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FESTIVAL: Lucerne Festival kontert Vorwürfe zu Missklängen

Auf Facebook ist von «Missklängen» im Lucerne Festival Orchestra die Rede. Intendant Michael Haefliger spricht von Rufschädigung.
Im Kreuzfeuer der Kritik: Chefdirigent Riccardo Chailly. (Bild Nadia Schärli)

Im Kreuzfeuer der Kritik: Chefdirigent Riccardo Chailly. (Bild Nadia Schärli)

Urs Mattenberger

Ein Facebook-User postet unter dem Namen «Gregor Pallas» einen Beitrag auf der Facebook-Seite unserer Zeitung, in dem er von «Missklängen» beim Lucerne Festival Orchestra (LFO) spricht. Insbesondere äussert er sich abschätzig über dessen neuen Chefdirigenten Riccardo Chailly. Der neue Maestro werfe einen beträchtlichen Teil der aus ganz Europa zusammenkommenden Elitemusiker hinaus. Davon betroffen seien unter anderem «Musiker des Gewandhaus­orchesters, des Orchesters des Bayrischen Rundfunks, des Mahler Chamber Orchestra, Kammermusiker von Weltruf».

Ein Fake-Account?

Nur, wer ist «Gregor Pallas»? Sein Facebook-Account verzeichnet nur 30 Freunde, und über die «musiCampaign» in Biel, auf die der Account verweist, findet man keine Infos. Ein Fake- Account also? Das vermutet auch der Intendant von Lucerne Festival, Michael Haefliger. «Diese Äusserungen sind nicht nur rufschädigend», sagt Haefliger dazu und betont, «sie sind schlicht falsch. Und sie stellen Änderungen, die sich natürlicherweise bei jedem Orchester vollziehen, in einem ganz falschen Licht dar.»

Dazu gehört, dass Riccardo Chailly zehn Musiker vom Scala-Orchester nach Luzern mitbringt. Das ist seit längerem bekannt und liegt in der Tradition dieses Projektorchesters. «Zum Modell, wie es Abbado begründet hat, gehört, dass der Chefdirigent letztlich über die Zusammensetzung entscheiden kann», sagt Haefliger, «wie der Trainer einer Nationalmannschaft.»

Gemessen daran fielen die Umbesetzungen sogar «ziemlich gering» aus, meint der Intendant. Und sie ergeben sich praktisch ausnahmslos durch die natürliche Fluktuation, wie es sie auch beim LFO immer schon gab. Zudem bestimmte Chailly nicht alle Neubesetzungen selber, sondern verliess sich auf Vorschläge der Stimmführer. Fluktuationen haben in den letzten Jahren beim LFO ohnehin zugenommen: «Das Orchester existiert bereits seit 14 Jahren. Wer also mit 30 erstmals mitwirkte, ist inzwischen 44 und setzt vielleicht andere Prioritäten für die Zeit im Sommer», sagt Haefliger: «Deshalb sagten auch dieses Jahr einzelne Musiker ab, auch weil sie andere Engagements wahrnehmen wollen.»

Absage des Abschiedskonzerts

Trotzdem sei die jetzt auf Facebook verbreitete Aussage falsch, so Haefliger, dass ein «beträchtlicher» Teil der bisherigen Musiker nicht mehr dabei sei. Vom Mahler Chamber Orchestra, das vom angeblichen «Rauswurf» betroffen sein soll, werden in diesem Sommer 39 Musiker mitspielen – mehr, als es in einzelnen Jahren unter Abbado der Fall war. Auch die Stimmführer des LFO bleiben die gleichen – mit Ausnahme von Konzertmeister Sebastian Breuninger, der im Facebook-Beitrag als einziger angeblicher «Rauswurf» namentlich genannt wird.

Die grösste personelle Umbesetzung erlebte das Festivalorchester vor Jahren, als Musiker der Berliner Philharmoniker sich auf Wunsch des zuvor von Abbado geleiteten Spitzenorchesters zurückzogen. Ist damit vergleichbar, dass jetzt Mitglieder des Gewandhausorchesters nicht mehr mitwirken, zumal Chaillys Zeit als Chefdirigent in Leipzig nicht ungetrübt zu Ende geht, wie aktuell die Absage seines Abschiedskonzerts verraten könnte?

«Die Rolle, die Musiker der beiden Orchester im LFO spielten, kann man nicht miteinander vergleichen», stellt Haefliger klar: «Vom Gewandhaus­orchester wirkten in den letzten Jahren lediglich drei Musiker mit, und auch sie eher sporadisch.» Wie steht es also um den «Rauswurf» von Sebastian Breuninger? «Riccardo Chailly möchte sich auf die beiden Orchester konzentrieren, deren Chefdirigent er aktuell ist: das Lucerne Festival Orchestra und das Orchester der Scala», sagt Haefliger: «Daher werden Musiker des Gewandhausorchesters Leipzig vorerst nicht mehr dabei sein. Wir haben das Sebastian Breuninger mitgeteilt, und er hat das verständnisvoll akzeptiert.»

Viele wieder mit dabei

Von «beträchtlicher Unruhe» unter den LFO-Musikern spürt das Festival deshalb nichts – auf Besetzungsentscheide gab es auch dieses Jahr praktisch keine Rückfragen von Musikern. Auffällig war hingegen, dass viele, die einst angekündigt hatten, sie würden nach Abbados Tod fernbleiben, nun doch wieder mit dabei sind: «Auch insofern ist dieses Jahr personell keineswegs die Zäsur, die man von einem solchen Dirigentenwechsel erwarten würde.»

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