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FESTIVAL: «erstKlassik am Sarnersee» – ein Feuerwerk virtuos wirbelnder Schlagtechnik

«Mit Pauken und Trommeln»: Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks bringen hochklassige Kammer­musik an den Sarnersee.
Gerda Neunhoeffer
Christian Pilz, Mark Haeldermans und Hans Zonderop trommelten in Stans virtuos zusammen. (Bild: PD/Sibylle Kathriner)

Christian Pilz, Mark Haeldermans und Hans Zonderop trommelten in Stans virtuos zusammen. (Bild: PD/Sibylle Kathriner)

Trotz des strahlenden Sommerwetters fanden sich am Dienstag viele musikbegeisterte Besucher vor dem Alten Gymnasium in Sarnen ein. Da spürte man die erwartungsvolle Spannung und verstand, wie sich das Festival «erstKlassik am Sarnersee» seit nunmehr neun Jahren neben dem zeitgleich stattfindenden Lucerne Festival erfolgreich behauptet.

Fast ausverkauft

Einerseits gibt dem Festival die stimmungsvolle Atmosphäre an verschiedenen Konzertorten rund um den Sarnersee einen eigenen Charakter. Anderseits werden an diesen Kammerkonzerte auf höchstem Niveau geboten. Dafür garantieren Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, die alljährlich nach Obwalden kommen, um dort zu proben und in verschiedenen Besetzungen aufzutreten. Einige der Musiker spielen auch im Lucerne Festival Orchestra und konnten nun im zweiten Konzert des Sarner Festivals unter anderem eine Sinfonie in kammermusikalischer Intimität gestalten.

Zunächst wurden die Zuhörer im fast ausverkauften Theatersaal des Alten Gymnasiums mit schlagkräftigen Rhythmen beeindruckt. Die Perkussionisten Christian Pilz, Mark Haeldermans und Hans Zonderop bespielten gemeinsam eine grosse Trommel, neben sich hatte jeder noch zwei Bongos und zwei Chinagongs. Im «Trio per uno» von Nebojsa Jovan Zivkovic (*1962) entfalteten sie ein Feuerwerk rhythmischer Verzahnungen und virtuos wirbelnder Schlagtechnik.

Aufmerksame Spielfreude

Das Streichtrio c-Moll op. 9 Nr. 3 von Ludwig van Beethoven führte in sanftere Töne, die aber immer wieder mit scharfen Akzenten, ausgereizten Doppelgriffen und sattem Zusammenklang in dramatische Ausbrüche mündeten. Anne Schoen­holtz, die schon bei den Festival Strings Lucerne Violine spielte, Benedict Hames, Viola, und der Cellist Samuel Lutzker waren ideale Interpreten für das Werk, das überraschend hauchleise endete.

Die Sinfonie Nr. 15 von Dimitri Schostakowitsch wurde ein Jahr nach ihrer Entstehung von Victor Derevianko für Klaviertrio und Schlaginstrumente bearbeitet. Schostakowitsch selbst war von dieser Bearbeitung begeistert, und in Sarnen wurde das Publikum von der Interpretation durch die Solisten des Rundfunk-Symphonieorchesters in fast atemloser Spannung gehalten. Unglaublich differenziert, mit sinnlicher Klangweite und aufmerksamer Spielfreude gestalteten die Musiker das Werk, das in dieser Besetzung ganz neu schien und in dem dennoch alle Elemente der Sinfonie durchsichtig hörbar wurden.

Die Nähe zu den Künstlern unterstrich noch den kammermusikalischen Charakter, den die Sinfonie dadurch gewann. Da brachte Benjamin Engeli am Flügel im ersten Satz vielerlei Klangfarben zum Strahlen, das Xylofon wirkte schärfer und präsenter als in der Orchesterfassung, und das Zitat aus Rossinis «Wilhelm Tell» sprang einen unmittelbar an. David van Dijk liess seine Geige unter den hohen Cellokantilenen von Samuel Lutzker im Adagio-Largo in fahlen Akkorden schweben; lange Triller des Cellos, tiefe Klaviermelodien und düstere Violin-Doppelgriffe wurden von Paukenschlägen verdichtet. Dann hellte es sich mit Glockenspiel und Vibrafon nur kurz auf, bis die ironischen Staccato-Themen des Allegrettos scheinbar lustig aufblitzten und von den Schlagzeugern mit Woodblocks, Trommeln und Triangeln aufgenommen wurden.

Gebannt gelauscht

Nicht erst im Finale, wo sich die vielfältigen Themen und Zitate durch alle Instrumente unerbittlich verbanden, konnte man den Solopauker auch des Lucerne Festival Orchestra viel näher erleben als im KKL. Wie Raymond Curfs hier die Paukenschläge variierte und dann das Thema aus dem ersten Satz anklingen liess, wie sich das in grossem Crescendo steigerte und wieder zurückfiel, war über alle Schlagfertigkeit hinaus hoch emotional. Die vielen Zuhörer folgten den Tönen bis zum verklingenden Schluss so aufmerksam, dass ihnen kein noch so leiser Ton entgehen konnte.

Gerda Neunhoeffer

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