Ein halbes Jahr musste er warten: Jetzt kann Damian Lynn den Sound wieder ­voll aufdrehen

Damian Lynns Tournee-Abschluss hätte im März in der Luzerner Schüür stattfinden sollen. Nun holt der Singer-Songwriter nach, was der Lockdown verhindert hat.

Stefan Welzel
Drucken
Teilen
Fast ein halbes Jahr später sitzt der Krienser Singer-Songwriter Damian Lynn (29), auf der Bühne des Luzerner Konzertlokals Schüür. Am Freitagabend steht er da mit seiner Band und kann endlich seinen Gig nachholen.

Fast ein halbes Jahr später sitzt der Krienser Singer-Songwriter Damian Lynn (29), auf der Bühne des Luzerner Konzertlokals Schüür. Am Freitagabend steht er da mit seiner Band und kann endlich seinen Gig nachholen.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 1. September 2020)

Mitte März wollte der Luzerner Singer-Songwriter Damian Lynn den krönenden Schlusspunkt seiner Tournee vor heimischem Publikum setzen. Aber aus dem Auftritt in der Schüür wurde nichts. Genau am Tag des geplanten Gigs, am Freitag, dem 13. März, verkündete der Bundesrat die ersten einschneidenden Coronamassnahmen. Veranstaltungen von über 100 Personen wurden untersagt. Nur drei Tage später folgte der Lockdown. Lynn und seine Bandkollegen standen mit ihrem Material vor dem Konzerthaus und mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Jetzt ist der 29-Jährige einer der Ersten, die den grossen Konzertsaal in der Schüür unter den neuen Schutzvorkehrungen bespielen. Es war eine denkwürdig lange Pause, die sich zwischen vorletztes und letztes Tourneekonzert geschoben hat. Fast ein halbes Jahr musste Lynn warten. Wir haben ihn Anfang Woche in der Schüür getroffen und sind einem Musiker begegnet, der mit gemischten Gefühlen auf die vergangenen Monate zurückschaut, sich aber auch enorm auf den kommenden Auftritt am Freitagabend freut.

Sound endlich wieder ­voll aufdrehen

Etwas verloren und nachdenklich steht Lynn an diesem frühherbstlichen Nachmittag auf der Bühne des Schüür-Konzertsaals. Sein Blick schweift über den in drei Sektoren unterteilten Zuschauerraum. Lynn und seine Mitmusiker haben im Sommer einige kleinere Konzerte gegeben, unter anderem im Schweizerhof vor geschlossener Gesellschaft oder im Rahmen des «Pedalo-Festival» auf dem Zürichsee. «Doch das hier in der Schüür ist was anderes. Eine richtig grosse Bühne mit all dem Equipment, welches es für ein solches Konzert eben braucht. Dabei können wir den Sound endlich wieder voll aufdrehen. Selbst der Techniker freut sich schon auf den Freitag», sagt Lynn mit einem Lächeln auf den Lippen. Ein Hauch von Anspannung ist dem Krienser dabei anzumerken. Auch wenn er sich das Rampenlicht inzwischen gewohnt ist.

Damian Lynn auf der Bühne der Schüür.

Damian Lynn auf der Bühne der Schüür.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 1. September 2020)

Lynn erinnert sich noch sehr gut an jenen Freitag, den 13. «Das war ein ganz spezieller Tag. Schon davor hatte man sich denken können, wo das alles hinführen wird. Aber es schien eben unklar, ob man das Konzert in der Schüür nicht doch würde durchführen können. Die Verunsicherung war überall gross», so Lynn. Er erzählt dabei von den Reaktionen seines Umfeldes und seiner Fans: «Manche hofften darauf, das Konzert besuchen zu können, andere fanden es unverantwortlich, daran festzuhalten.» Die Entscheidung wurde den Verantwortlichen aber sowieso abgenommen. Die Band war mit gepackten Koffern bereits im Auto in Richtung Schüür unterwegs, als die Pressekonferenz des Bundesrates anfing. Als man dann das Konzerthaus erreichte, wusste man: Dieser Weg war umsonst. «Wir wollten natürlich spielen, aber nicht auf Biegen und Brechen. Letztlich geht die Gesundheit vor», so Lynn weiter.

Es kam mehr Ruhe rein in ­ sein Leben

Eine Stunde später standen sie wieder vor dem Proberaum und luden den Wagen aus. Es war der Beginn einer langen Livedurststrecke und einer Zeit, in der sich der Singer-Songwriter vermehrt in sein Studio zurückzog. «Ich konnte dem Lockdown auch Positives abgewinnen. Der Alltag war nicht mehr durch so viele Termine und Verabredungen dominiert. Es kam mehr Ruhe rein in mein Leben, und das hat mich auch inspiriert.» Dabei hat Lynn unter anderem an frischem Material getüftelt und an neuen Ideen gearbeitet, welche vermutlich 2021 auf ein neues Album hinauslaufen werden. Doch ganz so weit vorausblicken und dabei fix planen, mag er nicht. Zu vieles, vor allem auch mögliche Auftritte an Festivals oder in grösseren Veranstaltungshäusern, läge zurzeit in der Schwebe. Der Luzerner Musiker sagt:

«Man merkt, wie vorsichtig viele Veranstalter zurzeit noch sind.»

Umso mehr wird er den Abend in der Schüür geniessen. Was die meisten Musiker letztlich antreibt, ist die Performance vor dem Publikum, vor den Fans. Es ist die Essenz, aus der sie die Energie ziehen. So auch Lynn. Gerade mit der Schüür verbindet ihn viel: Die ersten Konzerte mit der alten Band, der Sprungfeder-Anlass, Support-Shows oder auch, wie er als Teenie im Ausgang hier getanzt habe. Es sei ein «grosser und wichtiger Gig» für ihn, nicht zuletzt, weil danach wieder eine längere Phase ohne Livekonzerte folgen wird. Aber er sehe dem Herbst gelassen entgegen und werde sich erneut etwas intensiver dem kreativen Schaffensprozess widmen.

Eine erste neue Single mit dem Titel «Blink Of An Eye» hat er schon im Juli herausgebracht. Am Ende des Videoclips dazu tauchen unter anderem Sequenzen aus Lynns Kindheit, Jugend und den Anfängen auf den Konzertbühnen auf. Es sind Bilder, die seine Leidenschaft für die Musik unterstreichen. Eine Leidenschaft, die nun auch wieder in seiner geliebten Schüür zu sehen und spüren sein wird.

Hinweis: Konzert von Damian Lynn am Freitag, 4. September 2020, 19.30 Uhr, Schüür Luzern

In eigener Sache

Ausgeh- und Eventmagazin APERO in neuer Form

Mit grosser Freude können wir am Donnerstag, 3. September 2020 wieder mit dem APERO starten. Dieses mussten wir im Frühjahr nach dem Corona-bedingten Zusammenbruch des Kulturlebens aussetzen. Doch jetzt, wo sich die Situation allmählich wieder bessert, wollen wir Sie auch in vorausblickender Form wieder über Zentralschweizer Kulturveranstaltungen informieren.

Das APERO erscheint neu als in die Zeitung integriertes Produkt – und dies mit verdoppelter Kadenz, nämlich wöchentlich statt alle 14 Tage wie zuvor. Dies ermöglicht uns einen aktuelleren Service. Auch der neue Erscheinungstag – Donnerstag statt wie bisher Montag – ermöglicht uns ein noch besseres Timing. So nicht zuletzt auch punkto Kino, wo wir die aktuellen Filmstarts aufzeigen können, was zuvor aufgrund der teils kurzfristigen Kinoplanungen nur beschränkt möglich war. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie in unserem erneuerten Produkt nützliche Tipps finden, dabei viel Lesevergnügen und natürlich Freude am wieder erwachenden Kulturleben in unserer Region. (are)

Mehr zum Thema