Eröffnungskonzert des Osterfestivals: Engelsstimmen lieben Freddie Mercury und David Garrett

Die Wiener Sängerknaben eröffneten gestern Lucerne Festival zu Ostern mit betörendem Engelsgesang aus vier Jahrhunderten. Zwei Knaben sagen, wieso sie trotz ihrer Liebe zu Queen und David Garrett in diesem Elitechor glücklich sind.

Urs Mattenberger
Drucken
Teilen
Die Wiener Sängerknaben unter der Leitung von Jimmy Chiang interpretieren «Hail, Holy Queen». (Bild: Priska Ketterer / Lucerne Festival)

Die Wiener Sängerknaben unter der Leitung von Jimmy Chiang interpretieren «Hail, Holy Queen». (Bild: Priska Ketterer / Lucerne Festival)

Vor Jahren hatte der Enthusiasmus von hochkarätigen Jugendorchestern dem Klassikbetrieb eine Frischzellenkur beschert, die sich auf etablierte Orchester übertrug. Dass es Ähnliches auch im Bereich der Chormusik gibt, zeigen in der Region immer wieder Konzerte der Luzerner Kantorei.

Gestern nun setzte Lucerne Festival erstmals prominent auf diese Karte: Im Eröffnungskonzert des Osterfestivals debütierten die Wiener Sängerknaben, die mit ihrer 500 Jahre alten Tradition das Original unter den Knabenchören sind.

Vorbildhafter schlanker Chorklang

kauft war, unterstrich zwar die Besonderheit des Anlasses. Aber es war nicht so, dass er in jeder Hinsicht die Erwartungen an so viel Tradition und Professionalität konkurrenzlos einlöste. So blieb das Mischprogramm vom Barock über Schumann bis zu «Sister Act» unverbindlicher als die Programme, die Luzerner Chöre am selben Abend in der Franziskaner- und der Matthäuskirche aufführten (Ausgabe von morgen). Dass spärlich eingestreute Barock-Koloraturen etwas verwischt klangen, mochte auch mit der Akustik der Jesuitenkirche zusammenhängen.

Massstäbe setzte allerdings unter der vitalen Leitung von Jimmy Chiang der Chorklang selber: Wie die leichten Knaben-, ja Engelsstimmen zu einem schlanken Klang verschmolzen, der höchste Transparenz wahrte und doch im Kirchenraum prachtvoll aufblühte, war ein Ideal, an dem sich tatsächlich immer mehr Erwachsenenchöre orientieren. Dass sich seine durchdringende Kraft vielen vorzüglichen Einzelstimmen verdankt, bewiesen zahlreiche Stücke, in denen einzelne Knaben anspruchsvolle Soli mit tragender Stimme gestalteten.

Jeden Tag zwei Stunden Chorausbildung

Qualität? Steht die Disziplin, die ein solches Chortraining erfordert, nicht im Widerspruch zur Spontaneität von Kindern zwischen 10 und 14 Jahren? Wir fragten vor dem Konzert die Sängerknaben Adrian und Paul, wie sie die Chorschmiede an der Internatschule der Wiener Sängerknaben erleben. Können sie sich da auch mal richtig austoben? «Klar, die zweistündigen Chorproben pro Tag sind in den Schulunterricht integriert», verrät Paul gleich mal ein Erfolgsgeheimnis des Chors: «Aber ausserhalb des Schulprogramms haben wir viel Zeit zum Spielen. Dafür gibt es einen grossen Garten und gleich zwei Fussballfelder!», schwärmt er. «Und drinnen gibt es ein Schwimmbad und Pingpong-­Tische», ergänzt Adrian, der betont: «Ausser wenn wir am Sonntag in einer Messe singen, verbringen wir die Wochenenden zu Hause bei unseren Familien.»

Dass Wiener Sängerknaben nicht im Elfenbeinturm aufwachsen, zeigen auch ihre musikalischen Vorlieben: «Meine Lieblingsband ist die Gruppe Queen, ich mag den Gesang von Freddie Mercury und dass sie so rockig ist», sagt Paul. Adrian, der Geige spielt, schwärmt von David Garrett und dessen Stück «Viva la vida»

Tourneen zwischen den USA, Asien und Luzern

Vermissen sie das Rockige nicht im Repertoire ihres Chors? Paul verneint und verweist auf den «Sister Act»-Chor «Hail, holy Queen», der auch in der Jesuitenkirche erklang: «Wir singen ja auch solche Stücke mit viel Rhythmus, und es macht Spass, diesen da mitzuklatschen.»

Überhaupt geht es bei den Wiener Sängerknaben zwar um Musik, weil das gemeinsame Singen, egal in welchem Stil, «immer Spass macht». Aber es geht auch um anderes. Cool sind etwa die vielen Tourneen in alle Welt: «Meine Schwester fand es total ungerecht, dass ich in die USA reisen konnte», lacht Paul. Nimmt sich im Vergleich Luzern nicht bescheiden aus? «Ich fand zwar auch die USA oder asiatische Länder mit ihren Traditionen spannend», sagt Adrian fast kleinlaut: «Aber in Luzern sind die Altstadt und die Berge so wunderschön, ähnlich wie bei uns, aber sogar noch schöner.»