Erster Master in Volksmusik

Er studierte Jazz in Zürich. Doch Volksmusik liegt Andreas Ambühl näher. Dank der Luzerner Musikhochschule ist er nun ein studierter Volksmusiker.

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Hat einen speziellen Lehrgang absolviert: Andreas Ambühl (35) mit seiner Klarinette. (Bild: Dominik Wunderli/Neue LZ)

Hat einen speziellen Lehrgang absolviert: Andreas Ambühl (35) mit seiner Klarinette. (Bild: Dominik Wunderli/Neue LZ)

Wer am Samstag in der Jazzkantine noch einen Platz findet, kann eine schweizerisch-volksmusikalische Zeitreise von gut 500 Jahren erleben: Mit insgesamt 13 Musikern wird der Klarinettist Andreas Ambühl im Rahmen seines Diplomkonzerts eine klingende Geschichtsstunde geben. Das älteste Stück heisst «Bättler Tanz» und stammt aus dem Jahr 1563.

Für die Interpretation werden alte Instrumente wie Drehleiher, Sackpfeife oder Chalumeau, eine Vorläuferin der Klarinette, verwendet. Im weiteren Verlauf des abendfüllenden Konzertprogramms erweitert sich das Spektrum über traditionelle Volksmusik mit Klarinette und Schwyzerörgeli und moderne Volksmusik-Kompositionen bis hin zu Folk-Pop-Stücken mit der Sängerin Simone Baumann. Ausgeheckt hat diese «Zeitreise» der Klarinettist Andreas Ambühl. Er ist der bisher einzige Studierende der Schweiz, der den Studiengang Volksmusik mit dem Master abschliessen wird.

Zu den Wurzeln

Von 2000 bis 2004 hatte Ambühl an der Hochschule der Künste in Zürich Jazz studiert. «Jazz gefällt mir, aber ich habe diese Musik nicht so verinnerlicht. Ich bringe den Jazz nicht so zum Grooven, wie das ein Musiker aus New York oder New Orleans kann. Ich bin mit der Volksmusik vertraut. Sie ist in mir drin und macht mir Spass.» Mit dem zusätzlichen Studiengang Volksmusik, der bisher einzig an der Hochschule Luzern – Musik angeboten wird, wollte der Klarinettist zurück zu seinen «richtigen Wurzeln», wie er sagt.

Ambühl ist in Davos aufgewachsen, sein Vater spielt Schwyzerögeli. Die beiden spielten oft zusammen, das wird auch am Diplomkonzert der Fall sein. Die Volksmusik ist im Leben von Ambühl seit jeher präsent. Einzig in der Teenagerzeit sei es etwas schwierig geworden, sich mit der Volksmusik zu identifizieren. «Aber das war mehr gegen aussen. Mir selber hat die Volksmusik immer gefallen.»

Mit dem zusätzlichen Studium an der Hochschule Luzern – Musik, das nochmals drei Jahre dauerte, konnte sich Ambühl voll auf die Volksmusik fokussieren. Eigentlich ist der Studiengang in Luzern vorläufig auf einen Bachelor-Abschluss mit Schwerpunkt Volksmusik angelegt. Neben dem Unterricht auf dem Hauptfachinstrument stehen zahlreiche Ensemblekurse auf dem Programm, in denen ein breit gefächertes Repertoire erarbeitet wird. Für Ambühl wurde ein spezifischer Master-Lehrgang zugeschnitten. Ambühl spielt ebenso gerne ein urchig-traditionelles Tänzli an einer Stubete, wie er mit einer konzertanten Formation eine komplexere Komposition interpretiert. «Diese Bandbreite gefällt mir.»

Dass sich die Volksmusik mit Folk- und Pop-Elementen anreichern lässt, findet er interessant. «Volksmusik ist schon immer von neuen Einflüssen gespiesen worden. Es ist eine Musik, die lebt und sich verändert, aber trotzdem ihren Charakter behält.» Werden Volksmusiker, die an der Hochschule studiert haben, von den urchigen Volksmusikern, die oft Autodidakten sind, akzeptiert? Erstaunlicherweise sei er bisher auf keine Vorbehalte gestossen, sagt Ambühl. «Einen Abschluss zu haben, ist nicht entscheidend. Wichtiger ist die Freude an der Musik. Ich finde die Volksmusik cool und habe Spass daran. Das spricht für sich, wenn du spielst.» Hat ihn der Master-Studiengang nicht verbildet? «Natürlich musst du darauf achten, dass das Spontane und Urchige, das gerade die Schweizer Volksmusik auszeichnet, nicht verloren geht.

So war ich mir immer bewusst, dass es um die Musik geht und nicht darum, einen möglichst hochstehenden Spitzensport zu betreiben.» Mit Musikern wie Markus Flückiger, Dani Häusler oder Willy Valotti habe er ausgezeichnete Lehrpersonen gehabt. «Ich konnte mich gut vernetzen, viel üben, Neues lernen und an Spielerfahrung gewinnen.»

Vielseitig engagiert

Der Klarinettist, der sich auch intensiv mit Musik-Software beschäftigt und sie zum Arrangieren und Experimentieren nutzt, war schon als Studierender ein gefragter Musiker. Er ist Mitglied der Hochschulband «Alpini Vernähmlassig», spielt alte Volksmusik mit Tritonus, traditionelle Volkmusik im Bündner Ländlerquartett Bodaguat und moderne Volksmusik im Ländlerorchester. Regelmässig ist er auch mit der Formation Pflanzplätz und dem Schwyzerörgeler Marcel Oetiker zu hören.

Pirmin Bossart

HINWEIS
Masterkonzert "Ziitreis" von Andreas Ambühl: Samstag, 9.6.2012 Jazzkantine, Grabenstr. 8, Luzern (Eintritt frei / Kollekte)