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FESTIVAL: Slayer: «Wir lieben es, Tabus zu brechen»

Nächstes Wochenende kommt mit Slayer eine der wichtigsten Metalbands ans «Allmend rockt» in Luzern: Gitarrist Kerry King über laute Töne zu Religion und Politik.
Interview Olaf Neumann
Die Musik von Slayer mit Gitarrist Kerry King (51) ist laut und extrem schnell. Die Texte sind meist voller Wut. (Bild: Ethan Miller (Getty Images))

Die Musik von Slayer mit Gitarrist Kerry King (51) ist laut und extrem schnell. Die Texte sind meist voller Wut. (Bild: Ethan Miller (Getty Images))

Interview Olaf Neumann

Slayer bereicherten den Heavy Metal einst um eine neue Spielart: Thrash Metal. 34 Jahre nach ihrer Gründung sind die grau melierten Kalifornier immer noch unterwegs und aktiv.

Und wie: Das wichtige Branchenmagazin «Metal Hammer» kürte die lauten Hochgeschwindigkeitsrocker zur «besten internationalen Band 2015». Kerry King, 51-jähriger Gitarrist, Songschreiber und Grammy-Preisträger hat als einziger des Quartetts keine Langhaar-Matte, sondern einen kahlen, kunstvoll tätowierten Schädel.

Kerry King, wie fanden Sie 2013 nach dem Tod von Bandgründer und Co-Songschreiber Jeff Hanneman Ihre Kreativität wieder?

Kerry King: Nach Jeffs Tod habe ich das übernommen, was er immer getan hat: nämlich Songs mit düsteren, gruseligen Stimmungen zu machen. Ich wollte, dass ein Teil von ihm bei uns bleibt. Als einer der ersten Songs ist «When The Stillness Comes» mit Drummer Paul Bostaph und mir im Probenraum entstanden. Aber erst als Tom Araya den dazugehörigen Text einsang, wurde deutlich, wie grossartig diese Nummer wirklich ist.

Warum war Jeff Hanneman nicht mehr zu retten?

King: Jeff wusste nicht, wie es war, einmal nicht zu trinken. Sein erster Griff nach dem Aufwachen war nach der Heineken-Flasche. So war er eben. Im Grunde ist Jeff ein glücklicher Mensch gewesen. Wenn er heute noch unter uns weilen würde, hätte er bestimmt einiges an seinem Verhalten freiwillig geändert. Ich konnte ihm jedenfalls nicht helfen, was manchmal echt zum Kotzen war. Es war schon merkwürdig, dabei zuzusehen, wie sein Leben langsam den Bach runterging.

Haben Sie aus Jeffs Hannemans Tod etwas gelernt?

King: Jeff und ich hatten viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Das Leben ist ein Lernprozess, mein Tag besteht heute nicht nur aus Alkohol, ich trinke auch mal Wasser. Ich werde langsam älter und achte auf meine Ernährung. Mein Cholesterinspiegel freut sich, wenn ich nur jeden zweiten Tag ein Steak esse. Das mindert ja nicht den Spass am Leben.

Ist Ihre Musik ein Spiegel der Gesellschaft?

King: Ja und nein. Ich schreibe nicht präzise über gesellschaftliche Phänomene, sondern mache lieber allgemeingültige Statements. Ich habe keine Lust, über amerikanische Politik zu schreiben. Jeder hasst doch seine Regierung irgendwie. Wenn ich politische Aussagen mache, dann immer so, dass sich auch jemand anderswo damit identifizieren kann.

Helfen Ihre Songs, die dunkle Seite des Menschseins zu verstehen?

King: Absolut. Wir haben von Anfang an über Dinge geschrieben, über die man gemeinhin nicht gerne spricht. Wir lieben es, Tabus zu brechen. Wobei wir sehr arrogant sind und uns nicht darum kümmern, was «die Gesellschaft» von uns hält. Wir sind keine esoterischen Spinner, unsere Texte haben stets einen realen Hintergrund. Dass der Mensch die Erde verhunzt, ist ja Tatsache.

Können Sie nachvollziehen, dass viele Menschen hinsichtlich Religion oder Politik immer extremer denken?

King: Jede Nation hat eine andere Gesellschaft, deshalb machte ich meine Beobachtungen hauptsächlich in Amerika, wo ich herkomme. Ich habe das Gefühl, dass sich viele Gläubige bewusst einer Gehirnwäsche unterziehen lassen, die wollen gar keine eigene Meinung entwickeln. Das war in meiner Generation noch anders, wir waren viel offener. Ich habe nichts gegen religiöse Menschen, alles wunderbar. Aber wenn jemand religiös wird, weil ihm das gesagt wurde, habe ich damit ein Problem.

Kann Ihre Musik ein Zeichen setzen für Toleranz und Akzeptanz?

King: Vielleicht, ja. Bei allem, was ich öffentlich zu meiner Musik sage, lasse ich nie unerwähnt, dass ich Atheist bin. In Songs wie «Disciple» oder «Cult» attackiere ich zwar Religion, versuche aber niemanden zu manipulieren. Ich möchte einfach nur meine Gedanken mit anderen teilen und Diskussionen lostreten. Vielleicht öffnen diese Songs ja Augen.

Welches Ereignis hat Sie zu dem Song «Pride In Prejudice» inspiriert?

King: Unter anderem die Unruhen in Ferguson. Die Urversion dieses Songs schrieb Tom bereits vor 20 Jahren, ich habe ihn dann aufgefrischt mit einem Text über den Hass in Ferguson. Die dortigen Behörden haben alles vergeigt, indem sie versuchten, die Polizei wie Militär einzusetzen. Das kulminierte in einer entsetzlichen Fehlzündung. Wie sie dort den Konflikt lösen wollten, war lachhaft.

Und solche Ereignisse machen Sie dann aggressiv und angriffslustig?

King: Die Aggression kommt aus mir selbst und aus meinen Beobachtungen. Die Menschheit ist ein Virus. Und dieser Virus lebt auch in mir mit seinen guten und schlechten Eigenschaften. Ich muss nicht zwangsläufig darüber schreiben, was mir konkret an unserer Gesellschaft nicht gefällt, aber ich benutze meine Wut über die Zustände, wenn ich Musik mache.

Letzte Frage: Wie ist es um Ihr Gehör bestellt nach 35 Jahren im Schwermetalgeschäft?

King: Gar nicht mal so schlecht. Tom ist dagegen taub wie eine Nuss, das liegt daran, dass er seine Monitorboxen jahrelang bis zum Anschlag aufgedreht hatte. Ich mag laute Musik, aber sie sollte nicht weh tun. Das hat mich gerettet.

Hinweis

Slayer spielen am Samstag, 4. Juni, vor Rammstein am «Allmend rockt» in Luzern. Weder für den Festivalfreitag noch für den Samstag gibt es derzeit Tickets. Infos: www.allmend-rockt.ch

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