Blues-Rock
Es kracht, knorzt und ächzt im Gebälk von Marc Amachers Grandhotel

Der Berner Oberländer Bluessänger und Gitarrist klingt auf seinem neuen Album ungehobelter, dunkler und archaischer denn je.

Stefan Künzli
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Amachers Trio: Dave Flütsch, Marc Amacher und Norman Süsstrunk.

Amachers Trio: Dave Flütsch, Marc Amacher und Norman Süsstrunk.

Marc Amacher und das Grand Hotel Giessbach? Das scheint so wenig zu passen wie Amacher und die deutsche Castingsendung «The Voice Of Germany», wo der Berner Oberländer 2016 immerhin das Finale erreichte. Hier im altehrwürdigen Hotel, hoch über dem Brienzersee, hat der Bluessänger und Gitarrist sein neues Album eingespielt. «Grandhotel» klingt aber zum Glück nicht nach Prunk, Luxus und schicker Abendgarderobe. Die Tage der Anpassung und Verleugnung sind definitiv vorbei. Amacher lässt sich nicht mehr domestizieren. Gut so.

Auf dem Vorgängeralbum ­«Roadhouse» hat Amacher die Richtung mit lautem, ungeschliffenem Blues-Rock vorgegeben. Auf «Grandhotel» geht dieses knorrige Ur-Viech mit seiner Band (Norman Süsstrunk am Bass, Dave Flütsch am Schlagzeug und Gitarrist Phipu Gerber, der die Band inzwischen verlassen hat) noch weiter. ­«Devil» ist ein achtminütiger, psychedelischer Höllenritt in die tiefsten Abgründe unserer Seelen. Nicht minder bedrohlich und düster klingen «STFU» und «Berlin».

Im Grandhotel Giessbach ist alles andere als bekömmlicher Salon-Blues entstanden. Vielmehr kracht, knorzt und ächzt es im alten Gebälk und Amacher klingt ungehobelter, roher, und unangepasster denn je.

Auf den Spuren der Urväter des Country Blues

Die Stücke sind tendenziell länger geworden. Die Reprise von «Rocket Man Blues» dauert stattliche zwölf Minuten. Das kommt Amacher entgegen, denn er spielt aus dem Bauch heraus, singt wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dabei braucht er Raum und Zeit für seine Spontaneität, Impulsivität und eruptiven Einwürfe. Und doch wäre da und dort mehr Struktur willkommen gewesen.

Überflüssig ist der Opener «Stay Clean», ein Stück von Motör­head. Auch «Ride» im Stil von AC/DC berührt wenig. Gelungen ist dagegen das minimalistisch interpretierte Depeche- Mode-Cover «Personal Jesus». Überhaupt: Am überzeugendsten ist Marc Amacher, wenn er seinen Sound radikal reduziert und einen stampfenden, archaischen und urtümlichen Blues entstehen lässt, der an die Urväter des Country Blues erinnert.

Marc Amacher: Grandhotel (Jazzhaus/Sound Service). Erscheint am 7. Januar.
Live: 7. 1. Rubigen Mühle Hunziken; 18.2.Pfäffikon, Chesselhus; 19.2. Langenthal, Old Capitol.

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