FESTIVAL: Ein Bad mit ganz eigentümlicher Akustik

Ein «Klangbad im ­Neubad» bietet das Forum Neue Musik Luzern. Präsident Urban Mäder erklärt, wieso die Akustik dort zu ganz speziellen Hörerlebnissen führt.
Pirmin Bossart
Urban Mäder im Pool des ehemaligen städtischen Hallenbads. (Bild Boris Bürgisser)

Urban Mäder im Pool des ehemaligen städtischen Hallenbads. (Bild Boris Bürgisser)

Pirmin Bossart

Das Neubad ist der jüngste und auch aussergewöhnlichste Kulturraum der Stadt Luzern. Ein professionelles und mit Herzblut agierendes Team bietet im ehemaligen Hallenbad ein Programm vielfältigster Veranstaltungen und Aktivitäten. Laute Rockkonzerte und andere immissionsstarke Dar­bietungen sind im Neubad nicht möglich. Doch Musik ist in diesen Räumen sehr wohl ein Thema. Akustische und elektro­akustische Projekte finden hier geradezu aussergewöhnliche (Klang-)Bedingungen vor.

Vielfalt

«Der fantastische Raum der ehemaligen Schwimmhalle hat uns speziell interessiert», sagt Urban Mäder, Präsident Forum Neue Musik Luzern. Das Forum veranstaltet regelmässig Konzerte in den Bereichen zeitgenössischer Klassik, Improvisation und Klangkunst. Für das konzentrierte Wochenendprogramm, wie es schon letztes Jahr zum ersten Mal im Südpol durchgeführt wurde, steht jetzt das Neubad im Mittelpunkt. «Das Neubad hat eine unglaublich schöne Anziehung und ist auch kulturpolitisch ein wichtiger Ort», sagt Mäder.

Aber den Musiker, Komponisten und Pädagogen interessiert auch die Akustik im Neubad. Kürzlich machte er für das Abschlusskonzert der Akademie für zeitgenössische Musik der Hochschule Luzern, das in der ehemaligen Schwimmhalle stattfand, ein Raumklangkonzept. Auch für ein internationales Symposium der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, das ebendort durchgeführt wurde, inszenierte er mit verschiedenen Klangrequisiten und einem kleinen Ensemble musikalische Interventionen. Nicht zuletzt hat er als privater Zuhörer schon Konzerte im Neubad besucht.

Wie beurteilt er die Akustik in diesem ungewöhnlichen Raum? Die akustische Gegebenheit jedes Lebensraumes sei extrem wirkungsvoll und grundlegend für unsere Befindlichkeit, stellt Mäder grundsätzlich fest. «Vor allem sind wir uns dessen meist nicht bewusst.» Die Akustik im Neubad findet er unkonventionell und eigen. «Sie macht vieles möglich.» Zum einen sei der Sound nicht unbedingt warm, sondern eher kühl, bedingt durch die vielen glatten Oberflächen, die eine relativ harte Reflexion bewirkten. «Aber das Verhältnis stimmt. Es hat noch immer eine angenehme Wirkung.»

Je nach Standort anders

Zum andern würden sich die hohen und die tiefen Töne je anders im Raum ausbreiten, was zu einem besonderen akustischen Erlebnis beitrage. «Werden tiefe Töne intoniert, ist je nach Standort nicht auszumachen, woher der Klang kommt. Bei den hohen Tönen hingegen ist die Richtung sehr genau lokalisierbar.» Eine ähnliche Klangcharakteristik hat Mäder beispielsweise auch in der Würzenbachkirche festgestellt.

Wie in allen Gebäuden prägt auch im Neubad die optisch-architektonische Situation das Klangerlebnis mit. So bietet etwa die Tiefe des ehemaligen Schwimmbeckens eine Bühnensituation. «Wenn ich auf der ansteigenden Tribüne sitze und höre, was dort unten gespielt wird, entsteht auch etwas fast Kammermusikalisches», hat Mäder erfahren. Das gelte für kleinere und auch für grössere Ensembles, sofern sie akustisch spielten.

In diesem akustischen Ambiente findet an zwei Tagen das «Klangbad im Neubad» statt. Es besteht aus drei Konzerten und einer Klanginstallation. «Was mit «Klangbad» assoziiert werden ­könne, kommt laut Mäder mit der Installation «Transats électroacoustiques» von Brice Catherin und Thierry Simonot am stärksten zum Ausdruck. Die Zuhörenden lassen sich in Strandliegestühlen nieder, bei denen an verschiedenen Stellen kleine Lautsprecher eingesetzt sind. Weitere Lautsprecher und Subwoofer sind im Raum verteilt.

Video-Klang-Spuren

«Klangbad» wird eröffnet mit dem Ensemble Hand Werk, das sich auf Musik mit aussergewöhnlichen Instrumenten und Alltagsgegenständen spezialisiert hat. Im Neubad holt es die Musik sozusagen ins Wohnzimmer respektive direkt an den Tisch, aber auch aus dem Tisch heraus.

Der frühe Samstagabend wird vom Improvisationsduo Brice Catherin und Christopher Schweizer bestritten. Zur Aufführung gelangen Werke von Evis Sammoutis, Christian Rosset, Abby Swidler, Patricia Bosshard und Roland Moser, die teilweise speziell für diesen Anlass geschrieben wurden.

Mit Simon Steen-Andersen kommt am Samstagabend einer der angesagtesten Komponisten der zeitgenössischen Musik ins Neubad. Der Däne ist vor allem für seine ungewöhnlichen Musik-Bild-Produktionen bekannt. Mit dem Projekt «Run Time Error» erarbeitet Steen-Andersen in verschiedenen Räumen Video-Klangspuren, die er dann live manipuliert und mit Mitteln wie Temposteigerungen und Verlangsamungen in irritierend-erhellende Doppelpakete transformiert. Urban ­Mäder: «Der technische Aufwand ist beträchtlich. Aber das Ganze wird ­sicher zu einem besonderen Erlebnis werden.»

Hinweis

Fr/Sa, 27./28. März: Klangbad im Neubad, Forum Neue Musik Luzern. Weitere Informationen: www.forumneuemusikluzern.ch

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