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Familienkonzert lässt Kinder kalt

Die Zürcher Uraufführung von David Philip Heftis «Die Schneekönigin» lässt Kinder aussen vor. Erwachsene lassen sich verführen vom poetischen Klang, wenn Andersens Märchen musikalisch leuchtet.
Anna Kardos
Komponist und Dirigent David Philip Hefti. (Bild: Felix Broede/PD)

Komponist und Dirigent David Philip Hefti. (Bild: Felix Broede/PD)

Der Klang ist kalt. Das muss er auch sein, denn auf der Bühne der Tonhalle Maag hört man an diesem Sonntag die Uraufführung der «Schneekönigin» nach Hans Christian Andersen, komponiert vom 43-jährigen Schweizer David Philip Hefti. Wie Neuschnee erstrecken sich da die kühlen Klänge, werden sacht zum Schwelen gebracht, als bliese ein Lufthauch die pulverigen Flocken sacht um, die oberen nach unten, die mittleren bis an die Oberfläche. Darin eingestreut sind kurze Notenwerte – wie Eiszapfen, Flocken oder kleine Schneekristalle.

Was so sinnlich klingt, ist ein Jubiläumsgeschenk. Aus Anlass seines 150. Geburtstags hat das Zürcher Tonhalle Orchester einen Kompositionsauftrag vergeben. Entstanden ist eine musikalische Erzählung für Sopran, zwei Erzähler und Orchester. Eine Erzählung auch fürs Auge, denn die Tonhalle Maag taucht in bläuliches Licht, während zarte Lichtreflexe als Schneeflocken über Decke und Wände tanzen, bis schliesslich die Bühne in Nebel versinkt (Regie: Eva Buchmann). In deren Mitte prangt eine gigantische Eisskulptur in Form einer Krone. Kristallglitzer und weisser Pelz bilden auch das Kostüm der Schneekönigin. Hier wird so manches Märchenregister gezogen.

Die Frage ist nur: Für wen? Schliesslich können Märchen vieles gleichzeitig sein. Spannende Geschichten für Kinder, moralische Belehrungen oder tiefenpsychologische Muster der Menschheit.

In der Tonhalle ist sicher eine Kategorie nicht dabei: Jene für Kinder. Denn, obwohl als Familienkonzert angekündigt, ist die Sprache stilisiert (so singt die Schneekönigin: «Da steigt mir das Eismeer in die Augen»). Und während man sich als Erwachsene entführen lässt in den poetischen Klang der Vergangenheit, bleiben Kinder aussen vor.

Musikalischer Schnee, Wärme zum Hören

Ähnliches geschieht auch auf der Figuren-Ebene. Wenn die ausdrucksstarke Mojca Erdmann nicht nur als Schneekönigin, sondern auch als alte Hexe oder Räuberweib auftritt, bringt das jüngere Zuschauer aus dem Konzept. Und dass ihre Gefühlskälte mit einer traumatischen Vergangenheit legitimiert wird, entrückt durch ein Plus an Psychologisierung den Plot vollends dem Bereich des Kindlichen.

Derart ausgedeutet wird aus dem Märchen von Andersen ein Märchen nur für Erwachsene. Schade. Denn die Musik vermittelt sinnlich, aber nie aufdringlich zwischen Handlung und Gehörtem. Etwa wenn Gerda erzählt: «Die Schneeflocken wirbelten in immer neuen Mustern durch die Luft, während der Ofen von hinten wärmte», und Komponist und Dirigent David Philip Hefti dazu die Streicher immer neue Muster spielen lässt und die Bläser einen mollig-langen Akkord. Das ist Schnee, das ist Wärme zum Hören, da beginnt Andersens Märchen musikalisch zu leuchten.

Getragen wird die Erzählung jedoch mindestens ebenso sehr von den Schauspielern Delia Mayer (Gerda) und Max Simonischek (Kay / Krähe). Beide lassen dem Publikum mit ihrem Spiel die Geschichte unter die Haut gehen und meistern den sekundengenauen Einsatz zur Musik mit einer Natürlichkeit, die – Schnee hin oder her – keinen kalt lässt.

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