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Kammerchor Luzern: Erneuertes Altes führt in die Zukunft

Auch die Laienchöre spüren die gestiegenen Erwartungen. Der Kammerchor Luzern orientiert sich deshalb bei seinem Barockprogramm ganz an der historische Aufführungspraxis. Dies mit grossem Erfolg.
Roman Kühne
Dirigent Benjamin Rapp leitet den Kammerchor Luzern in der Matthäuskirche. (Bild: Philip Schmidli, 16. Februar 2019)

Dirigent Benjamin Rapp leitet den Kammerchor Luzern in der Matthäuskirche. (Bild: Philip Schmidli, 16. Februar 2019)

Jean-Philippe Rameau und ein ­relativ unbekanntes Athem von Georg Friedrich Händel sind nicht gerade Strassenfeger. Dennoch ist die Matthäuskirche an diesem Samstagabend beim Konzert des Kammerchors Luzern voll. Und die Zuschauer bereuen ihr Kommen sicherlich nicht. Gelungen ist die Aufführung, gross brandet der Schlussapplaus.

Seit drei Jahren leitet der junge Basler Benjamin Rapp das Ensemble. Und man stellt fest, dass ihm klanglich ein Schritt gelungen ist. Dies gerade auch mit Nischenprogrammen. Gehörte das letzte Konzert ganz der sommerlichen Romantik und Moderne, so wird beim aktuellen Abend der Gegenpol Barock angesteuert.

«Es reizt mich, den Mainstream zu verlassen»

Benjamin Rapp ist es wichtig, immer wieder Neues und Unbekanntes zur Aufführung zu bringen. «Ich bin ein grosser Liebhaber von Barockmusik», erklärt er im Gespräch. «Und es reizt mich, den Mainstream zu verlassen und auch selten Bespieltes im Konzert aufzuführen.» Gleichzeitig kann so der Kammerchor Luzern, etwa im Vergleich mit dem Händel-Chor, auch eine Nische besetzen. Allerdings reicht es in der heutigen Zeit, zumindest in der Chor-Hochburg Luzern, nicht mehr, einfach etwas «von damals» aufs Programm zu setzen. Die Ansprüche und wohl auch das Wissen sind im Publikum gestiegen, die Erwartungshaltung ist hoch.

Benjamin Rapp will deshalb nicht einfach barocke Literatur singen, sondern orientiert sich präzise an der historisch informierten Aufführungspraxis. «Wie es den Gegebenheiten des 18. Jahrhunderts entspricht, stimmen wir einen Halbton tiefer, als es heute üblich ist. Auch die Artikulation, die Tempi oder die Lautstärken orientieren sich an dieser Zeit. Das Orchester Capricornus Consort Basel und die Solosänger sind ebenfalls Spezialisten für jene vergangene Epoche. Wir wollen hier ein Gesamtpaket anbieten, das stimmt. Es ist mir ein grosses Anliegen, die Musik möglichst ‹original› aufzuführen.»

Lateinische Texte mit ­französischem Akzent

So lässt er den Kammerchor ­Luzern beim «In Convertendo» von Rameau die lateinischen Texte mit französischem Akzent singen. Ein Element, das der Chor ausgezeichnet umsetzt. Auch die warme Klangfülle – mit 50 Sängerinnen und Sängern ist die Gruppe näher bei einem Konzertchor denn bei der Zimmermusik – nützt die volle Akustik der kleinen Kirche optimal aus. Sinnlich legt das Orchester etwa im Schlusslied die Anfangstakte. Schwebend führen die Sopranistinnen ihre Linien, entfaltet sich die ganze Pracht des grossen Volumens in den Männerstimmen.

Es ist ein wogendes Spiel ­zwischen Orchester und Gesang. Verschiedene Solisten aus dem Chor verweben sich harmonisch mit dem Auf und Ab der Tutti-Stellen. Allerdings fehlt den schnelleren Teilen teils etwas die Klarheit und Prägnanz, hätte man sich in der Lautstärken­orientierung nach unten mehr Schattierungen gewünscht.

Das folgende «O Come Let Us Sing», einer der drei Chandos-Athems von Händel, liegt dem Chor deutlich besser und gerät zu einem echten Höhepunkt. Agil und lebendig steigen die Sänger in den Auftakt. Praktisch ohne Vibrato werden ein um das andere Mal schöne Klangvariationen ausgelegt.

Die fröhlichen Wechsel zwischen den Stimmen, die farblichen Tupfer der eingestreuten «Glory» und «Worship»-Rufe oder der festliche und jubilierende Schlusstanz, gesungen mit ­flexibler und beweglicher Souveränität, lassen wenig Wünsche ­offen. Die Tenor Raphael Höhn setzt diesem Teil mit seinen klaren und tragenden Soli die Krone auf. Mit wenig Vibrato zeichnet er die Gesänge einfühlsam und innerlich. Seine leichte Stimme gibt dem relaxten, ja fröhlichen Grundcharakter dieser christ­lichen Musik die passende Farbe und Stimmung.

Die Sopranistin Christina Boner-Sutter, die an der Hochschule Luzern abschloss, verwendet im ersten Stück etwas viel Vibrato, gibt dann aber ihrem Solopart im Händel eine ruhige Tiefe mit schlankem Klang. Der Bassist Matthias Helm interpretiert klangvoll und weich. Schade ist hier das Orchester etwas laut.

Eine Überraschung aus den Reihen des Chores

Eine Überraschung ist die Altistin Simone Felber. Im Kammerchor Luzern mitsingend, ergänzt sie für eine Passage das Solistentrio mit schöner und gestaltender Stimme. Auch beim Begleitorchester setzt man auf oberste Qualität. Das Capricornus Consort Basel gewann im vergangenen Jahr den Opus Klassik für die «Sinfonische Einspielung des Jahres» (Musik von Franz Xaver Richter).

Diesen Vorschusslorbeeren wurden sie vor allem im «O Come Let Us Sing» vollständig gerecht. Mit einem federnden Unterbau in Cello, Bass und Fagott, einer musikalisch inten­siven Gestaltung und einem akzentreichen, aber weichen Spielcharakter sind sie das i-Tüpflein dieses gelungenen Abends. Ein Wink aus der Vergangenheit, zukunftsgerichtet aufgeführt.

CD-Tipp: Capricornus Consort Basel: Sinfonias, Sonatas & Oboe Concerto von Franz Xaver Richter (Verlag: Christophorus Records).

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