FESTIVAL: Karneval-Vergnügen mit Heimvorteil für die Schweizer

Die Festival Strings versprühten mit Kurt Aesch­bacher nicht nur tierischen Humor, sondern sorgten für ein kleines Mozart-Festival.

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Erzählte auf der KKL-Bühne über «Ustuschschtudänte us Uschtralie»: Kurt Aeschbacher. (Bild: Lucerne Festival/Manuela Jans)

Erzählte auf der KKL-Bühne über «Ustuschschtudänte us Uschtralie»: Kurt Aeschbacher. (Bild: Lucerne Festival/Manuela Jans)

Mit einer gehörigen Portion Humor im Programm und dem Schalk im Nacken präsentierten sich die Festival Strings Lucerne beim vierten Sinfoniekonzert von Lucerne Festival am Dienstagabend. Da sprühten die Funken schon bei der «Simple Symphony» von Benjamin Britten, in der die Streicher ihre Wendigkeit ausspielen konnten. In «Le Boeuf sur le toit» von Darius Milhaud tänzelten die Musiker sichtbar mit. Die südamerikanischen Klänge verdichteten sich, um dann dem Thema, das sich durch alle Tonarten windet, wieder Raum zu geben. Streicher und Bläser hatten wohl ebenso viel Spass wie die Zuhörer an dieser jazzig angehauchten, musikalisch grotesken Komposition aus den «Goldenen Zwanzigern».

Doppelter Dialog mit Mozart

Eine ideale Verbindung zwischen Solisten und Orchester machte Mozarts Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur zum wahren Hörvergnügen. Die subtile Artikulation des bekannten Klavierduos Yaara Tal & Andreas Groethuysen zusammen mit dem biegsamen Klang der Festival Strings unter Daniel Dodds ergaben einen doppelten Dialog sowohl zwischen den Pianisten als auch zwischen dem Duo und dem Orchester. Wie dieses hauchzart oder straff mal üppige, mal glasklare Klangfarben beisteuerte, machte dieses Stück zu einem kleinen Mozartfestival.

Vom Rotlichtmilieu zum Karneval

Die Zugabe des Klavierduos, der erste Satz von Mozarts «Sonata facile» in einer Bearbeitung von Edvard Grieg, zeigte humorvoll, wie selbst Mozart geradezu «verwässert» werden kann, plötzlich banal wirkt und, wie Groet­husen mit einem Augenzwinkern sagte, fast wie aus dem «Rotlichtmilieu» klingt.

Viel Augenzwinkern, Schmunzeln und Lachen gab es bei Camille Saint-Saëns nicht nur wegen Kurt Aeschbacher als prominentem Erzähler. Der «Karneval der Tiere» wurde auch dank der von Daniel Dodds temperamentvoll und sicher geleiteten Strings zur Krönung des Abends.

Höchst variabel wurden die Klangvariationen der Tiere musikalisch zelebriert, und Aeschbacher schilderte diese «grosse zoologische Fantasie» mit Humor für all jene, die «Bärndütsch» verstehen. Im internationalen Publikum aber konnte leider nicht jeder die schillernden Facetten der Sprache nachvollziehen. Die Schweizer hatten hier eindeutig Heimvorteil anders als in manchen Kinderkonzerten des Festivals, die einst vor allem mit Hochdeutsch die Mundart sprechenden Kinder auf Distanz hielten und die deswegen nun in Mundart stattfinden.

Höhepunkt vom «uffgmotzte Geck»

Persönliche Ausschmückungen Aeschbachers zu Loriots Text brachten zusätzliche Lacher, etwa die Kängurus als «Ustuschschtudänte us Uschtralie». Und was die Musiker, wieder mit den beiden Pianisten, an Feinheiten und mitreissender Freude beisteuerten, konnte wirklich jeder im Saal verstehen. Selten hat man die Kolibris zarter schwirren oder die Esel sichtbarer jammern hören, wenn die Geigenbögen bei jedem Strich voll in die Höhe gerissen wurden. Und selten fanden die Eichhörnchen, trotz Dirigentenhilfe eines Cellisten oder gar des Metronoms, mühsamer zum gemeinsamen Rhythmus. Natürlicher Höhepunkt war das Solo des Schwans auf dem Cello, auch wenn sich der Fuchs über ihn als «uffgmotzte Geck» mockierte.

Gerda Neunhoeffer

Hinweis

Die Festival Strings spielen im «Nachmittagskonzert» am Festival ein Programm rund um Mozarts «Musikalischen Spass», So, 23. August, 14.30 Uhr, im Konzertsaal des KKL. Karten sind im Stadthaus erhältlich (Hirschengraben 17, Luzern).