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ETTISWIL: Das Stimmen-Fenster steht weit offen

Die Stimme, ausdrucksstark und wandelbar, in allen stilistischen Kategorien: Das Stimmen-Festival Ettiswil präsentiert auch dieses Jahr ein erlesenes Programm des menschlichsten aller Instrumente.
Das Repertoire des Vokalensembles Quartonal weist über die klassische Musik hinaus. (Bild: Christoph Mannhardt/PD)

Das Repertoire des Vokalensembles Quartonal weist über die klassische Musik hinaus. (Bild: Christoph Mannhardt/PD)

Sabrina Troxler und Adi Rohner, die nach Jahren in der Stadt inzwischen auf dem Land in Wauwil wohnen, sind seit 2015 für das Programm des Stimmen-Festivals verantwortlich. Beide sind auch selber als Musiker aktiv (Famm, Franky Silence and Ghost Orchestra). Ihre Handschrift ist deutlich spürbar. Sie ist so liebevoll wie professionell. Die beiden rücken nicht nur die Stimme prägnant ins Zentrum, sondern haben auch offene Ohren für stilistisch unterschiedliche Kontexte. Sie holen internationale Künstler nach Ettiswil und geben gleichzeitig regionalen oder jungen Stimmen eine Plattform.

Urgewaltiger Schaerer

Letztes Jahr gaben Troxler und Rohner ihr Programmdebüt. «Wir waren sehr zufrieden. Ich hatte bei keinem Konzert das Gefühl, dass wir das nicht hätten bringen sollen», blickt Sabrina Troxler mit einem Lächeln zurück. In bester Erinnerung blieben nicht nur die prominenten Woods Brothers, die den Jlgesaal zum Kochen brachten, sondern auch der Jodlerabend, «der neue Gesichter ans Festival brachte und auch sonst für eine schöne Stimmung sorgte».

Inhaltlich verfolgen Troxler und Rohner dieses Jahr «mit einem guten Gefühl» ihren Weg weiter: Zentral bleibt die Stimme, die über alle Genregrenzen hinweg in ihrer ganzen Vielfalt zum Ausdruck kommen soll. «Die Stimme hat für uns etwas Urgewaltiges. Das kann man dieses Jahr besonders gut erleben.»

So ist etwa mit dem Berner Sänger Andreas Schaerer, der mit der Formation Hildegard lernt fliegen auftritt, ein solch urgewaltiger Stimmkünstler zu hören: Der unerhörte Improvisator hat noch restlos alle begeistert, die ihn je erlebten. 2015 wurde Schaerer mit dem deutschen Echo-Preis als «Sänger des Jahres international» ausgezeichnet.

Sängerinnen aus Afrika

Dieses Jahr sind erstmals Stimmen aus Afrika vertreten. Die junge Sängerin Aline Frazao, die im Quartett auftritt, gehört zu den wichtigen politischen Stimmen in Angola. Sie singt portugiesisch und verbindet in ihrer Musik neben angolanischen Roots auch volksmusikalische Einflüsse aus Brasilien und Portugal. Ihr neustes Album «Insular» hat sie auf einer kleinen schottischen Insel aufgenommen. Es soll neben dem akustischen Grundboden etwas elektrischer und rockiger klingen als ihre ersten sehr persönlichen Alben.

Maloya heisst ein traditioneller Musikstil auf La Réunion, der wegen seiner subversiven (antikolonialistischen) Inhalte bis in die 1980er-Jahre verboten war. Christine Salem (Titelbild PD) singt den Maloya mit ihrer tiefen Stimme in rauer Direktheit wie einen archaischen Blues. Sie kommt mit einem Gitarristen und einem Schlagzeuger auf die Bühne. Wer weiss: Vielleicht wirkt der Auftritt der beiden afrikanischen Weltmusikerinnen in Ettiswil ähnlich bahnbrechend wie damals, als die ersten schwarzen Musiker in Willisau auftauchten.

Blues-Stimmen

Eröffnet wird das Festival vom einheimischen Slide-Guitar-Pionier und Träger des Swiss Blues Awards 2013: Richie Koechli. Der in Egolzwil wohnhafte Blues-Gitarrist, Roots-Musiker und Buchautor ist in Kennerkreisen mindestens so bekannt wie ein Philipp Fankhauser, aber er ist auch ein feinfühliger Singer-Songwriter. Aus New Orleans kommt der Sänger und Gitarrist Luke Winslow-King, der die Sou­thern-Spielart mit Ragtime, Delta Country Blues und New-Orleans-Einflüssen auf die Bühne bringt. Er ist schon mit Taj Mahal, Buckwheat Zydeco oder Jack White aufgetreten.

International und bluesig angehaucht ist auch das Quartett Marty O’Reilly and the Old Soul Orches­tra: Nur vier Tage nach ihrem Konzert in der Rockwood Music Hall in New York stehen sie im Gasthaus Jlge in Ettiswil auf der Bühne. Ein Orchester der ganz anderen Art ist das Shady Midnight Orchestra der Zürcher Sängerin Marena Whitcher, in dem junge Jazzmusiker versammelt sind. Ihre Geistermusik ist ein theatralisch verspielter Mix aus Jazz-, Rock-, Klassik- und Pop-Elementen mit atmosphärischen Stimmungen.

A-cappella-Klassik

Marius & Ratzfatz lassen mit Gesang, Gitarre, Quetschkommode, Fusstrommel und Jägerchor eine Jagdkapelle im Miniformat auf­leben, für die der Jlgesaal gewiss eine stimmige Kulisse abgibt. Den Schlusspunkt am Sonntag (17 Uhr) setzt in der Pfarrkirche das klassische Vokalensemble Quartonal. Neben dem klassischen Repertoire (Renaissance-Madrigale, Romantik) bewegen sich die vier Männerstimmen auch in zeitgenössischen Kompositionen und Pop-Arrangements.

Pirmin Bossart

Donnerstag, 26., bis Sonntag, 29. Mai
Ettiswil, verschiedene Lokale; ­
Infos/VV: www.stimmen-festival.ch

Luzerner Stimmen in Ettiswil

Die Reihe «Stimmfenster» ist eine Plattform für jüngere, einheimische Stimmen. Diesmal stammen beide Acts aus Luzern: Die Gitarristin und Sängerin Pink Spider macht Songs zwischen Folk und Pop, die einen sofort packen und berühren. Ein riesiges Talent, das 2015 von der Kunst- und Stadtpreiskommission Luzern ausgezeichnet wurde.

Sanft und stetig gut in die Gehörgänge schleicht sich auch der Singer/Songwriter Remo Albisser alias Sleepyhousemit seinen folkigen und fein arrangierten Songs. Seine Assoziationen speisen sich von Roots und zeitgenössischen Einflüssen. Er tritt mit dem Pianisten David Bokel auf.

Die Stimmfenster-Konzerte finden im Egghus statt und sind gratis. Sabrina Troxler: «Wir wollen die Besucher ermuntern, sich auch mal auf neue und ganz andere Stimmen einzulassen.»

pb

Überraschung: Alexander Hacke in Ettiswil

Er ist Mitglied der deutschen Industrial-Pionierband Einstürzende Neubauten, war Lebensgefährte von Christiane F., macht Filmmusik und hat 2015 seine Autobiografie «Krach – Verzerrte Erinnerungen» veröffentlicht. Alexander Hacke singt, spielt Gitarre und liest aus seinem Buch. Mit den Tiger Lillies hat er aktuell das musikalische Bühnenprogramm «Mountains of Madness» realisiert, das es beinahe nach Ettiswil geschafft hätte. Alexander Hacke in Ettiswil: Das ist eine grosse Überraschung!

pb

Pink Spider singt «Heavy Heart». (Bild: PD)

Pink Spider singt «Heavy Heart». (Bild: PD)

Remo Albisser (2. von links) mit Sleepyhouse. (Bild: Ralph Kühne/PD)

Remo Albisser (2. von links) mit Sleepyhouse. (Bild: Ralph Kühne/PD)

Alexander Hacke. (Bild: PD)

Alexander Hacke. (Bild: PD)

Hildegard lernt fliegen: Stimmkünstler Andreas Schaerer und Band. (Bild: PD)

Hildegard lernt fliegen: Stimmkünstler Andreas Schaerer und Band. (Bild: PD)

Aus New Orleans kommt Sänger und Gitarrist Luke Winslow-King. (Bild: PD)

Aus New Orleans kommt Sänger und Gitarrist Luke Winslow-King. (Bild: PD)

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