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FESTIVAL: Musik für Herz, Hirn und die Beine

Die Franzosen Air setzten am Blue Balls ein erstes Glanzlicht. Ihre Musik erzeugte einen hypnotischen Sog und lud zum Träumen.
Michael Graber
Air, Nicolas Godin (links) und Jean-Benoît Dunckel, bezauberten im KKL Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

Air, Nicolas Godin (links) und Jean-Benoît Dunckel, bezauberten im KKL Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

Michael Graber

Es gibt Bassläufe, die klingen einfach unglaublich sexy. Ein solches Prachtexemplar findet sich im Song «La Femme d’argent». Das spielen Air ganz am Schluss ihres anderthalbstündigen Konzerts im KKL. Wenn Jean-Benoît Dunckel die Saiten zupft, schwebt man gedanklich weit weg. An einen Strand oder in ein Pariser Strassencafé. Das Magische am Sound von Air ist diese wahnsinnige Entspanntheit, die bei jedem Ton mitschwingt. Und so reist man im Kopf rasch rund um die Welt und kommt am Ende doch erholt an.

Live haben sich Nicolas Godin (Keyboard) und Dunckel (Gitarre, Bass, Keyboard) einen Keyboarder und einen Schlagzeuger als Verstärkung geholt – vor allem Louis Delorme, der Herr an den Drums, macht einen fantastischen Job. Er treibt die Songs mit knochentrockenen Schlägen voran. Er trägt viel dazu bei, dass Air in der Freitagnacht stets wie eine geschlossene Einheit wirken. Godin und Dunckel sind weiss gewandet, hinter ihnen stehen drei Spiegel, die zu Lichtspielereien genutzt werden. Grosse Ansagen gibt es keine. Mal ein «Merci», viel mehr nicht.

Laura Mvula (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
The Temperance Movement (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Rapper Kool Savas (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Corinne Bailey Rae (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Sängerin Katie Melua während ihrem Konzert am Donnerstag am Blue Balls Festival. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)
Der britische Sänger-Songwriter Jamie Lawson trat am Donnerstag auf. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)
Andrea Corr von der irischen Popband "The Corrs". (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)
Seal (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Seal (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Kwabena Sarkodee Adjepong alias Kwabs aus Grossbritannien (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Charles Bradley im Luzernersaal des KKL (Bild: Philipp Schmidli)
Ein Graffiti-Künstler beim KKL (Bild: Philipp Schmidli)
Charles Bradley im Luzernersaal des KKL (Bild: Philipp Schmidli)
Stimmungsbild vom Blue Balls Festival 2016 (Bild: Philipp Schmidli)
Sängerin und Songwriterin Ala.Ni aus London spielt im Konzertsaal des KKL. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ty Taylor und seine Kollegen von der amerikanischen Band Vintage Trouble treten im Luzerner Saal des KKL auf. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ty Taylor von der amerikanischen Band Vintage Trouble singt während des Konzerts auch in ungewöhnlicher Manier. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Steven Wilson im KKL (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ihr «Stolen Dance» katapultierte sie in die Herzen und Köpfe der Menschen: Milky Chance. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Nochmal Milky Chance: Clemens Rehbein. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Die US-amerikanische Sängerin Zola Jesus während ihres Konzerts vom Montag, 25. Juli, im KKL. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Lilly Hates Roses spielt vor dem KKL. (Bild: Nadia Schärli)
X-Factor-Gewinner 2012 James Arthur, ganz cool mit Brille. (Bild: Nadia Schärli)
Nochmal James Arthur, dem mit «Impossible» der Durchbruch gelang. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
East Cameron Folk spielt beim Pavillon. (Bild: Nadia Schärli)
Seinaba Sey aus Schweden im Luzernersaal. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Soley aus Island (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die schottische Sängerin Kate Victoria Tunstall (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Konzert von Verena von Horsten beim Pavillon (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Konzert der französischen Band Air mit Sänger Jean-Benoît Dunckel im Luzerner Saal des KKL (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Konzert der französischen Band Air mit Sänger Jean-Benoît Dunckel im Luzerner Saal des KKL (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Konzert der französischen Band Air mit Sänger Jean-Benoît Dunckel im Luzerner Saal des KKL (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die britische Sängerin Shura (24) bei ihrem Eröffnungskonzert im KKl. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))
Konzert am Blue Balls Festival im KKL Luzernersaal von Shura. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))
Konzert am Blue Balls Festival im KKL Luzernersaal von Shura. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))
Ibeyi, das fränzösisch-kubanische Duo singt beim Konzert am Blueballs Festival (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Die Band Faber eröffnet die Blueballs Konzertserie im Pavillon. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ausgelassene Stimmung vor dem Pavillon. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ausgelassene Stimmung vor dem Pavillon (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Yael Hodel verkauft Festival-Pins (Bild: Philipp Schmidli)
Claudia Wehrle arbeitet an einer Bar am Blue Balls (Bild: Philipp Schmidli)
Verkaufsstände beim Schweizerhof. (Bild: Nadia Schärli)
42 Bilder

Blue Balls Festival in Luzern

Der rote Faden

Air setzen ihre Musik auch konsequent auf der Bühne um: Nix ist überladen, von nichts hat es zu viel. So schaffen sie Platz, um ihre Lieder wirken zu lassen. Nach und nach entfaltet sich ein hypnotischer Sog, es liegt eine ungeheure Kraft in den präzis gespielten Tönen. Gesungen wird wenig, einmal dafür sogar live gepfiffen («Alpha Beta Gaga»).

Air machen Lounge-Musik, die nie egal ist. Das ist vielleicht auch der grosse Unterschied zum aktuellen Deep-House-Trend. Air fahren nicht einfach in die Beine, sondern durchqueren vorher Hirn und Herz. Der dunkle Groove, der immer mitschwebt, verleiht dem Ganzen eine betörende Note.

Es war auch ein bisschen eine Zeitreise. Viele im Publikum haben Air um die Jahrtausendwende mit ihren legendären Alben «Moon Safari» und «The Virgin Suicides» kennen und lieben gelernt. Erst in diesem Jahr haben sie zum zwanzigjährigen Bestehen der Band mit «Twentyyears» eine Best-of veröffentlicht.

Was man da und am Konzert bestaunen konnte, ist die Konsequenz, mit der es Godin und Dunckel schaffen, ihrem Sound immer einen roten Faden zu verleihen. Das wirkt immer vom ersten bis zum letzten Ton durchdacht. Für Zufälle haben Air keinen Platz. Auch wenn sie die Songs etwas ausufern lassen, wirkt das immer äusserst kontrolliert. Aber langweilig ist es deswegen nicht.

Bewegen statt tanzen

Im Publikum wird langsam immer mehr getanzt beziehungsweise bewegt. Immer in leichter Wellenform. Und dabei fühlt man sich derart tiefenentspannt, dass es einem egal ist, ob man dabei so richtig doof aussieht. Eitelkeit hat in einem Konzertsaal ja eigentlich sowieso nichts verloren. Und spätestens, als dann der Basslauf von «La Femme d’argent» einsetzt, ist man komplett bezaubert.

Das Konzert war ein erstes, frühes Highlight am diesjährigen Blue Balls Festival. Kleine Abstriche gibt es einzig beim Klang, der durchaus etwas wuchtig-bassiger hätte klingen können. Aber es muss ja immer noch etwas Steigerungspotenzial haben. Wäre ja sonst unfair für all die anderen Bands, die noch bis am kommenden Samstag auftreten.

Der Saal kocht

Ibeyi reg. Sie können ihr Glück kaum fassen, die erst 19-jährigen Zwillingsschwestern Lisa-Kainde und Naomi Diaz. Immer wieder reckt Naomi die Faust in die Höhe und reisst den Arm herum: «Yeah!» Die Endorphine schwappen aufs Publikum über – es singt mit, es klatscht mit, es lässt sich von der Freude und der Leidenschaft begeistern, mit der Ibeyi ihre Musik spielen. Was muss das aber auch für ein Gefühl sein, die Leute in dieser ehrwürdigen Salle Blanche gar zum Tanzen zu bringen: «If you feel like dancing, dance!»

Songs in Englisch und Yoruba

Die Musik hat etwas sehr Eigenständiges, obwohl die französisch-kubanischen Geschwister noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen – im Februar letzten Jahres ist das Debütalbum «Ibeyi» erschienen. Ibeyi, die Zwillinge, sind an ihren Instrumenten – Lisa Piano, Naomi das Cajón und Batá-Trommeln – und stimmlich sehr sattelfest. Zwei Vollblutmusikerinnen. Das klingt nach Ethno, wenn sie zweistimmig in Yoruba singen – der Vater Anga Diaz war Perkussionist und hat den Töchtern die traditionellen Lieder seiner Kultur beigebracht, die ihren Ursprung in Nigeria und Benin hat. Das klingt aber auch nach der Grossstadt und all ihren Einflüssen, nach Paris – bei Naomi dringt immer mal wieder die Hip-Hopperin durch. Und ja, rappen können Ibeyi tatsächlich auch.

Soul-Pop mit Frances

Auch Frances, die das Blue Balls im Weissen Saal eröffnete, kann ihr Glück kaum fassen: «Ich weiss, ihr seid nicht wegen mir hier. Aber ihr seid hier!» Allein am Flügel trägt die Engländerin mit bestechender Ruhe schwierig zu singende Soul-Pop-Balladen vor und vermag mit ihrer schönen Stimme zu berühren. Mit der Nonchalance einer Adele spricht sie zwischen den Songs ein paar Worte zum zahlreich erschienenen Publikum, und man wünscht sich, eben erst vom Eröffnungsapéro reingestolpert, man hätte selbst etwas von dieser britischen Lässigkeit.

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