FESTIVAL: Comic-Kunst von Tardi mit Weltformat

Morgen startet das Fumetto 2015. Eine Woche ist Luzern Welthauptstadt des Comics und zeigt als Gast einen Giganten der Szene.

Kurt Beck
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Düster: Krimi-Blatt von Jacques Tardi. (Bild: PD)

Düster: Krimi-Blatt von Jacques Tardi. (Bild: PD)

Kurt Beck

Das Luzerner Comix-Festival hat sich selber ein vorgezogenes Jubiläums­geschenk gemacht. Ein Jahr vor der 25. Ausgabe präsentiert Fumetto eine sensationelle Ausstellung mit dem französischen Künstler Jacques Tardi. «Tardi ist ein Gigant der Comicszene», erklärt Jana Jakoubek, die künstlerische Leiterin des Fumetto, «die Ausstellung ist ein Meilenstein in der Geschichte des Fumetto. Tatsächlich lockt Fumetto nicht nur mit einem grossen Namen, das Festival löst das Versprechen auch mit einer entsprechend reich dotierten Präsentation ein. 300 Originalzeichnungen umfasst die Ausstellung, die das ganze Neubad bespielt. Dabei findet die Ausstellung nicht nur in den üblicherweise genutzten Räumen statt. Tardi-Werke hängen auch in bunkerähnlichen Servicegängen und Hintertreppen und ­Garderoben.

Magisches Luzern

Es ist eine der umfassendsten Werkschauen des 68-jährigen Zeichners. Tardi ist eher zurückhaltend, was Ausstellungen betrifft. Dass nun das Fumetto den Zeichner für eine Präsentation von Originalwerken gewinnen konnte, zeugt von der Überzeugungskraft des Fumetto-Teams und offenbar auch vom guten Ruf des Festivals. Nach Auskunft seines Galeristen und Ausstellungskurators Pierre-Marie Jamet war Tardi zwar noch nie in Luzern, aber begeistert von der Idee, in diesem international bedeutenden Umfeld auszustellen. Luzern sei ein magischer Ort, liess Tardi durch seinen Galeristen verlauten.

Mit dem Vater im Weltkrieg

Die Schau im Neubad umfasst die fünf wichtigsten Themenfelder von ­Tardis Schaffen. Die Werke zum Ersten Weltkrieg, in denen er die Kriegserlebnisse seines Grossvaters zu einer ­Collage des Schreckens verarbeitete, sind ebenso mit einer Auswahl von Zeichnungen vertreten wie die zehnbändige Reihe «Adèles ungewöhnliche Abenteuer», die ein detailreiches Porträt der Grossstadt Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeichnet. Als dritter Themenbereich sind die Adaptationen von Kriminalromanen, unter andrem mit Nestor Burma als Protagonisten, mit einer Reihe von Blättern dokumentiert, dazu kommen die jüngeren Arbeiten zur Pariser Kommune und sein jüngstes Werk «Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B», in dem er seinen Vater in den Zweiten Weltkrieg und in die Gefangenschaft in einem deutschen Lager begleitet.

Die Tardi-Ausstellung ist das unbestrittene Highlight des diesjährigen Fumettos. Doch auch die acht weiteren Ausstellungen zeigen höchst attraktive Comic-Kunst. Im Foyer des Hotels Schweizerhof richtet der belgische Zeichner Herr Seele sein Atelier ein, wo er als Artist in Residence vor Publikum zeichnet. Im Kunstmuseum Luzern ist das Meisterwerke «Soft City» des norwegischen Künstlers Pushwagner zu sehen. In der Galerie Tuttiart präsentiert sich Barbara Meuli, ein aufstrebendes Talent der Schweizer Comic-Szene.

Wettbewerb als Herzstück

Auf dem Motorschiff «Rigi» hat der spanische Künstler Miguel Gallardo sein Atelier eingerichtet. In den Ausstellungsräumen der Hochschule für Kunst an der Rössligasse sind Arbeiten eines schweizerisch-russischen Comicprojektes und eine Werkpräsentation von Dominique Goblet und Kai Pfeiffer zu sehen. Die Kunsthalle illustriert anhand von grafischen Arbeiten die Rockgeschichte der Schweiz.

Herzstück auch der diesjährigen, 24. Ausgabe von Fumetto ist der international ausgeschriebene Wettbewerb. Mit 1031 Einsendungen zum Thema «Übermorgen» verzeichnet der Wettbewerb eine Rekordteilnahme. 45 Arbeiten wählte die Jury aus zur Präsentation im Am-Rhyn-Haus an der Furrengasse. Die Wettbewerbsgewinner 2015 werden am Samstagabend bekannt gegeben.

Führungen und Veranstaltungen

Wie jedes Jahr begleiten eine Vielzahl von Rahmenveranstaltungen das Fumetto. Zu den wichtigsten gehören sicher die 50 Satellitenausstellungen in den Schaufenstern und Beizen in der ganzen Stadt. Die kleinen Präsentationen sorgen dafür, dass Luzern fast flächendeckend zum Epizentrum der Comic-Kunst wird. Im Festivalzentrum in der Kornschütte werden wiederum Marktstände aufgebaut, an denen 25 Schweizer und internationale Kollektive einzigartige Comicstücke feilbieten. Die Comicbörse mit Raritäten und Einzelstücken findet im Bourbaki statt.

Im Angebot von Fumetto sind auch geführte Rundgänge. Empfehlenswert für Einsteiger ist die Newcomer-Tour am Sonntag (um 15 Uhr, Kornschütte).

Hinweis

Fumetto: 7.–15. März. 10–20 Uhr. Tagespass 28 Franken. Wochenpass 75 Fr. Festivalzentrum in der Kornschütte, Luzern. www.fumetto.ch