Ausstellung in der Galleria Edizioni Periferia: Eine Feier der Vergänglichkeit

Die Stanser Künstlerin Barbara Gut gemahnt an das Geheimnis von Werden und Vergehen.

Pirmin Bossart
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Arbeitet mit viel Sinn für das Detail: Barbara Gut mit einem Werk der Schau «Himmel auf Erden».   (Bild: Philipp Schmidli; Luzern, 22. November 2019)

Arbeitet mit viel Sinn für das Detail: Barbara Gut mit einem Werk der Schau «Himmel auf Erden».   (Bild: Philipp Schmidli; Luzern, 22. November 2019)

Wenn Barbara Gut (68) wieder mal ausstellt, erscheinen ihre Fans und Freunde zahlreich. Die Stanser Künstlerin, die abseits des Rampenlichts seit über 40 Jahren arbeitet, hat sich mit ihren faszinierenden Objekten und Installationen schon längst einen Namen gemacht. Sie ist als Künstlerin absolut eigenständig – jenseits von Trends und zeitgenössischen Konzepten entwirft sie ihr verborgenes Universum. Es ist erfüllt von Sinnenfreuden und Trauer, Leben und Sterben, Vergangenheit und Erinnerung. Und manchmal blitzt ein leiser Humor durch diese Feier des Vergänglichen.

Der Tisch ist gedeckt. Kerzen brennen. Nehmen Sie Platz, liebe Besucherinnen und Besucher. Der lange Holztisch steht in der Mitte des grössten Raumes in der Galerie der Edizioni Periferia. Er ist bevölkert von bunten Wesen und Objekten. Die «Weltenwandlerin» breitet ihre Arme aus, Brot und Salami liegen angeschnitten da. In einer Schüssel die Himmelssuppe, dort ein Antipasti-Teller mit geschredderten Briefen und einer mit Spielwürfeln. Ein Schälchen mit Tannzapfensamen, eine Taube, Zwetschenkerne, Blumen und mittendrin «Der Tänzer». Auch der Tod sitzt am Tisch, seine Jacke hängt am Stuhl. Lippenstift auf der Ser­viette. Wer ging hier kurz mal ­Zigaretten holen?

Die Figur des Todes ist omnipräsent im Werk von Barbara Gut. Bei seinen Darstellungen muss man oft an mexikanische Volkskunst denken. Sie zeigt ihn nicht als Elend und Schrecken, sondern als Verkörperung der natürlichen Vergänglichkeit. Er hat auch etwas Liebevolles, vielleicht Tröstliches, Zärtliches gar. Aber sein Geheimnis gibt er nicht preis.

«Lebensläufe» und «Verinnerung»

An einer weissen Wand hängen die «Lebensläufe»: Dutzende von zusammengerollten Schnürchen und Bändchen sind aufgesteckt. Jedes ein Individuum, verwittert von Wind und Wetter draussen an den Tomatenstauden oder ausgefranst vom täglichen Gebrauch. Und irgendeinmal war es fertig. Vielleicht noch ein Blick in den Spiegel, der mittendrin hängt.

Die Installation «Verinnerung» ist ein alter schöner Holzschrank, dessen Türen weit offen stehen und der mit einer Vielfalt von Objekten, Symbolen, Figuren und Zeichen gefüllt, die Sinne betört. Bündel von Briefen im oberen Fach, daneben Barbaras Lieblingsbuch, das überquellt mit eingesteckten Fetzen von ­Erinnerungen. Eine fantastische Arbeit ist «Das Haus der Gestirne». Der Sarkophag, der auch eine Raumkapsel ist, ein Gefährt der Geborgenheit im Überschreiten von Raum und Zeit.

In ihrer Ausstellung «Himmel auf Erden» hat Barbara Gut ältere und neue Arbeiten zu einer inneren Reise zusammengestellt. Einige Objekte wie die Holzkreuze inszenierte sie schon für die Flussfahrt «Im Spiegel der Nacht» auf der Sarner Aa an Allerheiligen 2015. Die traumähnlichen Malereien mit dem rötlichen Schimmer sind erst jüngeren Datums entstanden. Mit ihrer sorgfältigen Beleuchtung strahlen die Räume eine Ruhe aus, die das Geheimnisvolle spüren lassen, das diesen Installationen innewohnt.

Der November ist ein passender Monat für diese Werkschau. Gut liebt die Stimmungen der dunklen Jahreszeit, in denen sich die Vergänglichkeit des Lebens intensiver bemerkbar macht. Leben und Sterben sind für sie der gleiche Prozess und das tägliche Brot ihrer Gedanken und Empfindungen. Sie lächelt und sagt: «Manchmal weiss ich nicht genau, wovor ich mehr Angst habe, vor dem Leben oder vor dem Sterben.»

Für die Ausstellung hat sich die Künstlerin in den letzten ­Monaten kräftig ins Zeug gelegt. Sie arbeitet langsam, präzise und mit viel Sinn für Details, die dennoch Verspieltes zulassen. Zusammen mit ihrem Mann, dem Künstler Heini Gut, wohnt sie in einem alten Haus im Kniri in Stans, das mit seinen tausend namenlosen Exponaten im Innern selber zu einem Gesamtkunstwerk geworden ist. Dort arbeitet sie meistens in der Stube. Es ist der einzige Raum, der geheizt werden kann. Ein reiches Leben ist manchmal auch ein einfaches Leben.

Zwischen Diesseits und Jenseits

Flurina und Gianni Paravicini hatten ihr schon länger eine Ausstellung angeboten. «Das freut und ehrt mich sehr, und ich habe grossen Respekt, wenn ich denke, was für Leute hier schon ­ausgestellt haben. Da bin ich ein kleiner Wurm dagegen», so Gut. Dabei ist sie schon längst ein Schmetterling, der fröhlich auf dem Zaun zwischen dem ­Diesseits und dem Jenseits ­herumgaukelt. Und mit ihren archaisch-naiven Werken das abgehobene Selbstverständnis von Kunst etwas irdischer macht.

«Himmel auf Erden» ist samstags am 30. November, 7., 14. und 21. Dezember, jeweils 12 bis 17 Uhr, zu sehen. Oder nach Vereinbarung (mail@periferia.ch). Galleria Edizioni Periferia, Unterlachenstrasse 12, Luzern