FESTIVAL: Drei spritzige, farbige, virtuose Debüts

An den Debüts präsentieren sich junge Künstler dem Publikum. Eine Geigerin, eine Trompeterin und eine Pianistin beeindrucken mit Virtuosität und Leichtigkeit.

Gerda Neunhoeffer
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Die norwegische Trompeterin Tine Tingh Helseth im Casineum, im Hintergrund ihr Begleiter Gunnar Flagstad. (Bild: Lucerne Festival/Georg Anderhub)

Die norwegische Trompeterin Tine Tingh Helseth im Casineum, im Hintergrund ihr Begleiter Gunnar Flagstad. (Bild: Lucerne Festival/Georg Anderhub)

Die Debütkonzerte des Lucerne Festival am Mittag ziehen stets zahlreiche Zuhörer an. «Es ist toll, einfach in der Mittagspause solche Konzerte hören zu können», sagte ein begeisterter Besucher, der bereits einige gehört hatte. Gemeinsam ist den jungen Künstlern hohe technische Versiertheit; wie unterschiedlich sie aber sind, konnte man in den letzten drei Debüts mit jungen Musikerinnen erleben.

So präsentierte die russische Geigerin Alina Ibragimova ein klassisch-impressionistisches Programm; dann überraschte die Trompeterin Tine Thing Helseth mit Werken, die zwischen 1899 und 1953 entstanden sind. Und zuletzt brillierte die malaysische Pianistin Mei Yi Foo mit vor allem zeitgenössischer Musik.

Trompeterin spielt barfuss

Wie die junge norwegische Trompeterin Helseth (27) auftritt und mit ihrem Publikum im Casineum kommuniziert, ist spontan und erfrischend. Barfuss im kurzen Sommerkleid erläutert sie die Kompositionen; «That’s my Favorite» kommt mehrmals, und dann zaubert sie schwierigste Passagen mit spielerischer Leichtigkeit und langem Atem. Sie differenziert dynamisch in grosser Bandbreite, die Töne kommen klar, rein und ohne Anstrengung.

Mit ihrem Klavierbegleiter Gunnar Flagstad harmoniert sie bestens; das Programm reicht von norwegischen Volksmelodien über Kompositionen von Enescu und Glasunow bis zu Kurt Weill und bietet den Künstlern fantastische Möglichkeiten zu musikalischen Höhenflügen. Paul Hindemiths Sonate für Trompete und Klavier – die er komponiert hat, weil es, wie er sagte, «ja nichts Vernünftiges für dieses Instrument gibt!» – ist ein Werk voller Gegensätze. Mit teilweise irrwitzig rhythmisierter Klavierbegleitung, die dann wieder ruhig dahin- fliesst, gipfelt die Sonate in einem Trauermarsch. Tine Thing Helseth spielt den eingearbeiteten Bachchoral «Alle Menschen müssen sterben» in unsingbar langsamem Tempo und dynamischem Sog, der durch den stets punktierten Klaviersatz noch intensiviert wird. Spritzig endet das kontrastreiche Konzert mit einem hinreissend musizierten Tango von Astor Piazzolla.

Karol Szymanowski komponierte seine «Mythen» für Violine und Klavier 1915. Diese musikalischen Gedichte, die auf Charakteren der griechischen Mythologie basieren, wurden von der Geigerin Alina Ibragimova (28) und ihrem Begleiter Cédric Tiberghien mit enormer Farbigkeit und Leidenschaft musiziert. Zart schimmernde Klänge mit sinnlicher Exotik, Pizzicati, Tremoli und Doppelgriffe in der Violine, ausgedehnte Arpeggien, harmonische Rückungen und perlende Klangkaskaden im Klavier erzeugten mystische Tiefe.

Spröder dagegen wirkte Mozarts Violinsonate e-Moll, und Beethovens Kreutzersonate erwies sich als eben das, was Beethoven ursprünglich getitelt hatte: nämlich als «Sonate für Pianoforte und Violine». Da übertönte das Klavier in den Ecksätzen die Violine oftmals, die sich in der Akustik der Lukaskirche im Variationssatz besser behaupten konnte.

Eine Ausnahmepianistin

Im reinen Klavierdebüt von Mei Yi Foo (34) erlebten die Zuhörer ein Feuerwerk an Temperament, gepaart mit süsser Verführung. Können Finger tanzen und gar lachen? Bei Mei Yi Foo scheint es möglich! Und dieses Lächeln spiegelte sich auf den Gesichtern der Zuhörer. Mit unglaublicher Virtuosität meisterte die Ausnahmepianistin die hohen Anforderungen. Ob Messiaens atemberaubende Klangdichte, Ravels gefühlvolle Erzählungen oder Bartóks vehemente Rhythmik, alles gelang mühelos. Die sechs Etüden von Unsuk Chin scheinen ihr direkt in die Hände komponiert worden zu sein. Obwohl Mei Yi Foo sehr exakt spielte, wirkte es nicht rein technisch, selbst die halsbrecherischsten Anforderungen atmeten inneres Leben: Psyche wurde traumhaft in Klänge umgesetzt.