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ERSTKLASSIK: Der Eremit Bruder Klaus bildet den Fels in der Brandung

Musiker des Lucerne Festival Orchestra kann man weiterhin in Obwalden erleben: Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks eröffneten die Erstklassik-Jubiläumsausgabe mit einer Uraufführung zu Bruder Klaus.
Urs Mattenberger
Statue von Bruder Klaus beim Dorfplatz in Sarnen. (Bild: Pius Amrein (30. April 2017))

Statue von Bruder Klaus beim Dorfplatz in Sarnen. (Bild: Pius Amrein (30. April 2017))

Selten wächst zeitgenössische Musik so aus alltäglich Vertrautem heraus wie gestern im Eröffnungskonzert des Erstklassik-Festivals, das in Obwalden jeweils im Sommer Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks versammelt. Als die rund um den Theatersaal im Alten Gymnasium postierten Musiker ihre Pulte zurechtrücken, ist das letzte Rascheln in den Notenblättern wie das erste Rauschen des «Melchaa»-Bachs im Ranft. Das Plätschern und Reissen des Bachs, mit dem Bruder Klaus aufgewachsen ist, grundiert bis zum Schluss das gleichnamige Werk, das der Obwaldner Komponist Christoph Blum (27) im Auftrag des Festivals zum 600. Geburtsjahr des Eremiten geschrieben hat.

Wer ist Bruder Klaus?

Alltagsnah ist bei den Konzerten des Erstklassik-Festivals trotz Top-Besetzungen auch die familiäre Atmosphäre. So weist der Komponist mit sympathischen Worten wie unter Freunden auf die Grundidee des Stückes hin. Ihn selber habe in Giswil das kontinuierliche Murmeln, Zischen und Rauschen der Laui inspiriert. Einen persönlichen Zugang zu Bruder Klaus fand er, indem er diese Erfahrung auf seine Komposition übertrug – als Grundklang, über dem sich unterschiedliche «Einschübe» entfalten.

Ob im Werk eines der Instrumente für Bruder Klaus steht? Die Besetzung für Streichquartett und Englischhorn weist jedenfalls Letzterem eine solistische Sonderrolle zu. Während das durch Streich- und Wischgeräusche erzeugte Bachrauschen allzu einförmig bleibt, entwickeln die Einschübe starkes Eigenprofil, wobei sich tatsächlich das Englischhorn in den Interaktionen mit einzelnen Streichinstrumenten als Individuum gegen das Kollektiv durchsetzt.

Das beginnt mit einem spannungsvoll kontrapunktischen Dialog mit der Viola. Wo sich das Blasinstrument in Suchbewegungen dahinschlängelt, wird es von Flageoletts einer Violine visionär überglänzt. Wenn es mit einer Violine verschmilzt, fächert sich sein Ton in Mehrklänge auf und entzieht sich dennoch der Harmonie.

Am Schluss gehen Quartett und Englischhorn getrennte Wege: Wenn die Melchaa im nun wogenden Wellengang der Streicher gleichsam über die Ufer tritt, behauptet sich das Soloinstrument (Marie-Lise Schüpbach) dagegen mit einem archaischen Motiv wie ein Fels in der Brandung.

Reizvoll ist «Melchaa» nicht nur durch die Offenheit für solche Deutungen. In den Einschüben kommen auch die Fähigkeiten der Ausführenden zum Tragen. Und das gilt erst recht für Anton Bruckners Streichquintett: Selbst in der eher trockenen Akustik greift der Gesamtklang orchestral und auch schwelgerisch aus. Und wächst doch, ereignishaft im dritten Satz, aus immer neu ausbalancierten Einzelstimmen zusammen.

Weitere Sonderkonzerte zum Jubiläum

Im Kleinen entspricht das der Ursprungsidee des Lucerne Festival Orchestra, in dem die Erstklassik-Musiker seit zehn Jahren mitwirken. Das Eröffnungskonzert war ein passender Akzent zu diesem Jubiläum in eigener Sache, dem weitere folgen. Ein Vorkonzert mit Musikschülern aus Obwalden und Erstklassik-Musikern (morgen Dienstag) und eine Pilgerwanderung auf den Spuren von Bruder Klaus (am Samstag) verbinden Internationalität mit lokaler Verankerung.

Urs Mattenberger
<span style="font-size: 1em;">urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch</span>

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