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Roman Signers Kunst zischt, plätschert, tropft und summt im Freien

Seine Skulpturen findet man in der ganzen Schweiz. Der bedeutende Künstler Roman Signer hat viele für den öffentlichen Raum geschaffen. Eine Rundreise zu seinem 80. Geburtstag.
Christina Genova
Signerbrunnen in St.Gallen. Der starke, satte Wasserstrahl aus dem roten Fass klatscht auf den schwarzen Asphalt, und zerstiebt in tausend Tropfen.

Signerbrunnen in St.Gallen. Der starke, satte Wasserstrahl aus dem roten Fass klatscht auf den schwarzen Asphalt, und zerstiebt in tausend Tropfen.

Rot wie das Fass war der Zorn der Bürger über Roman Signers berühmtestes Werk im öffentlichen Raum. 4000 Unterschriften wurden 1987 in einer Petition gesammelt gegen den Brunnen im St. Galler Grabenpärkli, der eigentlich «Wasserturm» heisst. Aus einem Loch in einem roten Fass fliesst Wasser in einem Bogen zu Boden. Damals stellte sich der Stadtrat hinter das Fass, der Volkszorn legte sich, und mittlerweile ist das einstige rote Ärgernis ein Wahrzeichen der Stadt. Der Aufruhr um seine Skulptur hat Roman Signer damals geschmerzt. Heute gibt es in St. Gallen, wo der international renommierte Künstler seit Jahrzehnten lebt und arbeitet, insgesamt zehn Arbeiten, die öffentlich zugänglich sind. Es sind mehr als an jedem anderen Ort. Insgesamt sind es schweizweit rund dreissig Skulpturen.

Roman Signer

Roman Signer

Morgen wird Roman Signer achtzig Jahre alt. Wer seine Werke sehen will, muss nicht ins Museum. Vielerorts in der Schweiz und im Ausland findet man sie im öffentlichen Raum. Es lohnt sich, auf seinen Spuren eine kleine Geburtstagsreise zu unternehmen. Denn Roman Signer hat es gerne, wenn etwas passiert, wenn Kräfte und Gegenkräfte wirken. Langweilig wird es deshalb nie: Signers Skulpturen verblüffen, überraschen, wollen mit allen Sinnen erfahren werden.

Die Skulptur Seesicht an der Seeuferpromenade bei der Roessliwiese in Zug, wurde zum 25-Jaehrigen Jubilaeum des Kunsthaus Zug als eines der Projekte zum Spannungsbogen zwischen innen und aussen erstellt. (KEYSTONE/Pascal Bloch)

Die Skulptur Seesicht an der Seeuferpromenade bei der Roessliwiese in Zug, wurde zum 25-Jaehrigen Jubilaeum des Kunsthaus Zug als eines der Projekte zum Spannungsbogen zwischen innen und aussen erstellt. (KEYSTONE/Pascal Bloch)

In Zug an der Seepromenade steht seit drei Jahren die begehbare Stahlskulptur «Seesicht», welche direkt unter die Wasseroberfläche führt. Am Ende der Treppe in fünf Metern Tiefe ist man ganz vom Wasser umfangen, kann die Fische beobachten. Die Erinnerung wird wach an das Unglück von 1887, als ein Teil des Ufers in den See brach und zahlreiche Menschen in den Tod riss. Ebenfalls an eine Katastrophe erinnert die Skulptur im Merciergarten in Glarus: Beim Brand von 1861 wurde die Hälfte der Einwohner obdachlos. Die Installation besteht aus einem tropfenden Löscheimer, der zwischen zwei Stahlseile gespannt ist. Die Tropfen fallen auf einen Tisch und versetzen ihn in Bewegung.

Das Gewöhnliche aus den Angeln heben

Seinem Ruf als Spreng- und Explosionskünstler wird Roman Signer in Zürich gerecht. In der Sihlcity sieht man unter der Autobahnbrücke drei grosse blaue Farbflecken auf dem Beton. Der Künstler hat die blaue Farbe über drei Stahlrohre mit Schiesspulver hochgeschossen. Zwar mag es Signer, wenn es knallt und zischt, doch eigentlich ist Wasser sein wichtigster Werkstoff. Er hat denn auch vor allem Brunnen für den öffentlichen Raum entworfen. Der klassische Brunnen interessiert ihn jedoch nicht: «Ich rede lieber von Wasserobjekt oder Wasserskulptur als von Brunnen. Das Wasser verwende ich als Material. Es ist der dynamische Moment, der mich interessiert», sagte der Künstler vor einigen Jahren zu dieser Zeitung.

Der Tisch von Roman Signer, aufgenommen am 5. August 2013 in Appenzell. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Der Tisch von Roman Signer, aufgenommen am 5. August 2013 in Appenzell. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Roman Signer ist in Appenzell nahe der Sitter aufgewachsen, das hat ihn geprägt. Dort, wo er als Kind am Wasser spielte, steht heute ein Tisch mit zwei Hockern aus Chromstahl am Ufer. Alle fünf Minuten wird der Tisch angehoben und aus zwei Tischbeinen schiesst ein Wasserstrahl in die Sitter. Das Alltägliche, Gewöhnliche wird aus den Angeln gehoben, wie so oft bei Signer.

Wie ein gestiefelter Kater im Wasser stehen

Roman Signer, Kunsthaus Solothurn

Roman Signer, Kunsthaus Solothurn

Viele von Roman Signers Arbeiten haben einen Bezug zu seiner Kindheit, so auch die Skulptur vor dem Kunstmuseum Solothurn. Dort füllt sich alle drei Minuten ein Stiefel mit Wasser und entleert sich mit einem kräftigen Rückstoss aus der Ferse. Der Künstler erinnert sich im Buch «Roman Signer: Reden und Gespräche» daran, wie er als Bub die grossen schwarzen Gummistiefel seines Grossvaters anzog und wie ein gestiefelter Kater in der Sitter stand: «Ich fand das fantastisch: Im Wasser zu sein, die Kälte des Wasser zu spüren, aber nicht nass zu werden.» Schwarze Stiefel gehören wie der Tisch, der Regenschirm oder das rote Kajak zum künstlerischen Inventar Roman Signers. Der Künstler war früher selbst begeisterter Kajakfahrer. Heute findet man das rote Kajak zum Beispiel im Innenhof des alten Landjägerwachthauses in Aarau. Es wird dort jeden Frühling in den Seitenarm des Stadtbaches gehängt. Im Aarauer Bahnhof gibt es eine weitere Arbeit Roman Signers, bei der es nicht um Wasser, sondern um Wind geht. Jedes Mal, wenn ein Zug einfährt, beginnen sich vier Ventilatorenpaare in Fahrtrichtung des Zuges zu öffnen.

Nicht alle Projekte Roman Signers für den öffentlichen Raum wurden ausgeführt: 2005 scheiterte zum Beispiel der Windraum auf der Ebenalp. Ein vor einigen Jahren bei der St. Galler Verlagsgemeinschaft erschienenes Typotron-Heft gibt einen vorläufigen Überblick über die nicht realisierten Skulpturen.

Kunstwerk von Roman Signer bei der EMPA, am Mittwoch, 16. Mai 2018, in St. Gallen. (TAGBLATT/Benjamin Manser)

Kunstwerk von Roman Signer bei der EMPA, am Mittwoch, 16. Mai 2018, in St. Gallen. (TAGBLATT/Benjamin Manser)

Trotz des Aufruhrs um sein rotes Fass hat sich Roman Signer nicht entmutigen lassen und in St. Gallen einen weiteren Fassbrunnen realisiert. 25 blaue Fässer stehen vor der Empa im Westen der Stadt. Von unten spritzt durch eine Düse Wasser in jedes Fass und bringt es zum Vibrieren und Summen – eine Wassermusik der besonderen Art.

Hinweis

Ausstellung von Roman Signer
«Spuren» im Kunstmuseum St. Gallen
26.5.–12.8.

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