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Ein Film über Karen Dalton: eine fast vergessene Folkmusikerin aus der Westschweiz

Das Kino Bourbaki zeigt in Vorpremiere «A Bright Light – Karen and the Process», einen Dokumentarfilm der Westschweizerin Emmanuelle Antille über die Folk- & Blues-Musikerin Karen Dalton.
Irene Genhart
Szenenbild aus dem Film «A Bright Light – Karen and the Process». (Bild: PD)

Szenenbild aus dem Film «A Bright Light – Karen and the Process». (Bild: PD)

Folkmusik lebt davon, dass sie über Generationen weitergegeben immer wieder neu interpretiert wird, heisst es in «A Bright Light – Karen and the Process», einem essayistischen Dokumentarfilm der Westschweizer Filmemacherin Emmanuelle Antille um die amerikanische Musikerin und Sängerin Karen Dalton (1937–1993). Als sie Dalton das erste Mal singen gehört habe, sagt Antille heute, sei sie von deren Stimme geradezu «elektrisiert» gewesen. Das war nicht etwa an einem Konzert, sondern während einer Busfahrt vor einigen Jahren in Genf.

Karen Daltons Stimme hat ein verhangenes Timbre und klingt oft wehmütig-sehnsuchtsvoll. Dalton singt leicht nasal, die einzelnen Töne oft ein bisschen verzogen, als ob deren Klang nachlauschend verharre. Und doch ist Dalton auch wo ihr Gesang ins Sphärische kippt, sehr gegenwärtig. Bob Dylan, soll einmal gesagt haben, Dalton singe wie Billie Holiday und spiele Gitarre wie Jimmy Reed.

Indianischer und irischer Abstammung

Bob Dylan ist nicht der Einzige, welcher die Musikerin indianischer und irischer Abstammung sehr schätzt. Auch Nick Cave gehört zu ihren Bewunderern und die Singer-Song-Writerin Larkin Grimm, die ihre Lieder singt und Dalton – auch weil sie ein typisches Frauenschicksal erlitt und davon in ihren Songs erzählt – als ihr Vorbild bezeichnet.

Recht eigentlich «angefixt» von Daltons Stimme, begann Emmanuelle Antille, die auch als Installationskünstlerin einen Namen hat, der Musikerin nachzuforschen. Kein einfaches Unterfangen, wie ihr als Roadmovie aufgezogener Essayfilm zeigt. Dies zum einen, weil als Antille ihren Film in Angriff nahm über Dalton noch viel weniger bekannt war als heute. Dies zum anderen, weil Dalton bühnenscheu war und den grossen Auftritt mied. Auch mit Santana auf Europatournee ist sie in Montreux 1971 nach dem Einspielen einfach nicht aufgetreten, zeitlebens eingespielt hat sie bloss zwei Alben.

Faszinierendes Porträt

Auf Daltons Spuren ist Antille zusammen mit Carmen Jaquier (Kamera) und Malika Pelliccioli (Ton) 8000 Kilometer quer durch die USA gereist. Der Chronologie dieser Reise folgend verharrt «A Bright Light» an den Orten und bei den Menschen, die in Daltons Leben als Musikerin – Texterin, Komponistin, Dichterin – eine Rolle spielten. Bei Billy Mitchell, der Dalton in den 1960ern in Greenwich-Village kennenlernte und mit ihr musizierte, in der verlassenen Goldgräber-Siedlung in Colorado, wo sie in jungen Jahren lebte, beim verlassenen Trailer in einem Wald in der Nähe von Woodstock, in dem Dalton die Jahre vor ihrem Tod mit ihrem Sohn hauste. Etwas (zu) kurz kommt das familiäre Leben. Obwohl die Quellenlage anfänglich mager ist und sich Antille fragt, wie man einen Menschen beschreibt, den man persönlich nicht kennt, ist ihr ein grossartiger Film gelungen: Das auch in seiner künstlerischen Ausgestaltung faszinierende Porträt einer Künstlerin, deren Leben geformt von Herkunft, Geschlecht, psychischer Konstitution und dem Geist der Hippiezeit in manchem tragisch erscheint, für die Betroffene vielleicht gleichwohl aber erfüllend war.

Filmvorführung abgerundet durch Livekonzert

Es ist durchaus im Sinne der Folkmusiktradition, dass Antille «A Bright Light» vor dem regulären Kinostart auf einer Tournee durch die Schweiz begleitet, bei der die Filmvorführungen abgerundet werden durch ein Konzert, bei dem drei Schweizerinnen ihre Interpretationen von Daltons Songs zum Besten geben. Dayla Mischler, Melissa Kassab und Laure Betis sind jung und haben glasklare Stimmen. Sie spielen nicht Banjo und Akustikgitarre wie Dalton, sondern E-Gitarre, E-Bass und arbeiten mit Synthesizer. Sie treffen die Töne perfekt. Und bei einem Auftritt in Zürich fanden sie momentweise auch zum Sphärischen, das Daltons Gesang kennzeichnet.

Doch ihr Auftritt war zurückhaltend und wenig intensiv. Was in der Hommage an diese Musikerin, die den grossen Auftritt scheute, angebracht erscheint – vielleicht aber auch etwas aussagt über die unterschiedlichen Wirkungsweisen von Livekonzert und Filmvorführung.

Vorpremiere von «A Bright Light» als Special mit Livekonzert am Freitag, 24. Mai 2019, 20.40 Uhr, im Kino Bourbaki, Luzern.

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