FERNSEHEN: Jetzt wählt die schöne Anne einen Mann aus

Jetzt gibt es den «Bachelor» im deutschsprachigen Raum auch in weiblicher Form. Interessant ist vor allem, wie sich die männlichen Kandidaten verhalten.

Michael Graber
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Anna Christina Hofbauer hat die Qual der Wahl, welchem der zwanzig Kandidaten sie am Ende der Sendung die letzte Rose geben will. (Bild: PD)

Anna Christina Hofbauer hat die Qual der Wahl, welchem der zwanzig Kandidaten sie am Ende der Sendung die letzte Rose geben will. (Bild: PD)

Anna Christina Hofbauer hat die Qual der Wahl... (Bild: PD)
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... welchem der Kandidaten sie am Ende der Sendung die letzte Rose geben will. (Bild: PD)
Antonio aus Ravensburg (Bild: PD)
Anil aus Essen (Bild: PD)
Andreas aus München (Bild: PD)
Cornelis aus Garbsen (Bild: PD)
Aurelio aus Gevelsberg (Bild: PD)
Johannes P. aus Rottenburg (Bild: PD)
Maik aus Curau (Bild: PD)
Marvin aus Düsseldorf (Bild: PD)
Luke aus Hamburg (Bild: PD)
Manuel aus Dortmund (Bild: PD)
Steffen aus Ober-Olm (Bild: PD)
Simon aus Ettlingen (Bild: PD)
Thomas R. aus Hamburg (Bild: PD)
Thomas B. aus Tuttlingen (Bild: PD)
Pascal aus Freiburg (Bild: PD)
Tommy aus Leipzig (Bild: PD)
Tim aus Bonn (Bild: PD)
Die erste Nacht der Rosen (Bild: PD)

Anna Christina Hofbauer hat die Qual der Wahl... (Bild: PD)

Bestimmt gibt es so richtig komplizierte Namen, die man sich kaum merken kann. Ganz sicher nicht dazu gehört «Anna». Zwei Buchstaben, beide jeweils doppelt und dazu auch noch schön kurz. Wer sich Anna über einen Zeitraum von zehn Minuten nicht merken kann, wird wohl kaum jemals beim Memory gewonnen haben.

Vor allem, wenn es noch der Name jener Frau ist, deren Herz man erobern will. So wie bei den zwanzig Kandidaten der Sendung «Bachelorette», die letzte Woche am Mittwoch auf RTL angelaufen ist. Immer wieder mussten sich die Herren sichtlich angestrengt daran erinnern, wie denn jene Frau heisst, der sie soeben vorgestellt wurden – auch beim zehnten Mal war es halt immer noch Anna.

Huhn statt Hahn

Anna Christina Hofbauer, um genau zu sein. 26 Jahre alt. Schauspielerin. Gut aussehend. Single. Logisch eigentlich. Schliesslich hat sie ja die edle Aufgabe unter den zwanzig Männern ihren Traumprinzen zu erküren. «Bachelorette» ist im Prinzip gar nichts anderes als der «Bachelor», einfach mit vertauschten Geschlechterrollen. Statt Hahn im Korb ist jetzt halt Huhn im Korb.

Ganz neu ist diese Umkehrung nicht. In anderen Ländern – vorab den USA – hat das Format schon lange Erfolg. Auch in Deutschland gab es den Versuch bereits einmal. Vor zehn Jahren suchte Monica Ivancan, die Ex-Frau von Oliver Pocher, im gleichen Format nach ihrem Traummann.

Böse Zungen behaupten, die damalige Ausstrahlung sei nur eine Art Blitzableiter gewesen. Als Ende 2003 zum ersten Mal «Bachelor» (also die männliche Variante) lief, war die Kritik vernichtend. «Menschenverachtend» sei die Sendung und sowieso «die verkommenste TV-Serie seit Menschengedenken», urteilte die renommierte «Süddeutsche Zeitung». Die Kandidatinnen würden einem «Harem» gleichgestellt und nur «ultra-devot» präsentiert. Auch Politikerinnen wehrten sich gegen die Sendung.

Salonfähig statt Schock

Da war es aus Sicht der Fernsehmacher wohl nur fair, dass auch die Männer um Rosen ihrer Angebeteten kämpfen mussten. «Bachelorette» floppte total. Die Quoten waren so mies, dass das Sendekonzept gleich für zehn Jahre auf Eis gelegt wurde. Aber immerhin: Die Kritik am Format «Bachelor» wurde danach weniger heftig – was aber nicht heissen soll, dass sie jetzt plötzlich von den Kritikern geliebt wird.

Das hat sicherlich damit zu tun, dass unsere Trash-Sensoren in Bezug auf Fernsehen in den letzten zehn Jahren etwas abgestumpft sind. RTL 2 hat erfolgreich so manche Grenze des guten Geschmack eingerissen, und Reality-TV wurde viel salonfähiger als noch um die Jahrtausendwende. Bald soll ja auch im deutschsprachigen Raum eine Datingshow ausgestrahlt werden, bei der sich die Kandidaten nackt begegnen.

Aber die Kritik wurde wohl auch darum weniger, weil das Ganze viel von seiner frauenverachtenden Aura verloren hat: Der Schweizer «Bachelor» Vujo Gavric unterhielt nicht durch Sexismus, sondern durch sein Auftreten – inklusive eigenem Unvermögen.

Gavric hätte sich auch ganz gut als Kandidat bei der «Bachelorette» gemacht. Auch er hätte wohl seine liebe Mühe mit Anna gehabt, und auch sonst würde er ganz gut zu den restlichen Bewerbern passen. Einmal mehr wird die Oberflächlichkeit gefeiert – halt mittlerweile auch teilweise mit angesagtem Bart oder Hornbrille. Wie bei einer Boyband findet man für jeden Frauengeschmack etwas – vom Rocker bis zum vermeintlichen Intellektuellen.

Kumpeltum statt Zickenkrieg

Bei all den vermeintlichen Unterschieden war in der ersten Sendung vor allem interessant zu sehen, dass bei den männlichen Kandidaten nicht Zickenkrieg ausbricht, sondern eher Kumpeltum entsteht. Einzelne Kandidaten machten ganz offen Werbung für einen Mitbewerber, das wäre bisher bei «Bachelor» undenkbar gewesen.

Wohl auch darum wartet man beim Schweizer Privatsender 3+ noch ab, ob man «Bachelorette» auch bei uns bringt: «Wir werden genau beobachten, ob die Sendung bei RTL einschlägt. Wenn die Zuschauerzahlen gut sind, werden wir uns das sicher gut überlegen», sagte 3+-Chef Dominik Kaiser der «Schweiz am Sonntag». Allerdings ist er eher skeptisch: Die Quoten seien weltweit immer schlechter gewesen als beim «Bachelor». «Frauen schauen nicht nur Männern, sondern auch gerne Frauen zu. Männer haben jedoch eine Vorliebe fürs andere Geschlecht», so Kaiser. Daher verliere man Publikum.

Und eben der fehlende Zickenkrieg: «Wenn zwanzig Männer um eine Frau buhlen, sagen sich die Jungs, die gerade kein Date haben: ‹Okay, dann lasst uns zusammen einen trinken gehen.›» Das sei nicht sonderlich emotional, ist sich Kaiser sicher.

Gratulation statt Streit

Wer die erste Folge auf RTL gesehen hat, muss dem 3+-Chef Recht geben. Irgendwie fehlt der ganzen Sendung das Knistern, die Spannung, die beim «Bachelor» oft in der Luft lag. Man kann sich kaum vorstellen, dass sich die Kandidaten um Anna zanken, sondern sich viel eher gegenseitig gratulieren, wenn einer sie küssen durfte.

Nun ja: Für das Sommerloch mag die «Bachelorette» gute Unterhaltung sein. Schlimm ist, dass man sich nach wenigen Minuten etwas mehr Trash wünscht. Zum Glück kommt der «Bachelor» schon bald wieder: Auf Ende Jahr hat 3+ eine neue Staffel angekündigt.

Nächste Folge: Mittwoch 23. Juli, 20.15, RTL2

Die erste Folge «Bachelorette» finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus.