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ERINNERUNGSBUCH: Mein grosser Bruder, der Revolutionär Che Guevara

Juan Martín Guevara will mit der Heldenverehrung seines Bruders Che Guevara aufräumen. Er schildert diesen in seinem Erinnerungsbuch «Mein Bruder Che» aus der familiären Sicht.
Che Guevara. (Bild: EPA)

Che Guevara. (Bild: EPA)

Am 8. Oktober jährt sich zum 50. Mal der Jahrestag, an dem Ernesto «Che» Guevara in Bolivien mit 39 Jahren seinen frühen Tod fand – erschossen von einem Offizier der bolivianischen Armee. Es war das Ende einer zum Scheitern verurteilten Expedition, die das kubanische Beispiel eines geglückten Umsturzes nach Südamerika hätte exportieren sollen. Und es war der Schlusspunkt eines Lebens, das seit 1955, seit Ernesto Guevara im mexikanischen Exil den Gebrüdern Fidel und Raúl Castro begegnet war, ganz im Zeichen einer Revolution stand, die nichts weniger als die Schaffung eines «Neuen Menschen» beanspruchte. Bis heute lebt der Mythos fort von diesem Mann, der einst von schwärmerischen Intellektuellen als «vollständigster Mensch seiner Zeit» (Jean-Paul Sartre) oder «Jesus Christus mit Knarre» (Wolf Biermann) bezeichnet worden war.

Vieles bleibt schwärmerische Kolportage

Eigentlich ist schon alles gesagt und geschrieben worden über ihn, Biografien füllen ganze Regale. Vor allem 1997, als nicht nur seines 30. Todestages gedacht, sondern auch seine – angeblichen – sterblichen Überreste in Bolivien gefunden und in pompösem Zeremoniell nach Kuba überführt und dort in einem Mausoleum beerdigt wurden. Damals erschien eine Flut neuer Sachbücher – von denen jenes des amerikanischen Journalisten Jon Lee Anderson, «Che Guevara: A Revolutionary Life» (dt.: Che: Die Biografie), wohl bis heute das umfassendste und genaueste darstellt.

Was bei derartigen Werken etwas zu kurz gekommen ist, versucht nun, pünktlich zum 50. Todestag Ernesto «Che» Guevaras, der 1943 geborene Juan Martín Guevara in «Mein Bruder Che»: Aufzeigen, dass der Revolutionär auch ein Mensch war und einer glücklichen Familie entstammte. Als fünftes und jüngstes Kind des Ehepaares Ernesto Guevara Lynch und Celia de la Serna im argentinischen Städtchen Alta Gracia geboren, hat Juan Martín allerdings einen entscheidenden Nachteil: Von seinem 15 Jahre älteren Bruder bekam er persönlich gar nicht mehr allzu viel mit. Acht war Juan Martín, als dieser zur Reise per Motorrad durch fünf Länder Südamerikas aufbrach, die ihn politisierte und die im Film «Diarios de motocicleta» von Walter Salles 2004 filmisch verewigt wurde. Und sechzehn war er, als der grosse Bruder jener Held der kubanischen Revolution war, als der er von manchen bis heute verehrt wird – und es war auch das letzte Mal, dass er ihn sah. So bleibt vieles schwärmerische Kolportage, etwa, wenn Juan Martín vom stets zu Verrücktheiten aufgelegten Knaben Ernesto erzählt, der dann als Jugendlicher durch exzessiven Gerechtigkeitssinn auffiel und der beim anderen Geschlecht seine Wirkung nicht verfehlte. Interessanter ist demgegenüber die Schilderung des mehrwöchigen Kuba-Aufenthalts, als «Che» 1959, kurz nach dem Triumph der Revolution, die Familie nach Havanna einlud und man sich nach Jahren der Trennung wiedersah. Dass bei jener Gelegenheit Vater Ernesto sich mit Frau und Kindern überwarf, weil er des Erstgeborenen Berühmtheit kommerziell nutzen wollte und von diesem schliesslich nach Hause geschickt wurde, entbehrt nicht der Ironie. Die Vermarktung der «Marke Che» begann also schon sehr früh.

Geri Krebs
kultur@luzernerzeitung.ch

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