Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Architekten gastieren im Kunstpavillon: «Es ist auch ein soziales Experiment»

Das Architekturbüro Kunik de Morsier hat den Kunstpavillon in Luzern mit Baumaterial eingerichtet. Co-Kuratorin Sarah Mühlebach erklärt, weshalb die Besucherinnen und Besucher am Ende in der Installation «4×4×4» übernachten sollen.
Céline Graf
Die Kuratorinnen Sarah Mühlebach (links) und Andrina Keller sind gespannt, wie die Architekten die Ausstellung in Büro und Schlafplätze verwandeln werden. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 18. April 2019)

Die Kuratorinnen Sarah Mühlebach (links) und Andrina Keller sind gespannt, wie die Architekten die Ausstellung in Büro und Schlafplätze verwandeln werden. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 18. April 2019)

Die 35-jährigen Lausanner Architekten Valentin Kunik und Guillaume de Morsier bauen nicht nur Häuser. Regelmässig sind sie auch in künstlerischer Mission unterwegs. In experimentellen Recherchen, aus denen sie dann Ausstellungen machen, beschäftigen sie sich mit Themen wie Wohnen und Zersiedelung, Klimawandel und Energieressourcen. In Luzern haben sie im Kunstpavillon die Installation «4×4×4» aus Baumaterialien eingerichtet, die sonst in Häuserfassaden stecken. Eingeladen worden sind Kunik de Morsier von den jungen Kuratorinnen Sarah Mühlebach und Andrina Keller des Kollektivs PTTH:// (kurz für Pavillon Tribschenhorn Temporary Host).

Die Installation von Kunik de Morsier architectes soll für die Besucherinnen und Besucher eine «immersive ästhetische Erfahrung» sein, wie im Beschrieb steht. Klingt das mehr nach Kosmetik als Architektur?

Sarah Mühlebach: Es hat eher etwas mit Eintauchen in ein Raumerlebnis zu tun. Hier ist immersiv durchaus wörtlich gemeint, weil die Besucher das Ausstellungsmaterial anfassen, drüberlaufen, sich darin verstecken können. Die Architekten sehen die verwendeten Materialien aus dem Fassadenbau als eine Art «dritte Haut» des Menschen. Zuerst kommt die menschliche Hülle, dann die der Kleider und schliesslich eben das Haus.

Es heisst, Kunik de Morsier arbeiten mit einem philosophischen Berater, Augustin Casalia, zusammen. Wie muss man sich das vorstellen?

Ihr ganzes Architekturbüro hat jede Woche eine Philosophiestunde mit ihm. Da diskutieren sie aktuelle Themen, die sie in ihren Projekten beschäftigen. In diesem Fall waren es vor allem soziologische und philosophische Raumtheorien.

Am Schluss sind die Besucher eingeladen, in der Ausstellung zu übernachten und zu frühstücken. Ihre Idee?

Nein, das 24-Stunden-Happening zum Abschluss ist eine Idee der Künstler. Kunik de Morsier interessiert, wie sich die Wahrnehmung des Raums verändert, wenn man sich länger als die Dauer eines normalen Ausstellungsbesuchs darin aufhält. Ebenso neugierig sind sie auf die natürliche Veränderung der Lichtverhältnisse im Gartenpavillon mit seinen grossen Fenstern. Die Architekten werden am Tag ihr Büro temporär in der Ausstellung einrichten kommen. Am Abend bauen sie die Einrichtung dann nochmals um zu Betten.

Das klingt nicht sehr bequem, eine Übernachtung in Kunst.

Wir sind auch gespannt, wie sie das machen, eine solche Aktion haben meine Co-Kuratorin Andrina Keller und ich noch nie erlebt. Wir erhoffen uns einen spannenden Austausch zwischen Publikum und Künstler, auf inhaltlicher wie persönlicher Ebene. Der lockere Rahmen scheint dafür ideal. Es ist aber sicher auch ein soziales Experiment.

Wie viele haben sich bisher angemeldet? Und wer?

Zwölf Personen. Die meisten stammen aus unserem Bekanntenkreis, kennen den PTTH:// oder den Kunstpavillon bereits oder sind darauf gestossen, weil sie sich für die Arbeit von Kunik de Morsier interessieren. Wir haben also noch einige freie Plätze, bis es zu eng werden würde.

Die Ausstellung «4×4×4» bei PTTH:// im Kunstpavillon an der Sälistrasse 24 ist am 26./ 27. April und 3./4. Mai offen. 24-Stunden-Happening: 10./11. Mai. Anmeldung für die Übernachtung an info@ptth.pt bis am 3. Mai.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.