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Fast wie Vater und Tochter - und nun verlassen sie das Theater St.Gallen

Nach Kay Kysela verlassen zwei weitere Mitglieder des Schauspielensembles Ende Saison das Theater St. Gallen. Jessica Cuna reist weiter nach Berlin zu einer Tanzausbildung, Hans Jürg Müller kehrt wegen seiner betagten Mutter nach Basel zurück.
Hansruedi Kugler
Hans Jürg Müller und Jessica Cuna in den Kulissen des Stücks «Sterben helfen» in der Lokremise St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Hans Jürg Müller und Jessica Cuna in den Kulissen des Stücks «Sterben helfen» in der Lokremise St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Ihr Start vor drei Jahren war ein grosses Versprechen: «Die starke neue Teamplayerin Jessica Cuna ist auch eine seelenvolle Sängerin», stand damals in der NZZ. Es war Jessica Cunas erste Rolle im St. Galler Schauspielensemble: Ophelia, auf der Grossen Bühne. «Ja, an so eine Theaterkritik erinnert man sich schon gerne», sagt sie und strahlt. Überhaupt strahlt die 28-jährige Schauspielerin viel – worüber man als Theaterbesucher erleichtert ist, denn zurzeit spielt sie in der Lokremise eine ziemlich krasse Rolle: die krebskranke Lucy in «Sterben helfen».

Ihr Vater im Stück ist ein grober, ruppiger Kerl. Spielen tut ihn Hans Jürg Müller. Das Markenzeichen des 62-jährigen Schauspielers: seine tiefe, voluminöse Stimme, die er mal in donnerndem Befehlston einsetzt wie in «Sterben helfen» oder in sich versunken wie als Wachtmeister Studer in «Matto regiert». Jederzeit schwingt bei ihm ein doppelter Boden mit.

Wer die beiden nochmals gemeinsam auf der St. Galler Theaterbühne sehen will, muss sich ­allerdings beeilen: Nur noch bis kommenden Sonntag spielen sie in der Lokremise «Sterben helfen». Ende Saison aber verlassen beide das Theater St. Gallen.

Zurück in die Grossstadt

Jessica Cuna zieht es nach Berlin: «St. Gallen hat zwar ein tolles Kulturangebot. Aber ich bin einfach ein Grossstadtkind», sagt die in Leipzig Geborene. Das ­Engagement in St. Gallen kam gleich nach der Schauspielausbildung in Stuttgart. Und nun will sie mit einer Tanzausbildung ihren beruflichen «Koffer» weiter füllen und wieder in einer Grossstadt leben.

Sie werde nun aber nicht etwa Musicaldarstellerin, winkt sie ab: «Da hatte ich mich schon früh dagegen entschieden. Musicals sind mir zu wenig abstrakt.» Aber in Produktionen wie «Lugano. Paradiso» oder «Eine Familie» hätten sie die tänzerischen, choreografischen Elemente fasziniert: «In diese Richtung will ich noch weiter suchen.»

Zurück zur Familie und in die Freie Szene

Hans Jürg Müller zögert bei der Frage nach dem Abschied aus St. Gallen. Warum mit 62 Jahren eine sichere Anstellung aufgeben? «Schauspieler kennen ja kein Pensionsalter. Man spielt, bis man wie Molière auf der Bühne tot umfällt. So stelle ich mir das jedenfalls für mich vor», sagt er.

Der Hauptgrund für die Rückkehr nach Basel sei aber ein privater: «Ich will wieder näher bei meiner Familie sein. Vor allem meine 96-jährige Mutter vermisst mich sehr.» Während seines Engagements in St. Gallen sei der Kontakt schwierig gewesen. Und weil Müller in Basel seit vielen Jahren in der Freien Theaterszene verwurzelt ist, werde der Anschluss an die Theaterarbeit nicht allzu schwer fallen, hofft er. «Und ich kann meinen Spielplan wieder selbst bestimmen.»

Zudem habe er nach der Schauspielschule in den 1980er-Jahren immer als freier Schauspieler gearbeitet: «Da schwankte das Einkommen jeweils von Monat zu Monat extrem: Mal ­waren es 1500, mal 12000 Franken», sagt er. «Es kann vorkommen, dass ein halbes Jahr kein Anruf kommt, und dann vier aufs Mal.»

Ensemble – vielleicht nur noch ein fernes Ideal

Vermissen wird man aber beide: Die «Teamplayerin» Cuna und Müller, den Bass unter den Schauspielern. Die Ensemble-Erfahrung hat für Hans Jürg Müller etwas Zwiespältiges: «Als ich nach St. Gallen kam, war ich vorsichtig. Ich hatte ja so 68er-Ideale.» Nach der Schauspielschule in Berlin hatte er davon geträumt, mit seiner Klasse eine Wohngemeinschaft zu gründen. Lesen, diskutieren, Stücke entwickeln. «Solche Vorstellungen eines Ensembles sind aber passé», sagt er. «Vielleicht kam die Gruppe um den Regisseur Peter Stein an der Berliner Schaubühne dieser Idee noch am nächsten.»

Bei der Stückwahl würden beide, Cuna und Müller, gerne mehr mitreden. Dass aber auch am Theater St. Gallen nicht alles hierarchisch abläuft, davon konnte man sich bei den Proben zu «Sterben helfen» überzeugen. «Was soll an mir sichtbar sein?», fragte da etwa Jessica Cuna den Regisseur Manuel Bürgin. Um gleich darauf vorzuschlagen: «Wir könnten doch den Text in dieser Szene umstellen.» Worauf die Schauspieler mit dem Regisseur in eine rege Diskussion einsteigen und wie selbstverständlich zu Mitregisseuren werden. Ein lebhaftes Team also, auch hier in St. Gallen.

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