Kammermusikfestival
«ErstKlassik am Sarnersee»: Das Festival setzt auf Familienbande

Das Kammermusikfestival «ErstKlassik am Sarnersee» macht vom 9. bis 26. Juni die Nähe mit hochkarätigen Stammgästen zum Programm.

Urs Mattenberger
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Vertritt dieses Jahr am «erstKlassik» die Familie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks: «NoPhilBrass»-Blechbläserensemble.

Vertritt dieses Jahr am «erstKlassik» die Familie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks: «NoPhilBrass»-Blechbläserensemble.

Bild: PD

«Ich tanke in dieser Woche Energie für das ganze Jahr», sagt Karin Löffler, die künstlerische Leiterin des Kammermusikfestivals «ErstKlassik am Sarnersee». Es sei nicht nur etwas «ganz Besonderes, wenn man mit Menschen, die man sehr gerne mag, zusammen auf der Bühne» sitze. Das bezieht am ErstKlassik auch die «schönen Begegnungen mit dem Publikum» mit ein:

«Es gibt so viele, die wir wiedererkennen, jedes Jahr. Es ist wie eine kleine Familie.»

Der Trailer auf der Website des Festivals, in dem die erste Geigerin des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks dies sagt, bestätigt die persönliche, aber auch künstlerisch knisternde Atmosphäre mit Konzertausschnitten zwischen wunderbaren Landschaftsaufnahmen. Und die diesjährige, coronabedingt modifizierte Ausgabe erhebt unter dem Motto «En famille» genau das Familiäre zum Programm. So treten mit dem NoPhilBrass-Blechbläserensemble, der Familienbande um den Sarner Hornisten Florian Abächerli, einer Oboenfamilie um Heinz Holliger und dem Carmina Quartett Ensembles auf, die durch familiäre Bande im engen und weiteren Sinn verbunden sind.

Blechbläser ziehen alle Register

Dadurch ist in dieser Coronaausgabe auch einiges anders. Die markanteste und bleibende Veränderung ist die Vorverlegung des Festivals, um die Terminüberschneidung mit dem Lucerne Festival zu vermeiden. So finden die fünf Konzerte vom 9. bis zum 26. Juni statt. Ein Wandelkonzert, bei dem die Besucher über längere Zeit zusammen sind, gibt es nicht.

Die Konzerte dauern etwas über 75 Minuten und werden – mit Maskenpflicht – ohne Pausen durchgeführt.

Dafür sind nach der jüngsten Lockerung 100 Besucher zugelassen, weshalb es momentan noch für alle Konzerte Tickets gibt.

Mitglieder des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, die alljährlich die Musikerfamilie des Festivals bilden, treten nur in einem Konzert auf. Das NoPhilBrass, gebildet aus Blechbläsern des Orchesters, lässt festlich Trompeten und Posaunen erklingen. Das Programm zieht von Claude Debussy über Fats Waller und Leonard Bernstein bis zum Tango Nuevo von Astor Piazzolla (zum 100. Geburtstag) ganz unterschiedliche Register (Mittwoch, 9. Juni, 19.30).

Der Sarner Hornist Florian Abächerli verbindet mit seiner Familienbande Text und Musik. Mit dem Pianisten Benjamin Engeli, der Geigerin Fiona Kraege und dem Cellisten Joachim Müller-Crépon erklingen Werke von Brahms (Horntrio) sowie von Clara und Robert Schumann. Die familiären Bande zwischen den drei Romantikern veranschaulicht Andreas Müller-Crépon als Sprecher mit Briefen der Komponisten. Hinzu kommen Texte von Tucholsky und die erste Cellosonate von Camille Saint-Saëns (zum 100. Todestag, 17. Juni, 19.30, Aula Cher, Sarnen).

Oboenfamilienoberhaupt und eine Streichquartett-Familie

Das Oboentrio um Heinz Holliger als «Oboenfamilienoberhaupt» (mit An­drea Bischoff und Marie-Lise Schüpbach) hat am ErstKlassik ebenfalls Tradition. Zum nachgeholten Geburtstagsgruss an Beethoven kommen dessen Zeitgenossen Hans Georg Nägeli, Paganini und Antonio Pasculli, der «Paganini der Oboe», hinzu. Zudem wirken die Harfenistin Alice Belugou und der junge russische Geiger Dmitry Smirnov mit.

Zum Festivalschluss tritt eine preisgekrönte Quartett-Familie auf.

Das Carmina Quartett spielt in der seit 2018 bestehenden Besetzung. Neben den Gründungsmitgliedern Matthias Enderle und Wendy Champney gehören dazu deren Tochter, die aufstrebende Cellistin Chiara Enderle, sowie die Geigerin Agata Lazarczyk. Auf dem Programm stehen am 23. Juni in der Aula Cher in Sarnen und am 26. Juni im Barocksaal des Klosters Engelberg Streichquartette von Mendelssohn ­(a-Moll op. 13) und Schubert (G-Dur D 887). Zur moderierten Generalprobe in der Aula Cher sind am 23. Juni Obwaldner Schulklassen eingeladen.

Tickets können online über die Website des Festivals gebucht werden, wo alle Kontaktangaben erfasst werden. Für das Konzert in Engelberg können Karten telefonisch gebucht werden (Tel.0416609118).

Kammermusikfestival «ErstKlassik am Sarnersee», 9. bis 23. Juni; weitere Infos: www.erstklassik.ch.