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FESTIVAL: Kulturelle Sprünge mitten im Wald

Das Volkskultur­festival Obwald im Fernsehen: Am Dienstag wurde ein Abend aufgezeichnet, der viele ­Häppchen voller Wucht und Wunder zeigte.
Unterschiedliche Stampfrituale am Volkskulturfestival Obwald: einheimische «Bödälär» (oben) und... (Bild: Philipp Schmidli)

Unterschiedliche Stampfrituale am Volkskulturfestival Obwald: einheimische «Bödälär» (oben) und... (Bild: Philipp Schmidli)

Urs Mattenberger

Der Planet Erde als riesige Discokugel, die bei einbrechender Dunkelheit das Laub der Bäume mit ihren funkelnden Lichtern sprenkelt: Der Eingang zur Waldwiese Gsang bei Giswil, wo das Volkskulturfest Obwald am Dienstag Jubiläum feierte, ist so poetisch wie symbolisch. Denn nicht nur kommen die auftretenden Gruppen aus aller Welt an diesen wunderbaren Ort. Die Vielfalt von Stilen splittert auch das Programm gehörig auf. Und hat seinen Reiz gerade darin, dass man in all den Kontrasten doch auch nach Gemeinsamkeiten suchen kann für die musikalische Völkerverständigung, die das Festival seit zehn Jahren betreibt.

Schweizer geben den Ton an

Die Jubiläumsausgabe und der Dienstag trieben diese Vielfalt auf die Spitze. Nicht nur wurden viele Gruppen eingeladen, die hier bereits aufgetreten sind. Damit werden erstmals zwei Wochenenden mit unterschiedlichen Programmen gestaltet. Und der Dienstagabend, der vom Schweizer Fernsehen aufgezeichnet wurde, führte alles häppchenweise zusammen.

Da begegnete man unter anderen dem vietnamesischen Orchester wieder, das am Eröffnungsabend ein Spektakel auch fürs Auge bot mit Instrumenten, die klapperten wie die Skelette vorsintflutlicher Rieseninsekten (siehe Ausgabe vom 4. Juli). Neu hinzu kamen die Flamenco-Familie Bermudez & Pena und – als Schweizer Pendant zu deren Stampftanz – die Obwaldner Bödälär und Muotathaler Gäueler. Jodlergruppen wie das Bärgröseli Alpnach und der phänomenale Choeur des Ar­maillis de la Gruyere sorgten dafür, dass hauptsächlich die Schweizer den Ton angaben.

Das entsprach der Zusammensetzung des eher älteren Publikums, das sich immer wieder gedulden musste, wenn für die Aufzeichnung eine Moderation eingeschoben wurde. Moderatorin Nina Brunner bekundete denn auch Mühe, eine junge Besucherin vors Mikrofon zu kriegen. Und diese gab prompt den Flamenco-Tänzern, die «Dampf machten», den Vorzug vor einheimischen Bödälärn. Deren Darbietung wirkte halt trotz akrobatischer Einlagen brav neben dem perkussiven Feuer, das die spanische Grossfamilie vom Mädchen bis zum auftrumpfenden Macho entfachte.

Der Flamenco war nicht nur punkto Wucht, Energie und Leidenschaft ein Höhepunkt. Er zeigte auch, wie alles Authentische sich gegen die Vermengung mit dem anderen sperrt. Nicht zufällig liessen sich die Spanier am Schluss nicht ins wohlige Abschiedslied integrieren, das die Ländlergruppe ­Siidhang mit drei vietnamesischen Musikerinnen anstimmte.

Gemeinsame Wurzeln

Das war ein Beispiel dafür, wie das Festival Kulturen nicht nur nebeneinanderstellt, sondern punktuell zu verbinden versucht. Aber selbst da gaben die Schweizer den Ton an. Die Vietnamesin, die den Gesang von Tamara Riebli auf dem Tha-Bâu zauberhaft begleitete, passte sich der Jodlerin bis in die Nuancen hinein an. Und wenn umgekehrt die Siidhang-Kapelle in ein Stück der Vietnamesen einstimmte, war dieses mit seiner süffigen Melodik und Rhythmik für westliche Ohren bereits so eingängig arrangiert, dass man ­ahnte: Die Vermengung der Kulturen ist in der globalisierten Welt eben doch längst im Gang. Unter dem Aspekt Kulturaustausch spannender waren gemeinsame archaische Wurzeln über alle Kulturgrenzen hinweg. Dazu gehörten die hypnotischen Klangbäder, wie sie die Gesänge aus Sardinien oder Bhutan, aber auch die Jodlergruppen unterschiedlich und doch ganz ähnlich ri­tualisierten. An den Wurzeln wird eben alles eins. Das schönste Beispiel dafür bot die Gruppe Natur Pur mit einer Einlage, in der sich Lockrufe für die Kühe wie ein Wunder nathlos zum Juiz-Mysterium auswuchsen. Natur und Kultur pur: Auch in der Mischung von profanem Witz und heiligem Ernst riss das Publikum zu einem seiner vielen Begeisterungsstürme mit.

Hinweis

Konzert vom zweiten Wochenende (u.a. Flamenco, Bhutan, Muotathal, Obwalden): DoSa,9.–11. Juli, jeweils 20 Uhr, Waldlichtung Gsang bei Giswil (ausgeschildert). Das Konzert wird auf SRF1 am So, 12. Juli, 23.30 ausgestrahlt. www.obwald.ch

... spanische Flamencotruppe. (Bild: Philipp Schmidli)

... spanische Flamencotruppe. (Bild: Philipp Schmidli)

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