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FERNSEHEN: «Tatort» – sterben und sterben lassen

Zum elften Mal wird am Sonntag der Luzerner «Tatort» ausgestrahlt. Diesmal geht es um das heikle Thema Sterbehilfe. Die Umsetzung ist stark.
Michael Graber
Nadine Camenisch (Anna Schinz) und Jonas Sauber (Sebastian Krähenbühl) begleiten Menschen für Transitus in den Tod. (Bild: PD/SRF/Daniel Winkler)

Nadine Camenisch (Anna Schinz) und Jonas Sauber (Sebastian Krähenbühl) begleiten Menschen für Transitus in den Tod. (Bild: PD/SRF/Daniel Winkler)

Die Hände zittern, als die Frau den Becher mit dem Gift trinkt. Sie zittern nicht vor Angst, sie zittern wegen ihrer schweren Krankheit: Parkinson. Gisela Aichinger will sterben. Sie ist darum von Deutschland in die Schweiz gefahren, wo Sterbehilfe legal ist. Aichinger stirbt schliesslich in einer Wohnung in einem grauen, trostlosen Block. Die Tochter weint am Bett. Eine Mitarbeiterin der Sterbehilfeorganisation Transitus filmt ihre letzten Minuten – «aus juristischen Gründen». Vor der Tür warten bereits mehrere Sterbehilfegegner von Pro Vita mit Kerzen auf dem Sarg. Ein letztes Geleit voller Protest.

Der Einstieg in «Freitod», den elften Luzerner «Tatort», ist ungemein stark. Regisseurin Sabine Boss geht das kontroverse Thema Sterbehilfe mit viel Gefühl an. Sie verzichtet auch auf Wertungen. Die Meinungen sind eh längst gemacht und die Fronten verhärtet, wie das Aufeinandertreffen von Transitus und Pro Vita immer wieder eindrücklich zeigt.

Viele Verdächtige

Gestorben wird bald auch unfreiwillig. Eine der Sterbehelferinnen wird auf einem Spielplatz niedergeschlagen und mit einem Plastiksack erstickt. Schnell gerät der Sohn von Gisela Aichinger in den Fokus der Ermittlungen. Im Gegensatz zu seiner Schwester war er immer gegen den Freitod der Mutter. Mehrfach schwört der geistig zerrüttete Mann biblische Rache «wie bei den Ägyptern. Mit allen Plagen, Heuschrecken und so.»

Verdächtig sind aber viele in diesem dunkel gehaltenen «Tatort». Auch wo wenig Licht ist, kann es viel Schatten haben. Der Chef von Transitus, Dr. Hermann (Andreas Matti), ist geldgierig und hatte eine Beziehung mit dem Opfer; der Chef von Pro Vita, Josef Thommen (eindrücklich: Martin Rapold), drängt seine Sekretärin, die er bei einem Seitensprung geschwängert hat, zur Abtreibung, und der Nachbar der Transitus-Wohnung hadert mit dem Todeswunsch der Sterbewilligen, während er selber auf eine Spenderniere angewiesen ist, um weiterleben zu können.

Die Kommissare Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) kommen nur langsam auf die richtige Spur. Erst als der Plastiksack zum dritten Mal zum Einsatz kommt, kennen die Ermittler den Täter. Der eigentliche Schrecken offenbart sich da aber gerade erst.

Lichtblick Evelyne

Erfreulich ist auch, dass die Auflösung des Falles überraschend kommt und besonders die letzten zehn Minuten einen eindringlichen Sog entwickeln. Und auch wenn die Kommissare diesmal eher dezent spielen, der entscheidende Auftritt von Flückiger ist grossartig. Sowieso bildet die Rolle von Gubser diesmal den Gegenpunkt zu den oft grauen Stimmungen. Er ist frisch verliebt und kommt auch mal drei Stunden zu spät zur Arbeit, sitzt dann mit Gipfeli sichtlich gut gelaunt am Tisch und tut, als wäre das jetzt wirklich nichts Besonderes.

Einen tieferen Einblick in das Seelenleben gibt es aber nicht wirklich. Einzig den Namen verrät er ganz am Schluss: Evelyne heisst sein Lichtblick. Sagts und verschwindet zu der Geliebten. So viel Fröhlichkeit tut nach 90 Minuten Tristesse ganz gut.

Es ist aber eine stimmungsvolle Tristesse. Sabine Boss inszeniert «Freitod» sehr stimmig. Der Krimi ist herbstlich gehalten. Grau und Braun sind die dominierenden Farben. Es gibt auch keine postkartentauglichen Motive von Luzern.

Typisch für die Schweizer Ausgabe, ist das Tempo stets eher gemächlich, anders als bei anderen Luzerner Folgen wirkt es aber nie behäbig. Auch dank starken Dialogen. Einmal duellieren sich ein Sterbewilliger aus Österreich und der Pro-Vita-Boss Thommen. Das wird richtig grundsätzlich und öffnet doch mehr Abgründe, als es schliesst. Stark.

Ebenso stark ist der Dialog im Auto zwischen Flückiger und Ritschard, ob sie selber Sterbehilfe beanspruchen würden. Für Ritschard ist der Fall klar: «Lieber als ganz allein im Altersheim sitzen und niemand kommt vorbei.» Flückiger sitzt mit Evelyne simsend daneben, schweigt und steigt aus. Ritschard wirkt resigniert. Da klopft es an die Autoscheibe und Flückiger sagt: «Ich käme dich also schon besuchen.» Evelyne scheint dem Mann durchaus gutzutun.

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