Enrico Lavarinis:

«Die grosse Sopran-Partie in seinem ‹Quem pastores laudavere› durfte ich 2007 das erste Mal ­singen. Die Leidenschaftlichkeit ­seiner Musik, die unverkennbare, geniale, energiegeladene, farbenreiche Tonsprache zieht mich immer wieder in ihren Bann.»

Um seine Werke, aber auch das Repertoire von Bach bis zur Moderne so aufführen zu können, wie es ihm vorschwebt, hat Enrico Lavarini 1974 sein Orchester Concentus rivensis gegründet. Dirigieren hat er sich mit Learning by Doing beigebracht. Rivensis ist vom italienischen riva (Ufer) abgeleitet; ein Orchester sollte es also sein, das immer wieder zu neuen Ufern aufbricht. Es ist mit Musikern aus vielen Ländern Europas besetzt. Mancher Orchestermusiker trägt Lavarinis Musik auch in die Welt hinaus. In Peking erklang sein Klarinettenkonzert vor 2000 Zuhörern.

Uraufführung 2019

Lavarini hat viele symphonische wie geistliche Werke komponiert und auch Texte von Rilke, Ulrich Bräker, Kurt Marti oder H. C. Artmann vertont. Kreative Stilvielfalt ist ein Merkmal seiner Musik, aber kein einfacher Stilmix, sondern immer Klang, der in einen strengen Kontext eingebunden ist. Über dreissig Jahre hat Lavarini an der Oberstufe in Walenstadt Musik unterrichtet und einige Musicals komponiert. Eines heisst «Draculand» und verweist spitz auf «Heidiland». Dass sein Heimatort auch unter diesem Label vermarktet wird, ärgert den Freigeist sichtlich.

Walenstadt liegt am Rand des Kantons St. Gallen, Lavarini hat aber gute Kontakte zur professionellen Musikszene in St. Gallen. 2019 ist in der Stadt die Uraufführung eines neuen Zyklus mit ­Gedichten von Silja Walter geplant – zu ihrem 100. Geburtstag.

Weihnachtskonzerte: So, 16.12., 17 Uhr, Klosterkirche, Pfäfers; Sa, 22.12., 19.30 Uhr, katholische Kirche, Walenstadt

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