Erinnerungstag für Irma Stadelmann: Familie und Freunde erweisen der im Mai verstorbenen Künstlerin eine letzte Ehre

Sehr viele Menschen kamen am Sonntag ins «Sinnlicht» in der Luzerner Industriestrasse, um noch einmal Irma Stadelmann zu gedenken und diese besondere Frau zu feiern, die im Frühjahr im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Susanne Holz
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Eine Aufnahme, die Irma Stadelmann zu Lebzeiten zeigt, stand zum Gedenken an die Künstlerin im «Sinnlicht».

Eine Aufnahme, die Irma Stadelmann zu Lebzeiten zeigt, stand zum Gedenken an die Künstlerin im «Sinnlicht».

Bild: Susanne Holz

Am 24. Mai dieses verrückten Jahres 2020 verstarb die Luzerner Künstlerin Irma Stadelmann. Am 12. August 1932 geboren und in Obwalden aufgewachsen, wurde Irma Stadelmann 87 Jahre alt. Ihre Kinder Beat, Oswald, Manuel und Pia beschrieben Irma Stadelmann in der Todesanzeige als «tolle Mutter, liebenswerten Menschen und grosse Lebenskünstlerin».

In einem Nachruf in unserer Zeitung erinnerte sich Künstlerkollege Bruno Müller-Meyer an Irma Stadelmann als «eine Rebellin». Kunstvermittler Urs Sibler sprach von einer «feinen und edlen Person in einer bunten Hülle».

Werk: Irma Stadelmann

Werk: Irma Stadelmann

Bild: Susanne Holz

Und so bunt wie individuell wie lebensfroh und herzensgut war diese Luzernerin wohl, die als Kunstschaffende bei der Jahresausstellung der Innerschweizer Künstlerinnen 1990 den Preis der Jury gewann und als Mensch stets ein grosses Herz für Bedürftige zeigte, etwa mit ihrem Einsatz für die Gassenküche.

Am Sonntag hält Weggefährte und Künstlerkollege Stefan Rogger eine wunderschöne Rede auf Irma Stadelmann. Für den Obwaldner war Irma Stadelmann schlicht ein «schillerndes Gesamtkunstwerk». Authentisch sei sie gewesen, diese «Malerin, Zeichnerin, Performerin, Schauspielerin, Erzählerin, Schamanin». Besonders beeindruckt den Künstlerkollegen:

«Sie war immer sich selbst, auch wenn sie damit manchmal angeeckt ist. Sie fiel auf, weil besondere Menschen eben auffallen.»

Auch wenn Irma Stadelmann «ab und zu Teufel und begierigstes Getier ohne Scheu» gemalt habe, sei sie mit ihrer Liebe zu den Mitmenschen doch dem Himmel näher als der Hölle gewesen. «Viele strenge Katholiken würden hier widersprechen, aber für mich ist es so. Jesus war den Aussenseitern, und eine Aussenseiterin war Irma, näher als den Reichen und Mächtigen, auch den Heuchlern. Irma war weit entfernt von jeglicher Heuchelei. Sie war waschecht, immer und zu jeder Gelegenheit.»

Werk: Irma Stadelmann

Werk: Irma Stadelmann

Bild: Susanne Holz

Wohl nicht nur für Stefan Rogger war diese Künstlerin und Frau und Mutter «ein echter Mensch, ein Original». Wirklich gelebt habe Irma Stadelmann: «Sie hat das Leben und die Menschen im Grunde geliebt und wurde geliebt, wenn auch nicht von allen. Ich werde sie vermissen.»

Die gesamte Rede von Stefan Rogger zu Irma Stadelmann: MEINE ERSTEN GEDANKEN ZU IRMA AM 30.pdf

Neben Stefan Rogger erinnerten am Sonntag die Söhne Beat und Oswald an ihre Mutter. Die Stimmung war so festlich und fröhlich, wie sich das die im Mai Verstorbene vermutlich gewünscht hätte. Man durfte sich noch einmal an der herzlichen Besonderheit dieser Frau erfreuen, als ein Radiointerview aus dem Jahr 1992 abgespielt und später noch ein kleiner Film gezeigt wurde, der den Zuschauern einen flüchtig poetischen Blick auf Irma Stadelmann als ganz junge und unbeschwerte Frau gewährte.

Werk: Irma Stadelmann

Werk: Irma Stadelmann

Bild: Susanne Holz

Zuletzt spielte Freundin und Weggefährtin Gaby Stettler-Frey auf der Tanbura, der indischen Langhalslaute, welche Irma Stadelmann sehr liebte. Begleitet wurde sie von ihrem Mann René Frey, auf einer Schamanenflöte. Eine geheimnisvoll andächtige Musik, die dem Erinnerungstag zusätzlich Seele verlieh. Gaby Stettler-Frey erzählte den Anwesenden von der ruhigen Seite Irma Stadelmanns: «Ich habe Irma oft besucht und ihr Musik vorgespielt. Irma setzte sich hin wie ein Buddha und versank ins Zuhören.»

Vom 22. August bis zum 11. September 2022 ist in der Kornschütte Stadt Luzern eine Ausstellung mit Werken von Irma Stadelmann geplant.