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Eurovision als Politspielball

Ihr politisches Tauziehen dehnen Russland und die Ukraine auch auf den Eurovision Song Contest aus. Ein Kommentar unseres Kulturchefs Arno Renggli.
Arno Renggli, Leiter Kultur
Arno Renggli leitet das Ressort Kultur der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Arno Renggli leitet das Ressort Kultur der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Der Eurovision Song Contest war ja früher schon politisch instrumentalisiert worden. Aber so raffiniert wie heuer noch nie, das muss man den Russen lassen.

Sicher war man in Moskau wenig amused, als letztes Jahr in Stockholm die Ukraine gewann. (Was wohl auch ein politisches Statement Europas war.) Der Sieg bedeutete, dass Russland 2017 wie alle anderen in der Ukraine anzutreten hat. Doch dies wollte Moskau offenbar vermeiden. Und zwar so, dass man nicht selber als Spielverderber dasteht. Sondern der Feind, die Ukraine.

Ein schlauer Plan musste her. Irgendein findiger Funktionär hatte einen: Man wählte – natürlich ohne Publikumsvoting – die Sängerin Julia Samoilowa zur Contestvertreterin Russlands. Nun war diese 2015 auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim aufgetreten. Genau genommen war sie via Russland auf die Krim gereist, was die Ukraine verboten hatte. Weshalb diese ein Einreiseverbot über sie verhängt hat. Klar, dass dies den Russen bewusst war. Also haben sie die Ukraine praktisch gezwungen, die Sängerin abzulehnen. Was besonders unschön aussieht, weil Julia Samoilowa im Rollstuhl sitzt.

Derweil Kiew am Pranger steht. Und bereits Drohungen von der European Broadcasting Union erhielt, die den Contest ausrichtet. Natürlich hätten die Ukrainer Julia einfach akzeptieren und die Russen ins Leere laufen lassen können. Aber so cool sind sie leider auch nicht. Und so geht der russische Plan, in diesem verhärteten Konflikt einen kleinen Imagesieg zu landen, wohl auf.

Arno Renggli, Leiter Kultur

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

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