Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

FERNSEHEN: Viktor Giacobbo: «Ich hoffe sehr, dass SRF Mut beweist»

Nach dem Bekanntwerden des Endes von Giacobbo/Müller spricht Viktor Giacobbo (63) über die Gründe. Und was ein Nachfolger mitbringen muss.
Mit Harry Hasler, Debbie Mötteli und Fredi Hinz hat Viktor Giacobbo in seinen Sendungen Kultfiguren geschaffen. (Bilder SRF)

Mit Harry Hasler, Debbie Mötteli und Fredi Hinz hat Viktor Giacobbo in seinen Sendungen Kultfiguren geschaffen. (Bilder SRF)

Interview Benno Tuchschmid

Viktor Giacobbo, wieso das Aus?

Viktor Giacobbo: Weil Mike Müller und ich noch Spass an der Sendung haben. Und das Publikum gemäss Zuschauerzahlen ebenfalls. Aber beides könnte sich irgendwann ändern. So lange wollen wir nicht warten.

Es besteht also kein Zusammenhang mit dem Rückzug von Christoph Blocher und dem Rücktritt Toni Brunners?

Giacobbo: Das hätten wir gerne behauptet. Tatsächlich weisen unsere Sendung und Toni Brunners Karriere unheimliche Parallelen auf. Er begann 2008 als Parteichef, wir begannen damals unsere Sendung. Mike Müller und ich wissen seit fast einem Jahr, dass wir Ende 2016 aufhören werden. Die Redaktion informierten wir Anfang Herbst. Es wundert mich selbst, dass wir es so lange unter dem Deckel halten konnten.

Viktors Programm und Viktors Spätprogramm haben Sie zwölf Jahre gemacht. Giacobbo/Müller acht Jahre. Ihr Atem wird kürzer, Herr Giacobbo.

Giacobbo: Vielleicht ist es so, und ich bemerke meine Senilität nicht. Aber eigentlich verspüre ich keine Abnützungserscheinungen, und ich bin auch immer noch bereit, neue Dinge auszuprobieren. Aber diese Form von Late-Night-Show, wie wir sie mit Giacobbo/Müller betreiben, ist ein Auslaufmodell. Es müssen nun neue, junge Leute her.

Wer?

Giacobbo: Das werden Sie von mir nicht hören. Was ich dem SRF empfehle, ist, dass sie jemanden nehmen, der vernetzt ist und gewohnt, in Teams zu arbeiten.

Aber Sie finden, es braucht auch nach Ihnen eine Late-Night-Sendung?

Giacobbo: Ja, die braucht es. Eine Late-Night-Sendung mit Satire oder eine Satire-Sendung mit Late-Night-Elementen. Aber es ist nicht an mir zu bestimmen, wie diese Sendung aussehen soll. Jedenfalls hoffe ich sehr, dass SRF Mut beweist. Als sie mir vor 25 Jahren Viktors Programm gegeben haben, war das auch mutig.

Gerade im Bereich Humor und Satire gibt es den Vorwurf, dass das SRF niemandem mehr auf die Füsse treten will. Spürten Sie das?

Giacobbo: Bei Giacobbo/Müller spürten wir nie Druck. Dass die SRF-Redaktionen Druck spüren, ist unbestritten. Wir sind und waren wohl die freiste Sendung am Schweizer TV. Oder fragen Sie mal bei den grossen Medienhäusern Tamedia und Ringier, ob sie dort über ihre obersten Chefs öffentlich so gnadenlose Sprüche reissen wie wir über Roger de Weck. Da ist der viel gescholtene Staatssender um einiges toleranter als seine privaten Konkurrenten.

Fakt ist: Sie waren für die Kleinkunstszene wichtig. Ein Auftritt bei Giacobbo/Müller konnte Karrieren lancieren.

Giacobbo: Giacobbo/Müller ist und war nie ein Kleinkunstforum. Wir taten das, was jedes Theater tut: eine Auswahl treffen. Das bedeutet halt auch: Absagen verteilen. Es gibt einfach gewisse Dinge, die funktionieren am Schirm, andere nicht. Man kann keine stillen Nummern bringen am TV. Aber dahinter steht keine grosse Verschwörung mit mir als Obermafioso.

Die Politik hat sich in den letzten acht Jahren weiter polarisiert. Hat es das einfacher gemacht für Sie?

Giacobbo: Ja, die Aggressivität der SVP und die Art und Weise, wie sie die politische Agenda dominiert, hat uns geholfen. Wir politisierten in den Sendungen automatisch deutlicher.

Ist Giacobbo/Müller Service public?

Giacobbo: Ich habe keine Ahnung, was Service public ist. Vermutlich schon, ja. Vor allem interessiert es viele Zuschauer. Unser Marktanteil ist dreimal so hoch wie bei Konkurrenten im deutschsprachigen Raum, die ebenfalls als erfolgreich gelten. Wir haben in jeder Sendung rund 400 000 Zuschauer. Und es sind wahrscheinlich nicht die Dümmsten der Schweiz.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.