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Eröffnung Stanser Musiktage: Ein stimmiger Auftakt der Vielfalt

Karge Klänge im Beinhaus, coole Popmusik mit Chor im Kollegium, zeitgenössische Volksmusik im Theater an der Mürg: Die Stanser Musiktage wurden am Dienstag eröffnet.
Hanreti mit den Gospel-Singers Stans am Dienstag im Kollegium St. Fidelis. (Bild: Philipp Schmidli (Stans, 10. April 2018))

Hanreti mit den Gospel-Singers Stans am Dienstag im Kollegium St. Fidelis. (Bild: Philipp Schmidli (Stans, 10. April 2018))

Pirmin Bossart

Endlich mal wieder trockenen Fusses und bei angenehmen Temperaturen an die Stanser Musiktage. Wann hatten wir das zum letzten Mal? Mögen uns die musikalischen Götter ebenso gnädig gestimmt sein wie die meteorologischen, denkt der Berichterstatter, als er aus dem Zug steigt. Das allererste Konzert, das wir besuchen, erweist sich noch als Gratwanderung.

Einsam sitzt der Trompeter im Unteren Beinhaus und bläst lang anhaltende Töne. Mit langen Pausen dazwischen. Das ist zunächst so leise, dass man vor allem die Vögel hört, die draussen dem Frühling entgegenzwitschern. Die letzten Sonnenstrahlen brechen durch die farbigen Fenster und tauchen den Chor in violette und rosarote Lichtstreifen. Die Trompete zieht noch immer ihre kargen Linien. Das Publikum horcht gebannt und auch die versammelten Schädel der Toten im rückwärtigen Bereich scheinen sich nicht wirklich in ihrer Knochenruhe gestört zu fühlen.

Amir ElSaffar stammt aus dem Irak und ist in den USA aufgewachsen, wo er zu einem interessanten Protagonisten der zeitgenössischen Jazzszene geworden ist. Mit seinem Two Rivers Ensemble verbindet er die Traditionen der arabischen Musik mit den jazzig-westlichen Spielarten. Letztes Jahr hat er diesen Brückenschlag sogar mit einem Orchester auf berauschende Weise realisiert. Aber nun ist er ein nackter Solist. Inzwischen sind seine Trompetenklänge etwas forscher geworden. Dann wechselt er zur dem Hackbrett ähnlichen Santur und eröffnet eine nächste meditative Textur. Manchmal singt er.

Wen erleben wir hier? Einen Mystiker auf dem Jakobsweg ins Morgenland? Einen Free-Jazz-Sufi im katholischen Beinhaus? Einen ungewöhnlichen Musiker, dem es in seiner spirituell anmutenden Beharrlichkeit zunehmend gelingt, eine stille Intensität zu entfachen, die Ohren zu öffnen und die pausenlos beschäftigten Gemüter der zeitgenössisch gestressten Menschen ein wenig herunterzufahren. Das Publikum kann dem Widerhall der transkulturellen Klänge nicht entrinnen. Aber wir vernehmen kein nervöses Hüsteln. Sind alle so nett in Stans, oder sind sie ergriffen?

Solchermassen spirituell einmassiert marschieren wir ins Kollegium St. Fidelis, wo das Spektakel des Abends auf uns wartet. Die allseits gelobte Band Hanreti aus Luzern hat sich für dieses Projekt mit zwei Klarinettisten (Niklas Mäder und Fabian Mösch) und dem 38-köpfigen Chor der Gospel-Singers Stans verstärkt. Wenn das nicht nach Bombast klingt. Aber man muss sich fast eine Stunde gedulden, bevor sich die Gospel-Singers plötzlich mitten im Publikum in einen Song einhaken, und sich dann auf die Bühne begeben, zum Grande Finale.

Entspannt gespielte, eindringliche Songs

Bis zu diesem Zeitpunkt erleben wir ein astreines Konzert von Hanreti und langweilen uns keine Sekunde. Etwas ungewöhnlich ist es schon, wie das Publikum brav konzertant in den Stuhlreihen sitzt und extrem aufmerksam einer Rockband lauscht, während ab und zu ein paar Lichtimpulse über die Gesichter huschen. Die Band steht vorne am Bühnenrand, in bläulich-rotes Licht getaucht, und spielt ihre Songs. Mit einer Entspanntheit und Eindringlichkeit sondergleichen.

Die warme Stimme des Multiinstrumentalisten und Songschreibers Timo Keller wirkt mindestens so entrückt wie beruhigend und verleiht den Songs ihre Pop-Seele. Jeremy Sigrist (Gitarre), Rees Coray (Bass), Mario Hänni (Schlagzeug) und Lukas Weber (Perkussion) spielen mit einer präzisen Coolness und immer reduziert auf das Notwendige. Die Songs wirken elastisch, sie entwickeln Groove, sie können kurz schwelgen, aber jederzeit auch in eine Jam-Sequenz ausbrechen. Hanreti klingen an diesem Abend souverän, um nicht zu sagen, ziemlich fantastisch.

Später gesellt sich noch Gitarrist Christian Winiker mit seinem Hard-Rock-Feeling hinzu. Er setzt auch die gitarristischen Akzente, als die Band zusammen mit den Gospel Singers zum Grande Finale ansetzt: «You can't always get what you want» von The Rolling Stones. Das passt. Die ganze Bühne voller Musiker, ein Chor, der im Takt seiner Chörli-Phrasen mitwippt, eine Band, die rockt und ein Publikum, das begeistert applaudiert. Das nennen wir einen Auftakt. Und haben das vielleicht beste Konzert des Dienstagabends im Theater an der Mürg noch nicht einmal gehört.

Hinweis
Am Mittwoch an den Stanser Musiktagen:
19 Uhr (Kapuzinerkirche): Michel Godard / Natasa Mirkovic / Ihab Radwan Oud.
20 Uhr (Kollegium St. Fidelis): Aline Frazão und Band.
20.30 Uhr (Chäslager): Širom.
21 Uhr (Theater an der Mürg): Toko Telo.
Um 20 Uhr spielen Blehmuzik auf dem Dorfplatz und um 21 Uhr Pflanzplätz auf der Länzgi Bühne (Gratis-Konzerte).
Weitere Informationen: www.stansermusiktage.ch.

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