Südpol: Der neue Konzertsaal ermöglicht feine dynamische Schattierungen.

Die Konzert-Premiere im Saal des neuen Orchesterhauses am Südpol fand grossen Anklang und viel Beifall.

Gerda Neunhoeffer
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Der neue Proben- und Konzertsaal wirkt wie ein kleiner Bruder des KKL-Konzertsaales.

Der neue Proben- und Konzertsaal wirkt wie ein kleiner Bruder des KKL-Konzertsaales.

Bild: Dominik Wunderli (29. September 2020)

Er wirkt wie ein kleiner Bruder des KKL-Konzertsaales: der neue Proben- und Konzertsaal im Orchesterhaus des Luzerner Sinfonieorchesters. Ganz in Holz gehalten und mit durchgehend geradem Boden, aber mit Vorhängen an den Seiten unten und auf der Empore, die für die Akustik verändert werden können, sowie einer beachtlichen Höhe.

Erstmals wird dieser Saal nun im Konzert geprüft. Die Sonntags-Matinee ist ausverkauft, die Stühle sind in Zweiergruppen und einzeln gut verteilt. Man sieht durchs grosse Fenster in die Berge – ein erhebender Ausblick, der diesen Saal im dritten Stockwerk des Hauses ganz besonders macht. Grosszügig wirkt das, wie alles in dem neuen Orchesterhaus, das einzigartig in der Schweiz und wohl weit darüber hinaus ist.

Ein geheimnisvolles Werk von Beethoven

Die Kammermusikreihe des Orchesters, in den letzten Jahren im Foyer des Luzerner Theaters beheimatet, startet am neuen Spielort mit Mozart, Roussel und Beethoven. Nach ihm ist die Reihe diesmal benannt: «Beethoven, der unbekannte Bekannte.» Die Serenade D-Dur op. 25 von Beethoven ist schon in ihrer Besetzung, Flöte, Violine und Viola, ungewöhnlich und wird eher selten gespielt. Umso interessanter sind diese sechs Sätze am Ende des Konzertes. Die Flötistin Theresa Wunderlin erklärt, dass man nicht genau weiss, wann dieses Werk entstanden ist, wahrscheinlich in verschiedenen Perioden.

Das hört man auch, mal klingt es wie ein früher Mozart, mal scheint man Sequenzen aus einer Beethovensinfonie zu erkennen, mal wird man an humoristische Streiche erinnert. Virtuose Flötengirlanden ranken sich um Doppelgriffe in Violine (Christina Gallati) und Viola (Katrin Burger). Das klingt auch ohne Bassinstrument orchestral und voll. Man kann sich gut vorstellen, wie hier das ganze Sinfonieorchester in den Proben alle Lautstärken ausspielt. Dann wieder hört man die drei stehend spielenden Musikerinnen, die gegen das helle Fenster manchmal wie bewegliche Scherenschnitte aussehen, so leise wie aus weiter Ferne. Der fünfte Satz lässt die Zuhörer durch unerwartete Pausen hörbar auflachen. Ausgelassen tönen die durchgehenden Punktierungen im letzten Satz, der in präzisen, virtuosen Unisono-Läufen prachtvoll endet.

Mozart brilliert auch mit ungeliebtem Instrument

Zu Beginn spielen die drei Künstlerinnen, zusammen mit dem Cellisten Heiner Reich, Mozarts Quartett D-Dur KV 285. Man hört dem Werk nicht an, dass Mozart die Flöte eigentlich nicht recht mochte. Strahlende Kantilenen, feine dynamische Schattierungen im Allegro; melancholisch die gesangliche Flötenmelodie im Adagio, das mit der Pizzicato-Begleitung an die – viel später komponierte – Serenade aus Don Giovanni erinnert. Luftig und leicht schliesst das kurze Werk.

Ganz andere Töne prägen das Trio für Flöte, Viola und Cello von Albert Roussel. Das 1929 komponierte Werk vereint Impressionismus mit abstrakten Klängen. Wie in einem intensiven Gespräch zu dritt, in dem jeder gleichwertig zu Wort kommt, spielen sich Theresa Wunderlin, Katrin Burger und Heiner Reich die Triolenfiguren zu. Im Andante scheinen die Töne in Dur-Moll-Wechseln unwirklich zu schweben. Das passt gut in den hohen Raum, der mit zu schwingen scheint.

Die Dialoge im Allegro non troppo steigern sich in ironisch kurze Melodien, die in Synkopen und Sprüngen dahineilen, bis sie langsam in Flageolett und leisen Flötentönen zu ermüden erscheinen. Dann aber erstehen sie nochmals aus der scheinbaren Lethargie und finden sich in farbigem Schluss. Die Zuhörer sind begeistert, sowohl von den Musikern des Orchesters wie vom Saal, dessen Akustik ebenso überzeugt wie die Optik.

Nächste Kammermusik-Matinee am 22.11. um 11 Uhr. Mit Penderecki und Beethovens Septett.