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«Es braucht potente Frauen»

Svenja Flasspöhler ist eine der schärfsten Kritikerinnen der MeToo-Bewegung. Sie findet, die Frauen machten es sich in der ewigen Opferrolle zu einfach. Sie sollten ihre Sexualität und Kraft potenter leben.
Katja Fischer De Santi
Publizistin und Philosophin Svenja Flasspöhler

Publizistin und Philosophin Svenja Flasspöhler

Berichte von Frauen, in denen sie detailliert schildern, wie sie von mächtigen Männern in Hotelzimmern belästigt werden, sind für Svenja Flasspöhler das Gegenteil einer feministischen Leistung. Die Chefredaktorin des «Philosophie Magazins» hat eine geharnischte Abrechnung über den modernen Hashtag-Feminismus geschrieben. Nur knapp 50 Seiten umfasst ihr Essay «Die potente Frau». Ausser dem pinken Einband ist daran nichts lieblich und leichtgewichtig.

Frauen können sich widersetzen

Flasspöhlers grösstes Problem mit der #MeToo-Debatte: Frauen machen sich damit zu ­Opfern. Opfer, denen jegliche Fähigkeit, sich der männlichen Übergriffigkeit zu widersetzen, abgesprochen werde.

«Passiv erdulden, und wenn alles vorbei ist, ein #MeToo nachschieben. Ist das wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung, das wir unseren Töchtern mitgeben wollen?»

Sich als Opfer der Umstände hinzustellen, sei nicht selbstbestimmt, sondern der Weg des geringsten Widerstands, schreibt die Autorin. Zumal viele der Belästigungsvorwürfe aus den 1980er- und 1990er-Jahren stammten, als noch ein anderes Männlichkeitsbild zelebriert worden sei. Heute bröckle die männliche Vorherrschaft ja bereits «an allen Ecken und Enden». Dass die gesetzlich festgelegte Gleichberechtigung immer noch nicht verwirklicht ist, dafür sind für Flasspöhler die Frauen selbst verantwortlich.

Frauen sind selber schuld

Für die Philosophin scheint ausser Frage zu stehen, dass Frauen sich wehren könnten. «Ich kann mich dem männlichen Wunsch, mit mir zu schlafen, in aller Regel widersetzen, ohne Gefahr zu laufen, körperliche Gewalt zu erfahren.»

Mit Kampagnen wie «Verpfeife dein Schwein» in Paris stellen Frauen Männer an den Pranger wie im Mittelalter und verhalten sich damit wie früher Männer bei der Hexenjagd, schreibt Flasspöhler. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA)

Mit Kampagnen wie «Verpfeife dein Schwein» in Paris stellen Frauen Männer an den Pranger wie im Mittelalter und verhalten sich damit wie früher Männer bei der Hexenjagd, schreibt Flasspöhler. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA)

Auf der gleichen Buchseite nimmt sie sich selbst aber den Wind aus den Segeln, indem sie schreibt, dass jungen Frauen, traumatisierten Frauen, der Widerstand schwerer fallen dürfte. «Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen Frauen keine Möglichkeit haben, sich zu wehren.»

"Keine Frau muss ein Bewerbungsgespräch in einem Hotelzimmer führen."

Sich aus Angst, Einbussen, etwa im Job, zu erleiden, erniedrigen zu lassen, sei das pure Gegenteil einer selbstbewussten Weiblichkeit. Weil Opfer zu sein noch keine Feministin macht.

In ihrer Kritik nimmt die Autorin Punkte auf, die, etwa in Frankreich, bereits mehrfach zu hören waren. Etwa wenn sie befürchtet, mit der Abschaffung jeglicher Belästigung würde auch die Verführung aus der Welt verschwinden.

Weiblicher Orgasmus für die Befruchtug wichtig?

Gefährliches Terrain betritt die Philosophin auch, wenn sie Ideen anpreist wie die, der weibliche Orgasmus sei wichtig für die Befruchtung einer Eizelle. Das Gerücht, Frauen würden von Vergewaltigungen nicht schwanger, und wenn sie schwanger geworden sind, kann es auch keine Vergewaltigung gewesen sein, geistert seit der Antike herum.

Der Mann werde zum Tier degradiert

Auch ein Problem hat Flasspöhler mit dem öffentlichen Pranger, an den viele Männer durch die sozialen Medien gestellt werden. Der Mann werde zum triebgesteuerten Tier degradiert, mit dem Frau nicht mehr in den Dialog treten kann.

Das vielerorts genau das Gegenteil eingetreten ist, ignoriert Flasspöhler. Männer haben sich zu Wort gemeldet, verunsichert, aber zum konstruktiven Dialog bereit. Frauen haben erklärt, wo Grenzen liegen, was ok und was nicht ok ist. Es wurden – zumindest in Europa – keine männlichen Karrieren aufs Geratewohl zerstört. #MeToo muss man nicht dämonisieren.

Trauriges Schweigen und der einsame Kampf jeder Frau alleine hat in den letzten 50 Jahren auch nichts gebracht. Bei ihrem Aufruf an die Frauen, statt die Männer zu kastrieren selber in eine positive, sexuelle Potenz zu finden, dabei kann man Flasspöhler nur unterstützen.

Svenja Flasspöhler: Die potente Frau. Ullstein-Verlag, Berlin 2018. 48 Seiten, Fr. 13.–

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