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EUROVISION: Russland reagiert unsportlich auf «Niederlage»

Der Sieg der Ukraine beim Song Contest kommt in Russland schlecht an. Für positive Spannung hat die neue Präsentation der Punktevergaben gesorgt.
Die Ukrainerin Jamala gewann den Eurovision Song Contest mit einem Lied über die Krim-Tataren. (Bild: Keystone)

Die Ukrainerin Jamala gewann den Eurovision Song Contest mit einem Lied über die Krim-Tataren. (Bild: Keystone)

Russland war der Topfavorit beim diesjährigen Contest, am Ende reichte es «nur» zu Platz 3, derweil der Sieg «ausgerechnet» an die Ukraine ging. Und dies auch noch dank einem Song, der eine politische Stossrichtung hatte. Sängerin Jamala erinnerte mit «1944» an das Schicksal ihrer Urgrossmutter und der Krim-Tataren jener Generation.

Deportation durch Stalin

Im Mai 1944 wurden die seit Jahrhunderten auf der Krim ansässigen Tataren auf Befehl Stalins deportiert, die meisten von ihnen nach Zentralasien. Der Diktator warf ihnen Kollaboration mit den deutschen Besatzern vor. Etwa die Hälfte von ihnen starb an Kälte, Hunger oder Krankheiten. 1991 kehrten viele Tataren und deren Nachkommen auf die Krim zurück. Bis heute misstrauen sie Moskau. Die meisten lehnen die Annexion der Krim ab. Viele Tataren werden von den Behörden drangsaliert, ihr Parlament wurde verboten.

Nun bestritt Jamala zwar, dass sie mit ihrem Song auch auf den aktuellen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine Bezug nehmen wollte. Aber ein Teil des Publikums hat diese Verbindung wohl dennoch gemacht. Nun moniert die russische Seite, der Song habe aus politischen Gründen gewonnen, man habe Russland somit den Sieg gestohlen. Der Abgeordnete Franz Klinzewitsch etwa empfahl sogar, Russland sollte den Wettbewerb 2017 boykottieren. Dann wird er in der Ukraine ausgetragen.

Allerdings werden die russischen Lamenti durch das Ergebnis nicht wirklich gestützt: Beim Publikumsvoting holte Russland sogar am meisten Punkte; vor der Ukraine. Etwas weniger Punkte holte Russland bei den Expertenjurys, die ziemlich offensichtlich vor allem musikalische Kriterien angewendet hatten. (Mit Ausnahme der ukrainischen und russischen Jurys, welche den Beitrag des jeweiligen «Gegners» punktlos quittierten.) Denn der russische Song glänzte vor allem durch seine visuelle Umsetzung. Derweil die Experten deutlich den australischen Beitrag auf Platz 1 setzten, den musikalisch besten des ganzen Abends. Dami Im sang ihr «Sounds of Silence» magistral und sah lange wie die verdiente Siegerin aus. Doch die zweithöchste Punktzahl bei den Publikumsjurys, die Australien nur auf Platz 4 sahen, brachte die Ukraine noch ganz nach oben. Was dem Contest die kleine Peinlichkeit ersparte, dass der Zweitklassierte ihn nächstes Jahr hätte ausrichten müssen. Australien kommt als Austragungsort ja nicht in Frage.

Spannung bis zum Schluss

Die neue Präsentation der Punktevergabe – zuerst wurden die Expertenjurys der einzelnen Länder aufaddiert, dann die Publikumsstimmen ohne Angabe der Herkunftsländer – bewährte sich dramaturgisch: Während sich in den letzten Jahren die Sieger recht früh abgezeichnet hatten, schüttelten die Publikumsstimmen die Rangliste am Ende noch ziemlich durcheinander.

Auch die Reihenfolge war clever. Denn zum einen machte es das Publikum quasi zur letzten Instanz, zum anderen wurden die Nachbarschaftsgefälligkeiten, die bei den Experten weniger eine Rolle spielen, besser kaschiert. Und es war in einzelnen Fällen interessant zu sehen, wie unterschiedlich Experten und Publikum werteten. Der traurige Vampir aus Polen etwa erhielt von den Experten gerade 7 Pünktchen, das Publikum sah ihn hingegen auf dem dritten Platz.

Einigkeit herrschte etwa zum Auftritt von Deutschland: letzter Platz im Finale. Und die Schweiz? Wie nach dem Halbfinal-Aus zu erfahren war, gab es am zweitwenigsten Stimmen von allen 42 angetretenen Ländern. Da möchte man – zumindest in Bezug auf den Song Contest – die Sorgen der Russen haben.

Arno Renggli

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