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ETTISWIL: Ehemaliger Geheimtipp schlug voll ein

Urschweizerische Jodelstimme, Blues oder Rock, Gedichte, die eine Stimme bekommen: Das 11. Festival der Stimmen bringt ein Bad in sehr verschiedenen Stimmwelten.
The Wood Brothers: rechts Sänger Oliver, links sein «kleiner Bruder» Chris, in der Mitte Jano Rix als ausserfamiliäre Verstärkung. (Bild Corinne Glanzmann)

The Wood Brothers: rechts Sänger Oliver, links sein «kleiner Bruder» Chris, in der Mitte Jano Rix als ausserfamiliäre Verstärkung. (Bild Corinne Glanzmann)

Hannes Bucher

«Die Welt ist zu Gast in Ettiswil», sagte Leiter Heinz Troxler vor dem diesjährigen Stimmenfestival Ettiswil. Es ist nicht zu hoch gegriffen. Geografisch geht es dieses Jahr weit über die Schweizer Grenzen hinaus; selbst Stimmen aus den USA und Neuseeland bereichern das dreitägige Festival. Auch wenn die Festivalpass-Besitzer gegenüber den Einzeleintritten in der Minderzahl sind: Kaum einer wird es bereut haben, mehrmals in diese Stimmenwelt eingetaucht zu sein. Die Gegensätzlichkeit der Konzertinhalte macht gerade den Reiz des Ettiswiler Festivals aus.

«Naturjüüzli» und Ruggusseli

Geschickt ist auch dieses Jahr die Dramaturgie des Festivals aufgebaut mit Naturstimmen pur zum Auftakt am Freitagabend. Ein gemischtes Publikum, weit über die Jodelkreise hinaus, füllt zu Beginn schon den «Jlge»-Saal. Es geht auf eine musikalische Mini-Tour durch die jodelnde Schweiz. Archaische Naturjüüzli aus dem Muotatal, berührende Ruggusseli, dieser ganz spezielle Naturjodel aus dem Appenzellischen, und glockenreinen Jodelgesang mit der erfolgreichen Nachwuchssängerin Arlette Wismer sind angesagt.

Szenenwechsel: Am selben Abend, für eine gute Stunde, ziehen die mal jazzig, mal poppig angehauchten, auch an Folk angelehnten Songs der amerikanischen Sängerin und Songwriterin Rebecca Martin das Publikum in Bann. Virtuos begleitet von Ehemann Larry Grenadier auf dem Kontrabass, schafft sie eine intime, berührende Ambiance. Legt die Sängerin dann auch die Gitarre weg und schweigt der Kontrabass, werden die Ruhe und die gewollte Langsamkeit noch eindringlicher und nachhaltiger.

Das Glück des Tüchtigen

Ein Wechselbad der Stimmungen im Spannungsfeld von Intimem, Verinnerlichtem zu fulminanten Gefühlsausbrüchen – zieht sich wie ein roter Faden durch die drei Tage. Das Publikum lässt sich gerne führen, mitnehmen und in den Bann der Stimmen ziehen. Am Samstagabend etwa im Egghuus-Café mit The Konnicks; und nachher wiederum im Saal von Paul Ubana Jones’ Stimme und Gitarre.

Fast gar als «das Glück des Tüchtigen» kann bezeichnet werden, dass die Veranstalter The Wood Brothers aus den USA zu Gast zu haben. «Randvoll, ausverkauft», strahlt Heinz Troxler am späten Samstagabend zu Konzertbeginn. Die beiden Brüder Chris Wood (Bass), Oliver Wood (Gesang und Gitarre) mit Jano Rix (Schlagzeug und diverse Instrumente) wurden bei ihrer Verpflichtung nach Ettiswil vor Jahresfrist in den USA bereits hoch gehandelt, waren in Europa aber noch ein Geheimtipp. Vor ihrem aktuellen Europatrip haben sie bei ihrer Tournee der US-Westküste entlang grosse Hallen und immense Säle gefüllt, jetzt ist ihr Bekanntheitsgrad nach Europa übergeschwappt. Es stehen in Europa Konzerte in Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen an. Und eben der Zwischenhalt in Ettiswil.

Der Sänger und der «kleine Bruder»

«Wir könnten sie uns heute nicht mehr leisten», schmunzelt der Festivalleiter. Die Band ist von der Ambiance vor Ort von Beginn weg begeistert gewesen diese Art von kleinem Rahmen liebt das Trio nach wie vor. Sein Auftritt ist denn auch ein eigentliches Highlight. Die Mischung aus Folk, Bluegrass, Country, auch mal harter Rock unterlegt, ist von der ganz feinen, besonderen Art. Sänger Oliver Wood ist vielseitig: Er beherrscht das Röhrig-Rockige ebenso wie das Weiche, Balladige. Sein «kleiner Bruder Chris», wie der Sänger schmunzelnd den Bassisten vorstellt, ist nicht nur ein begnadeter Bassist, sondern entpuppt sich am Ende auch als virtuoser Tänzer.

«Unglaublich, wie vielseitig, mitreissend, voll dabei die drei Musiker sind», sagen etwa Theres Schmid und Tochter Selina aus Buttisholz stellvertretend für wohl die meisten im Saal. Schmids sind zum ersten Mal am Stimmenfestival. «Und sicher nicht zum letzten Mal.»

Stabübergabe

Mit Slam Poet Kilian Ziegler und Klassischem, so etwa mit Liedern von Robert und Clara Schumann, ging es gestern traditionsgemäss im Schloss Wyher weiter. Ebenso zur Tradition geworden ist der Festivalabschluss in der Ettiswiler Pfarrkirche: Susanne Ambühl lässt Lyrik darunter viel eigen Geschaffenes – fliessen und schwingen, gibt ihr eine musikalische Stimme. Auch da wiederum: grossartige Instrumentalisten, die begleiten.

«‹Ein sensationelles Konzert ich komme wieder.› Das kann ich immer wieder hören, unser Stammpublikum wird von Jahr zu Jahr grösser.» Heinz Troxler freut sich. Er hat 2015 zum letzten Mal das Festival geleitet – nun gibt er den Stab weiter an seine Nachfolgerin Hedi Meyer. «Sie bringt die gleiche Begeisterung für das kulturelle Leben auf der Luzerner Landschaft mit wie ich.» Er verlässt seinen Posten mit einem lachenden Auge: «Ich konnte mithelfen, das Festival auf die Erfolgsspur zu bringen.» Ein weinendes ist allerdings auch dabei: «Ich werde die wunderbaren Begegnungen und Erlebnisse vermissen.»

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