FESTIVAL: Im Spannungsfeld zwischen Schauplatz und Performance

«Orte als Thema» lautet dieses Jahr das Motto der Migma-Performancetage. Mit dem kontrastreichen Programm loten die beteiligten Veranstalter – die Kunsthalle Luzern und das Forum Neue Musik Luzern – den Begriff der Performance aus.

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Die Videoinstallation OUT zeigt Musiker an aussergewöhnlichen Orten. (Bild: Nadia Schärli (26. Mai 2017))

Die Videoinstallation OUT zeigt Musiker an aussergewöhnlichen Orten. (Bild: Nadia Schärli (26. Mai 2017))

Den Auftakt des dreitägigen Festivals bildete am Freitag Marie-Cécile Rebers minimalinvasive Klanginstallation im Teich des Löwendenkmals: Acht Lautsprecher in Form von blaugelben Legoelementen schwimmen noch bis heute Abend als lose Konstellation auf der Wasseroberfläche. Im 20-Minuten-Takt übertragen sie das von einem Ornithologen aufgezeichnete Zwitschern von Pirolen. Die akustische Aufzeichnung des flötenden Gesangs dieses gelb gefiederten Singvogels fügt sich so natürlich in die vegetationsreiche Umgebung mit dem in die Felswand gehauenen historischen Steinmonument, dass sie vom Zwitschern der tatsächlich anwesenden Vögel kaum zu unterscheiden ist.

Eine weniger prominente Lokalität in der Denkmalstrasse bespielt Regula Spörri: Auf dem klaustrophobischen Platz vor dem einstigen Restaurant Wiederkehr und dem Postgebäude hat die Künstlerin eine rosafarbene rechtkantige Installation aus zusammengeleimten Dämmstoffelementen montiert. In Schräglage befindlich und eingepfercht zwischen den bepflanzten kubischen Keramiktöpfen, verstärkt die plane Ebene mit dem künstlichen Material die klaustrophobische Enge der tristen Passage zur Zürichstrasse.

Indem sowohl Reber als auch Spörri in ihren Arbeiten situativ auf den Ort Bezug nehmen, den sie, ohne selbst körperlich aktiv zu werden, künstlerisch transformieren, distanzieren sich ihre Arbeiten vom klassischen Verständnis von Performance als handlungsbetonter Darbietung.

Farbenfrohe Nutzung eines Spielplatzes

Dem stellte am Freitagabend das Performanceduo Stiftung ALMA – ein Akronym aus ALf Hofstetter und MAx Frei – seine Aktion gegenüber, welche den Spielplatz im Wesemlinrain nutzte: Ausgestattet mit Karabinern, zahlreichen Wollfäden und je einem Transistorradio inklusive Wackelkontakt fuhrwerkte das Duo im schwarzen Anzug mit farbigen Fäden herum, an deren Ende halb aufgeblasene Ballone befestigt waren.

Räumlich und höhenmässig voneinander versetzt, beschränkte sich die Kommunikation der beiden Performer auf ein Minimum. Während die im Rahmen der Performance dekonstruierte Funktion des Spielplatzes als Ort, an dem mit ernstem Habitus sinnentfremdete Handlungen repetitiv vollzogen werden, humoristische Aspekte aufwies, mangelte es der Performance selber etwas an Tiefgang.

Musik am Pfeiler einer Autobahnbrücke

Zum Abschluss kam der erste Festivaltag mit einem von Videoeinspielungen untermalten Konzert der experimentellen Musikformation «the outher string» und der sechsteiligen Videoinstallation OUT derselben Gruppe. Projiziert an die Wand, bestehen die eigenständigen Filme aus fragmentarisch zusammengeschnittenen Aufnahmen, in denen die Musiker an ungewöhnlichen Orten zusammenspielen. So musiziert das Trio im Film «Sepoutobahn» am Fusse des Pfeilers einer imposanten Autobahnbrücke, während der Trompeter Werner Hasler und Schlagzeuger Christoph Steiner in «Voie Mazas» auf einem schmalen Quai zwischen Seine und einer befahrenen Strasse spielen. Mit OUT beziehen die Musiker in ihren akustischen Klangwelten die Umgebung, in der sie spielen, gekonnt ein.

Anlässlich des diesjährigen Konzepts «Orte als Thema» offenbaren die beteiligten Veranstalter, dass sie Performance nicht nur als eine kurzlebige Darbietung eines handelnden Künstlers verstehen wollen, sondern in einem weiteren Sinne auch als Kunst, in der situations- und ortsbezogen durch Installationen, Musik oder aufgezeichnete Tierlaute interveniert wird.

 

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Performance-Tage Luzern: Heute letzter Tag ab 11 Uhr in der Kunsthalle Luzern. Infos: www.migma.ch