Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FESTIVAL: Brillante Gitarrenmusik für Hirn und Herz im Neubad

Ein gelungener Auftakt mit Solisten und einem Duo: Das Guitar Festival im Neubad ist eine perfekte Einführung in die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten der klassischen Gitarre.
Pirmin Bossart
Trotz grosser Klangunterschiede harmonisch: Pablo Márquez (Gitarre) und Anja Lechner (Cello) im Neubad. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Mai 2018))

Trotz grosser Klangunterschiede harmonisch: Pablo Márquez (Gitarre) und Anja Lechner (Cello) im Neubad. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Mai 2018))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Die Gitarre in der populären Musik ist laut. Sie elektrisiert, schlägt Riffs, macht Groove. Bei den ­Folkies und Singer-Songwritern kommen auch schon mal filigrane und komplexere Klänge dazu.

Im Neubad hören wir am ersten Guitar Festival Lucerne eine andere Gitarre – ein schlichtes Instrument mit Nylonsaiten. Virtuosität, klassische Strenge und spielerische Eleganz zeichnen ihre Protagonisten aus. Keine Riffs, keine Experimente. Aber auf einer anderen Ebene genauso ausdrucksstark und waghalsig.

Zur klassischen Gitarre gehört das klassische Ambiente. Die Konzerte beginnen pünktlich, das Publikum ist zahlreich, das Klatschritual und die Verbeugungen der Musiker sind eingespielt und herzlich. An der Kasse liegen Info-Sheets auf mit den Angaben zu den Musikern und ihren Kompositionen.

Bis in die leisesten Zonen hineinlauschen

Nach der Eröffnung am Mittwoch im Marianischen Saal mit Maurice Steger (Blockflöte) und Daniele Caminiti (Laute) stand der Donnerstag im Zeichen des jungen Gitarristen Jure Cerkovnik und einem Duo mit den beiden renommierten Solisten Anja Lechner (Cello) und Pablo Márquez (Gitarre). Die Akustik des Neubad-Pools verlieh dem Klang der Saiten einen sanften Hall, was deren Feinheiten weich und trotzdem transparent machte. Da konnte man bis in die leisesten Zonen hineinlauschen.

Jure Cerkovnik (27) gab seine ersten Solokonzerte mit 16 Jahren. Der Slowene spielt im Neubad ein starkes klassisch-konservatives Programm. Es startet mit der innigen Klarheit von Bach in der Suite a-Moll für Laute BWV 995. Die liedhafte, dynamisch vielseitige Sonate in a-Moll von Ferdinand Rebay stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Abgerundet wurde das Rezital mit einem aktuellen Stück des bulgarischen Komponisten Atanas Ourkouzounov, in dem eine Volksliedmelodie durch rhythmische Variationen verwandelt wird.

In klassischer Positur sitzt Cerkovnik auf seinem Stuhl, der Rücken gerade, das linke Bein auf einer Fussstütze leicht erhöht, das Instrument nah am Körper. Wer die lässigen Rockposen im Hinterkopf hat, für den mag das reichlich versteift wirken. Aber diese Haltung erlaubt es, sich ganz dem Instrument zu widmen. Alle Gitarristen, die wir erleben, sind auf einem Niveau, dass sie auch komplexeste Figuren und Läufe so spielen können, als ob es ganz leicht und natürlich wäre.

Diese Grund-Virtuosität, wie sie nur mit extrem viel Üben und Hingabe erreicht wird, wäre noch nicht genug, um auch die Musik zu spüren. Cerkovnik gelingt es, die verschiedenen emotionalen Facetten aus den Kompositionen zu holen, ein paar etwas gar sehnsüchtige Aufblicke inklusive. Alle Stücke spielt er auswendig.

Allein auf dem Stuhl sitzt im zweiten Konzertblock auch Henrik Dewes, der in Luzern bei Andreas von Wangenheim Konzertgitarre (Master Performance) ­studiert. Er gehört zu jener Generation von Musikern, die neben ihrem klassisch-zeitgenössischen Fokus auch experimentellen Pop machen oder in Rockbands spielen. Dewes eröffnet für das Duo Lechner/Márquez und hat so die Chance, vor voll besetzten Publikumsrängen auf sich aufmerksam zu machen. Mit Auszügen aus der Suite Compostolena (Frederic Mompou) zeigt er souverän sein Können.

Anschliessend übernehmen Anja Lechner und Pablo Márquez mit ihrem bunt gemixten Programm «Latin-American perspectives». Die Cellistin und der Gitarrist erforschen seit über zehn Jahren als Duo das Repertoire für Cello und Gitarre. Es ist eine diffizile Instrumenten-Paarung, ist doch die Gitarre ungleich filigraner als der mächtig raunende und robuste Klang des Cellos. Andererseits werden in dieser Kombination Saiten-Zusammenklänge und harmonisch-rhythmische Sequenzen erzeugt, die einen nur begeistern können.

Toller Zusammenklang von Gitarre und Cello

Mit Kompositionen von Heitor Villa-Lobos, Ricardo Iznaola und der Sonata for cello and guitar von Radamés Gnattali harmonieren Lechner und Márquez auf brillante Weise im Duo. Dazu kommt je ein Solo-Rezital: Als Lechner mit hartem Anschlag die Sonata pour solo cello von Leo Brouwer anstimmt, klingt sie für einen Moment wie eine elektrische Gitarristin. Umgekehrt erreicht Márquez mit der Sonata op. 47 von Alberto Ginastera eine rhythmische Vehemenz und Fingergeschwindigkeit, wie man das in der Pop- und Rockmusik so kaum je hört.

Elektrisch – und das mit einem Dutzend Stromgitarren – wird es auch heute, wenn das Festival der klassischen Gitarre dem Lucerne Guitar Collective (Leitung Mats Scheidegger) mit zeitgenössischen Kompositionen eine Plattform gibt. So oder anders: Wer Gitarre liebt, wird an diesem Wochenende mit exzellenten Solisten und einem Gitarre-Bandoneon-Duo weiterhin auf die Rechnung kommen.

Hinweis

Samstag: Julio Azcano (12 Uhr), Lucerne Guitar Collective (17 Uhr), Marcon Dylla (19.30 Uhr)

Sonntag: Andreas von Wangenheim (11 Uhr), Giampaolo Bandini und Cesare Chiachiaretta (17 Uhr). www.lucerneguitarconcerts.com

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.