FESTIVAL: «Heute sind die Stars austauschbar»

Foreigner im KKL Luzern, Umberto Tozzi und andere Acts im Hotel Schweizerhof: Phil Dankner erzählt, was ihn am «The Retro Festival» begeistert.

Pirmin Bossart
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Hits wie «All You Zombies», «Johnny B.» und «Satellite» stammen aus der Feder von The Hooters. (Bild: PD)

Hits wie «All You Zombies», «Johnny B.» und «Satellite» stammen aus der Feder von The Hooters. (Bild: PD)

Interview: Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Phil Dankner, Sie programmieren das «The Retro Festival» in Zusammenarbeit mit dem Hotel Schweizerhof. Retro ist für Sie offensichtlich kein Schimpfwort?

Ich habe da eine andere Wahrnehmung. Retro ist nicht nur in der Musik «der neue Chic», wie ein Magazin schrieb, sondern auch als Lifestyle, in der Mode, sehr gefragt.

Mit was hat das zu tun?

Vielleicht herrschte in den letzten Jahren in der Popmusik ein Defizit, so dass sich viele wieder an Bands aus den 1970er- und 1980er-Jahren erfreuen. Offensichtlich haben sie etwas gemacht, das zeitlos geblieben ist. Die Musik widerspiegelt eine einzigartige Zeit, die viele Leute wiederaufleben lassen wollen.

Sind Retrobands Nostalgie, oder haben sie auch musikalisch noch etwas zu sagen?

Ein guter Song ist ein guter Song, ein solcher überlebt ziemlich lange. Nicht umsonst werden sehr viele Retrokünstler immer noch häufig am Radio gespielt. Ich frage mich, ob in 40 Jahren heutige Bands ebenfalls noch so im Trend sein werden, dass Leute sie immer wieder hören wollen und ihren Lifestyle danach ausrichten.

Da klingt Skepsis mit ...

Heute ist die Musik viel schnelllebiger, die Auswahl ist grenzenlos, viele Stars sind austauschbarer. Vielleicht bleibt insgesamt weniger haften. Musik wird heute von der jungen Generation ganz anders konsumiert. Retrobands, die immer noch erfolgreich sind, haben sich damals sukzessive ihr Publikum erobert. Das hat einen andern Boden.

Wird es nicht immer schwieriger, Retro-Acts zu buchen, da die Leute wegsterben?

In den letzten Jahren sind tatsächlich viele grosse Musiker gestorben. Es hat immer noch genügend Namen, aber in zehn Jahren dürfte es schwieriger werden. Die 1960er-Jahre liegen schon fast zu weit zurück, um noch damalige Künstler engagieren zu können. So reduziert sich Retro inzwischen auf die 1970er- und 1980er-Jahre.

Ist es nicht ein wenig öde, sich musikalisch immer mit Gewesenem zu beschäftigen?

Das finde ich gar nicht. Man darf sich in diesen Welten aufhalten, ein wenig aus dem Alltag flüchten und sich einem bestimmten Lebensgefühl hingeben, auch wenn das 30 oder 40 Jahre zurückliegt. Wir bieten den Leuten eine gute Unterhaltung, während der sie die Helden von damals nochmals zelebrieren können.

Was waren Ihre Highlights in den sechs Festivaljahren?

Rick Astley und Kim Wilde, beide waren Stars in meiner Schulzeit. Man konnte nur staunen, wie gut die Stimmen noch klangen und wie echt und greifbar die beiden Acts waren. Aus den 1970ern hatten wir Smokie, The Sweet oder Manfred Manns’ Earth Band. Manfred Mann ist über 80 und fit wie ein Turnschuh.

Es gibt wohl auch andere Beispiele?

Man erlebt auch jene, die nicht so gesund lebten, sich schlecht ernährten, mit Drogenproblemen kämpften und als Musiker ihre Leistung nicht mehr bringen. Ich achte darauf, dass ich bei der Selektion von möglichen Bands nur von Videos ausgehe, die nicht älter als ein Jahr sind.

Wie erleben Sie die «Stars», die jetzt nicht mehr in grossen Hallen spielen, sondern sich mit kleineren Lokalitäten begnügen müssen?

Die allermeisten sind unglaublich sympathisch, dankbar und sehr motiviert. Sie fühlen sich geehrt, dass sie noch immer gefragt sind. Auch kommen sie gerne nach Luzern. Andernorts spielen sie vor mehr Leuten, aber die Nähe zum Publikum schätzen sie genauso.

Hören Sie auch gerne Musik von heute?

Selbstverständlich. Ich liebe zum Beispiel John Mayer oder Chris Stapleton, der eher aus der modernen Countryecke kommt. Auch Sting finde ich einen spannenden Künstler.

Der wäre doch auch bald reif für ihr Retrofestival. Nur dürfte er wohl noch lange unerschwinglich bleiben.

Es gibt nicht nur finanzielle Limits. Wir erhalten immer wieder Absagen von Bands, die bewusst nicht an Festivals auftreten wollen, die «Vintage» oder «Retro» im Namen haben. So ging es zum Beispiel mit Steve Winwood oder mit der Band Europe, die ich angefragt hatte.

Wie haben Sie die diesjährigen Bands ausgewählt, was lag Ihnen am Herzen?

Ich mache das Programm zusammen mit Mike Hauser vom Hotel Schweizerhof. Er ist ein grosser Musikfan. Wir haben teilweise identische Listen von Namen, die wir unbedingt holen möchten. Das Menü ist immer abhängig davon, ob eine Band gerade auf Tour ist oder nicht. Mit Foreigner und dem 21st Century Orchestra im KKL Luzern bieten wir dieses Jahr zudem eine besondere Exklusivität an.